Der Hochbunker an der Blumenstraße steht derzeit leer.

Pläne über Pläne

Was soll aus dem Hochbunker in der Blumenstraße werden?

München - Um den Hochbunker tobt derzeit ein Planungskrieg. Die CSU plant ein Museum, Bellevue di Monaco wollen das Gebäude für ein Flüchtlingsprojekt. OB Dieter Reiter hört sich alle Vorschläge an.

Den Hochbunker an der Blumenstraße nahe des Viktualienmarkts kennt wohl jeder Münchner vom Vorbeigehen. Seit Jahrzehnten steht das markante, denkmalgeschützte Gebäude gegenüber der Schrannenhalle leer. Nun könnte es mit Leben erfüllt werden. Die Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco möchte das Gebäude in ihr Flüchtlingsprojekt an der Müllerstraße integrieren. Die Rede ist von einer kulturellen Nutzung, Ausstellungsflächen und Ausbildungsmöglichkeiten für junge Flüchtlinge. Allerdings gibt es auch Pläne für ein Baukunstmuseum der Architekturgalerie München. Welches Konzept zum Tragen kommt und ob der Turm der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, steht noch nicht fest.

Gespräche über eine mögliche Nutzung des Hochbunkers sind im Gange. Das bestätigte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) unserer Zeitung. Eile sieht der OB in dieser Angelegenheit aber nicht geboten. Schritt für Schritt solle ein Konzept entwickelt werden, meint Reiter. Dabei gehe es auch um den wirtschaftlichen Aspekt. Der Umbau des Hochbunkers koste sicher viel Geld, so Reiter. Zum jetzigen Zeitpunkt hält er noch die ganze Bandbreite an Nutzungsideen für möglich. Aber: „Ich sehe hier keinen Zeitdruck und will mir das genau anschauen.“ Zum Interesse von Bellevue di Monaco äußerte sich der OB nicht.

Bellevue di Monaco würde den Hochbunker gern in ihr Flüchtlingsprojekt integrieren

Wie berichtet, renoviert Bellevue die drei Häuser an der Müllerstraße 2, 4 und 6. 40 junge Flüchtlinge und Familien sollen dort untergebracht werden, die ersten Asylbewerber könnten in gut einem Jahr einziehen. Geplant sind auch Räume für kulturelle Veranstaltungen und Workshops sowie ein Café. Beim Umbau sollen die Flüchtlinge selbst mit anpacken. Was die berufliche Ausbildung betrifft, sind die Verantwortlichen der Sozialgenossenschaft auch mit der Handwerkskammer in Kontakt. OB Reiter hatte Bellevue die Monaco mal als „Leuchtturmprojekt“ bezeichnet. Mittlerweile hat die Genossenschaft 360 Unterstützer, die einen oder mehrere Anteilsscheine in Höhe von 500 Euro gezeichnet haben. Obendrauf kommt Geld von Stiftungen und Einzelspendern.

Till Hofmann, Vorstandsmitglied von Bellevue, könnte sich nun vorstellen, dass der Hochbunker in das Projekt integriert wird – in Kooperation mit der Stadt. Es sei aber noch zu früh, über Einzelheiten zu sprechen: „Wir müssen erst die Finanzierung auf die Füße stellen.“ Inhaltlich seien kulturelle Nutzungen, Ausstellungsflächen sowie eine Ausbildungswerkstätte für Jugendliche denkbar.

Museum zur Dokumentation des Luftkriegs oder Architekturmuseum - alles ist denkbar

Die CSU hatte in der Vergangenheit bereits einmal einen Antrag gestellt, in dem Bunker ein Museum zur Dokumentation des Luftkriegs einzurichten. Nach Einschätzung von Stadtrat Richard Quaas wäre die Umsetzung dieser Idee mit einem Architekturmuseum verknüpfbar. Wie der OB sieht aber auch Quaas die Gespräche noch ziemlich im Anfangsstadium. Dennoch würde er es befürworten, das Gebäude wieder zu beleben.

Auch die Grünen halten den Vorschlag eines Architekturmuseums oder eines Forums für Baukultur für konsensfähig. Vor eineinhalb Jahren hatte sich die Partei noch für einen multikulturellen Begegnungsort eingesetzt. Stadtrat Paul Bickelbacher könnte sich auch eine städtische Nutzung vorstellen. So benötige das Planungsreferat immer wieder Platz für Ausstellungen. Auf alle Fälle werde ein Umbau aufgrund der dicken Mauern und der niedrigen Raumhöhen des Gebäudes zu einer großen Herausforderung für Architekten, glaubt Bickelbacher.

13 Dinge, die (nur) Münchner wissen

Der Hochbunker an der Blumenstraße stammt aus dem Zweiten Weltkrieg. Er erinnert an einen mittelalterlichen Stadtturm und wurde 1941 nach Plänen von Karl Meitinger durch das städtische Baureferat errichtet. In dem Bunker sollten bis zu 1200 Menschen Schutz vor Luftangriffen finden. Der Grundriss des Gebäudes ist quadratisch, die Kantenlängen messen etwa 14 Meter. Das sechsstöckige Gebäude ist von bis zu 1,30 Metern dicken Außenmauern eingefasst. Auf den Turm aufgesetzt ist ein Zeltdach, das mit einem Dachreiter abschließt.

Klaus Vick

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