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Das Geschäft in der Rumfordstraße in München.

Die Gründe sind vielfältig

Dieses Münchner Traditionsgeschäft muss nach 125 Jahren schließen

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Es ist ein trauriges Jubiläum: Der Münchner Traditionsladen „Musik Rauscher“ muss nach 125 Jahren seine Türen für immer schließen. 

München - Eigentlich hätten Ingeborg Rauscher (86) und ihr Sohn Otto (58) allen Grund zum Feiern. Am Freitag gibt es ihr Musik-Geschäft „Musik Rauscher“ seit 125 Jahren. Doch für die Rauschers ist es ein trauriges Jubiläum. Der Laden, den Otto Rauscher jetzt in vierter Generation betreibt, muss im kommenden Jahr schließen. „Es ging einfach nicht mehr, wir können kaum noch die Miete aufbringen“, sagt Ingeborg Rauscher. Damit verliert die Münchner Innenstadt ein weiteres Traditionsgeschäft.

Die Gründe für das Aus nach 125 Jahren sind vielfältig. „Die jungen Leute bestellen doch mittlerweile alles im Internet“, sagt Ingeborg Rauscher resigniert. Neben der Verkaufstheke steht wie zum Beweis ein großer Stapel Pakete. „Wir nehmen für die ganze Nachbarschaft Pakete von Internethändlern an – aber bei uns kaufen immer weniger Menschen ein“, ärgert sich die 86-Jährige, die immer noch mit Herzblut bei der Sache ist. Ein zweiter Punkt: Der erzwungene Umzug vom Tal in die Rumfordstraße. „Laufkundschaft kommt hier praktisch überhaupt nicht vorbei“, sagt Otto Rauscher. 115 Jahre lang war der Laden im Tal ansässig, dort hatte er seine besten Zeiten.

Kein Grund zum Feiern: Ingeborg und Otto Rauscher in ihrem Geschäft an der Rumfordstraße, das sie nun mangels Kundschaft aufgeben müssen.

Karl Valentin war Stammkunde in dem Laden

Ottos Urgroßvater Josef hatte das Geschäft am 1. Dezember 1892 gegründet. Karl Valentin war Stammkunde und legte in der Werkstatt auch mal selber Hand an. Ingeborg Rauscher erinnert sich: „Der Valentin kam regelmäßig vorbei und hat in unserer Werkstatt gemeinsam mit dem Meister an seinen Kuriositäten gebaut.“ Ebenfalls zu den Stammgästen gehörten die Jazz-Legenden Max Greger und Hugo Strasser. „Der Greger kaufte sich bei uns die Saxofonblätter. Und wenn kurz vor einer Tournee noch was zu richten war, waren wir zur Stelle“, erzählt Otto Rauscher. „Das hat Spaß gemacht, da hat sich was gerührt“, sagt der Holzblasinstrumentenmacher.

In der Rumfordstraße rührte sich dagegen nicht mehr viel. „Monat für Monat sind weniger Kunden gekommen“, sagt Otto Rauscher. Während des Gespächs mit unserer Zeitung betritt kein Käufer den Laden. Auch die Krise der Volksmusik macht den Rauschers zu schaffen. „Mag sein, dass auf dem Land noch mehr musiziert wird. In der Stadt haben die Vereine Nachwuchssorgen. Welcher junge Mensch spielt heute noch Zither“, fragt sich Ingeborg Rauscher.

Ein Lichtblick bleibt den Rauschers noch: Die Werkstatt

In den letzten Jahren hätten Mutter und Sohn nur noch aus Idealismus ausgeharrt. „Die Tradition aufrechterhalten“, sagt Ingeborg Rauscher. Jetzt lief der Zehnjahres-Mietvertrag aus und die Frage nach der Zukunft musste geklärt werden. Obwohl die Miete nicht erhöht werden sollte, mussten die Rauschers den Laden schweren Herzens aufgeben. Die beiden Söhne werden die Familientradition ebenfalls nicht weiterführen. „Die sind in ihren gelernten Berufen glücklich – und das ist auch gut so“, sagt Otto Rauscher.

Die Werkstatt bleibt: Hier repariert Otto Rauscher eine Klarinette. 

Den Rauschers bleibt nur noch die Werkstatt. „Instrumente müssen überholt und in Schuss gehalten werden. Das geht noch nicht im Internet“, sagt Rauscher. Künftig will er die Reparaturarbeiten daheim, in der Streberstraße in Allach, erledigen. „Da gibt es dann wenigstens Parkplätze“, sagt der Rauscher. Im Laden hingegen geht bald der große Ausverkauf los. Ingeborg Rauscher lässt sich ihren Humor nicht nehmen: „Wir starten mit den Jubiläumspreisen und gehen dann über zu den Räumungsangeboten.“ 

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