Brand an der Wiesn - Einsatz läuft - Beißender Gestank in der Luft

Brand an der Wiesn - Einsatz läuft - Beißender Gestank in der Luft
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Powerfrauen in rot: Ayse (l.) und Hatice posieren in Ayses Friseursalon in der Münchner Innenstadt.

Außen sind sie gleich, innen anders

Ein Leben als Zwilling: Früher suchten Ayse und Hatice Gegensätze, heute Gemeinsamkeiten

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Weil Ayse und Hatice als junge Frauen unter ihrem Zwillings-Dasein leiden, grenzen sie sich voneinander ab. Heute sind sie eigenständig – und gehören doch zusammen.

München – Ayse hat es nicht übers Herz gebracht. „Er hat mir so leid getan.“ Sie zieht die Schultern nach oben, es wirkt wie eine Entschuldigung. Na gut, einem Verehrer zu erklären, dass seine Gefühle nicht erwidert werden, ist wahrlich nicht schön. Also schickte sie Hatice zu dem Treffen – und vermied so die unangenehme Begegnung. „Der Ärmste hat nicht einmal gemerkt, dass ich gar nicht Ayse bin“, sagt Hatice. Eine Zwillingsschwester kann sehr praktisch sein.

Heute sind Ayse und Hatice 51 Jahre alt. Wenn sie wie an diesem Tag in Ayses Friseursalon in der Münchner Innenstadt sitzen und sich an Jugendgeschichten erinnern, lachen sie viel. Ihre braunen Augen glänzen, ihre Gesichter strahlen. In den identischen roten Jumpsuits sehen sie aus wie blonde Superheldinnen. Nach dem Motto „Gegen uns kommt keiner an“.

Mit 18 Jahren lässt Ayse sie Hatice zurück, um zu reisen – allein

Spieglein, Spieglein an der Wand: Auf den ersten Blick sind die Zwillingsschwestern nur schwer zu unterscheiden.

Doch es gab auch andere Zeiten. Bis sie 16 Jahre alt waren, lebten die Schwestern in der Türkei. Damals litten sie unter ihrem Zwillings-Dasein. „Wir waren für jeden immer nur ‚Ayse und Hatice‘“, erzählt Ayse. Immer im Doppelpack. „In der Schule, in der Familie, überall.“ Niemand habe die eine ohne die andere wahrgenommen. Hatice sagt: „Aber du musst dich als Individuum beweisen, um herauszufinden, wer du bist.“

Also taten die beiden das, was ihr Umfeld nicht tat. Sie grenzten sich voneinander ab, suchten die Gegensätze, den Kontrast. Hatice trug die Haare lang, Ayse kurz. Hatice trug Kleider, Ayse Jeans. „Jede hat versucht, ihr eigenes Ding zu finden“, sagt Ayse. Doch das war ihr nicht genug. Mit 18 Jahren ließ sie Hatice zurück – und reiste ein Jahr lang durch die Welt. Nicht als Zwillingsschwester. Nur als sie selbst. „Ich habe das damals gebraucht. Musste einfach Ayse sein.“

Als ihr Zwilling das erzählt, hört Hatice plötzlich auf zu lächeln. „Das war schlimm.“ Sie ist sechs Minuten früher geboren als Ayse, fühlt sich schon immer verantwortlich für ihre „kleine“ Schwester. „Ich habe mir Vorwürfe gemacht, dass ich nicht besser auf sie aufgepasst habe.“ Ayse legt ihrer Schwester liebevoll den Arm um die Schultern. „Ach, Hati – jetzt haben wir uns doch wieder.“ Hatices Lächeln kehrt zurück. So schnell sich die zwei streiten, so schnell vertragen sie sich wieder.

Ayse ist extrovertiert und immer aktiv, Hatice ist die gelassene Schwester

Unabhängig sein: Das Ziel aus Kindertagen haben Ayse und Hatice heute erreicht. Sie stehen fest im Leben – als eigenständige, starke Persönlichkeiten.

Abgesehen von ihrem Äußeren und ihrer positiven Einstellung, verbindet die Schwestern der Beruf: Ayse führt einen Friseursalon in München, Hatice einen in Frankfurt. Das war’s mit den Gemeinsamkeiten. Außen sind sie gleich, innen anders. „Ich bin die Laute, Extrovertierte, Aufgedrehte, muss immer und überall aktiv sein“, sagt Ayse. Schwester Hatice hingegen ist die gelassene Analytikerin. Sie sagt: „Ayse hat Angst vor der Ruhe, ich suche sie.“

Doch bei aller Eigenständigkeit, allen Unterschieden, allem Kontrast – Ayse und Hatice gehören zusammen. „Wie Salz und Pfeffer“, sagt Ayse. Fehlt eines, schmeckt das Essen nur halb so gut.

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