Weihnachtsgeschäft

Einzelhandel zieht ernüchternde Bilanz

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Der Optimismus ist verflogen: Münchens Innenstadt-Händler müssen hochfliegende Erwartungen an das Weihnachtsgeschäft 2016 begraben. Doch ganz aufgeben will City-Manager Wolfgang Fischer das Jahr noch nicht.

In der Stadt sei viel los, „aber die Einkaufstaschendichte ist zu niedrig“, konstatiert Fischer, Geschäftsführer des Vereins City Partner, in dem sich die Innenstadthändler zusammengeschlossen haben. Die Hoffnung, die zusätzliche Adventswoche werde das Blatt noch wenden, habe sich nicht erfüllt.

Der Münchner Handel liegt damit im Trend: Auch bayernweit sei die Bilanz „eher dürftig und bescheiden“, sagte Verbandssprecher Bernd Ohlmann am Donnerstag. Angesichts der guten Wirtschaftslage und zweier zusätzlicher Verkaufstage hatte der Einzelhandel im Freistaat mit 2,5 Prozent mehr Umsatz gerechnet. Tatsächlich aber „kommen wir ungefähr auf das Niveau des Vorjahres: 13,3 Milliarden Euro Umsatz im November und Dezember“, sagte Ohlmann.

Er sieht als eine Ursache den boomenden Internethandel, der vor allem kleinen Einzelhändlern das Leben schwer mache. „Die Leute kaufen wie verrückt online ein“, sagte Ohlmann und verwies auf die Rekordzahlen der großen Paketdienste. DHL, Hermes und DPD hatten vor Weihnachten bis zu 20 Prozent mehr Sendungen befördert. Doch allein damit lasse sich in München der durchwachsene Geschäftsverlauf nicht erklären, sagt Fischer. Immerhin seien die großen Händler selbst längst auf diesem Kanal aktiv – anders als in der Fläche. Bayernweit hat laut Ohlmann nur jeder dritte Einzelhändler einen Online-Shop.

Hauptproblem sei das Wetter, sagt Fischer. „Es ist zu warm. Darunter leidet am meisten der Wintersport. In den Alpen ist es ja bis 2500 Meter grün bis auf ein paar Kunstschneebänder in den Skigebieten.“ Auch Winterkleidung lasse sich kaum verkaufen, und insgesamt fehle die Kauflaune. Ob das Attentat in Berlin da mit hineinspiele, sei schwer zu sagen.

„Beratungsklau“ – Kunden lassen sich im Laden beraten und kaufen dann billig im Internet – spielt laut Fischer kaum noch eine Rolle. Immer häufiger beobachte er das Gegenteil: „Die Leute recherchieren im Internet und kommen sehr informiert ins Geschäft. Da kaufen sie, weil sie die Gewissheit schätzen: Wenn was ist, kann ich es hier wieder herbringen.“

„Die exorbitante Kauflaune der Bevölkerung, die Studien festgestellt haben wollen, können wir in der Realität nicht beobachten“, lautet Fischers nüchterne Adventsbilanz. Doch ganz ohne Hoffnung ist der City-Manager nicht. Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester seien in den vergangenen Jahren immer stärker geworden. „Da ging es manchmal zu wie im Advent.“ Und dieses Jahr gibt es in dieser Zeit fast fünf Einkaufstage, denn auch Silvester, so Fischer, hätten die meisten Geschäfte in der Innenstadt bis 16 Uhr geöffnet. Da würden dann Gutscheine eingelöst, und manches Paar komme auch gemeinsam zum Bummeln und Shoppen – ein Trend, der sich von Jahr zu Jahr verstärkt habe. Für viele Kunden müsse ein Geschenk offenbar nicht mehr unbedingt unter dem Christbaum liegen, vermutet der Fachmann.

Auch Verbandssprecher Ohlmann hofft auf eine „Ehrenrunde“ des Christkinds zwischen den Jahren. Doch Wunder, so Fischer, dürfe man davon nicht erwarten: „Ein Jubeljahr wird das nicht mehr“, sagt er. „Wenn wir das Vorjahresergebnis erreichen oder noch ein bisserl drüber kommen, dürfen wir zufrieden sein.“

Rubriklistenbild: © dpa

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