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Der Viktualienmarkt bleibt sein Revier: Polizeihauptkommissar Erwin Noll betreute den Markt im Herzen Münchens viele Jahre als Polizist, nun verkauft er Wurstwaren.

Ohne den Markt kann er nicht

Geselchtes statt Uniform: So kehrt der Ex-Schandi von Viktualienmarkt zurück

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Mit Leib und Seele war Erwin Noll (60) der „Schandi vom Markt“, wie ihn die Standl-Leute vom Viktualienmarkt liebevoll nennen. Jetzt hat er einen anderen Job.

Der Polizeihauptkommissar kennt in der Stadt Gott und die Welt – und die Münchner kennen ihn. Inzwischen hat er die grüne Uniform abgelegt und ist in Pension. Stattdessen trägt er jetzt einen weißen Kittel: Erwin Noll arbeitet von Montag bis Donnerstag am Viktualienmarkt im „Räucherkistl“ von Standbesitzer Martin Babler.

17 Jahre lang war die Gegend um den Viktualienmarkt Nolls Revier. Als ehemaliger Schichtdienst-Beamter durfte er kürzlich mit 60 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand gehen. Aber: „Ich ziehe den Unruhestand vor“, lacht der Münchner. Statt Räuber zu fangen, verkauft er jetzt Geräuchertes. Ein Kinderspiel ist der Job aber nicht: Touristen wollen auf Englisch wissen, was Wildschweinwurst ist. Ein anderer Kunde fragt, welches Geselchte am besten in die Polenta passt. Und einer sagt nur: „Drei zu eins für die Roten.“ Damit meint er: Drei Flaschen Rot- und einen Weißwein. Doch Noll reagiert, als hätte er in seinem Leben nie etwas anderes gemacht.

Fast zwei Jahrzehnte lang war das sein Revier: Erwin Noll am Viktualienmarkt.

Am 1. Dezember 1999 hatte Erwin Noll seinen Dienst in der heutigen Polizeiinspektion 11 aufgenommen. Ursprünglich wollte er die Stelle des Waffen- und Gerätewarts. Aber der Chef meinte, Noll gehöre auf die Straße, weil er so gut mit den Leuten reden könne. Als Kontaktbeamter, sagt der Erwin, habe er den schönsten Dienstbereich gehabt: von der Schranne über den Alten Hof übers Hofbräuhaus bis zum Isartor. „Und der Viktualienmarkt ist einmalig, ein Dorf in der Stadt.“

Sechs Angebote habe er von Standbesitzern bekommen – eins von einem Fischverkäufer: „Naa, de Fisch an Kopf abhaun, des mog i ned!“, sagt Noll. Das Geräucherte hingegen hat ihm immer gut geschmeckt. „Freilich, die Leit schaugn scho, wenns mi seng. I sog aus Gaudi dann ollawei: ,Kenna Sie mi?’ I bins, der Schandi vom Markt. Dann wissens, wer i bin.“ 

Tina Layes

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