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Die neue Wegeführung in der Altstadt. 

Fahrradverbot am Marienplatz

Neue Radlroute in der Altstadt: Grüne befürchten Chaos

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München - Drohen der Stadt neue Radler-Brennpunkte? Das fürchten die Grünen. Wenn das Radeln entlang des Marienplatzes verboten wird, könnten bald fünf mal so viele Radler den Viktualienmarkt passieren. Auch im Hofgarten könnte es eng werden. Heute entscheidet der Stadtrat.

Die neue Wegeführung in der Altstadt. 

Mythos Hinterzimmer: In den Nebenräumen von Wirtshäusern werden politische Lösungen angeblich vorbereitet. Vorbei an Parteigremien. Vorbei an ungeliebten Partnern. Für den Bürger schwer nachvollziehbar. In Wahrheit sitzt kaum noch wer in den nicht mal mehr verrauchten Hinterzimmern. Auch Münchens Stadt-Politiker gehen eher auf ein, zwei, drei Bier in den Franziskaner oder eine Pizza essen. Wo sich die Fraktionschefs von SPD und CSU zusammengesetzt haben, um einen Radlkompromiss zu schmieden, ist nicht überliefert. Die Grünen auf jeden Fall schäumen: In „Hinterzimmer-Manier“ sei die Planung entstanden. „Ein Schlag ins Gesicht der Bürger“, was sich Alexander Reissl (SPD) und Hans Podiuk (CSU), „zwei ältere Herren“, da „mal kurz ausgedacht“ hätten.

Was die Öko-Fraktion so in Wallung bringt? Der Vorschlag für das Radwege-Netz in der Innenstadt, über den der Stadtrat heute beschließt. Wie berichtet, sollen die Radler vom Marienplatz verschwinden. Die Haupttrasse von Nord nach Süd soll vom Odeonsplatz über den Hofgarten, die Alfons-Goppel-Straße, die Falkenturm- und Sparkassenstraße bis zum Viktualienmarkt führen (siehe Grafik). Der Marienplatz wäre tabu: Nur noch vom Odeonsplatz bis zum Marienhof wäre das Radeln erlaubt.

Ein Schildbürger-Streich – finden die Grünen. „Außer dem Bauchgefühl von Podiuk und Reissl spricht nichts für eine Sperrung des Marienplatzes“, schimpfte der Grüne Herbert Danner gestern. Die bisherige Route sei „alles andere als ein Unfallschwerpunkt“. Wenn man so argumentiere, sagte Danner, müsse man doch „ganze Autostraßen dicht machen“.

Das sind die neuen Brennpunkte, die die Verkehrsexperten der Grünen befürchten:

  • Viktualienmarkt: 2000 Radler pro Tag fahren bislang am Viktualienmarkt entlang. Mit einer Sperrung des Marienplatzes würden es laut Grüne bis zu 10 000 Radler sein.
  • Torbogen Hofgarten: Vom Odeonsplatz aus würden die Radler durch den Torbogen in den Hofgarten geleitet. „Eine völlig neue Konfliktsituation entsteht dort!“, sagte Danner.
  • Maximilianstraße: Die Radler müssten Münchens Edel-Meile ohne Ampel zwischen zwei kleinen Straßen queren. „Das führt zu Wartezeiten und ist gefährlich“, sagte Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher.
  • Alfons-Goppel-Straße: Die Straße halten die Grünen für eine Radl-Hauptroute ungeeignet, weil dort Kopfsteinpflaster liegt, das unter Denkmalschutz stehe.

Bickelbacher verwundert auch, dass der 52er-Bus Richtung Tierpark nicht mehr direkt am Marienplatz, sondern am Viktualienmarkt starten soll. „Das ist schizophren“, sagte er. „Da baut man am Tierpark ein Parkhaus – und verschlechtert wissentlich die öffentliche Anbindung.“

Die Grünen fordern stattdessen, die Hauptroute vom Odeonsplatz über die Residenzstraße, den Max-Josephs-Platz, den Hofgraben und die Sparkassenstraße zum Viktualienmarkt zu führen. Zusätzlich soll eine Strecke über die Alfons-Goppel-Straße für den vom Lehel, Hofgarten und Englischem Garten kommenden Radverkehr „verbessert“ werden. Heute versuchen die Grünen, die angebliche „Hinterzimmer“-Koalition aus SPD und CSU zu überzeugen.

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