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Hella Müting auf dem Plakat, das ab Samstag auf dem Lenbachplatz zu sehen sein wird

Am Lenbachplatz

Der Grund, warum uns die 106-jährige Helga auf dem Plakat anlächelt, ist fast genauso alt wie sie

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Mit einem Stück Kuchen auf dem Schoß strahlt uns ab Freitag eine weißhaarige ­Dame von einem großen Plakat am Lenbachplatz an. Es ist Hella Müting, die mit stolzen 106 Jahren zum Plakat-Star wird.

München - Der Grund ist fast genauso alt wie die Seniorin: Am 19. Januar ist es 100 Jahre her, dass Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen durften.

Hella Müting erinnert sich noch an das erste Mal, als sie ihre Stimme abgeben durfte. Das war bei der Reichstagswahl 1932, Müting war 19 und studierte Jura in Göttingen. Wen sie gewählt hat? Das weiß sie nicht mehr so genau. „Aber nicht den Adolf Hitler“, sagt sie. Das Frauenwahlrecht fand sie damals „irgendwie normal. Man war ja noch jung.“

Jetzt, im Alter, lebt Müting in einem Seniorenheim in Gilching (Kreis Starnberg). Und sie macht noch einmal Karriere: Bis Mitte März ist sie auf dem fünf mal fünf Meter großen, freistehenden Plakat zu sehen. Das Bild haben die Künstlerinnen Bianca Kennedy und Janine Mackenroth, beide Jahrgang 1989, gestaltet. Damit bewarben sie sich auf eine Ausschreibung des Kulturreferats und setzten sich durch. Müting fanden sie – typisch für ihre Generation – über einen Aufruf bei Facebook. Während Müting auf der Vorderseite ist, sieht man auf der Rückseite des Plakats eine Hand, die beherzt in den Kuchen greift. Diese Hand gehört der 90-jährigen Resi, Janine Mackenroths Oma. Der Plakattext fragt „Ein größeres Stück vom Kuchen?“

Janine Mackenroth (v.l.) mit ihrer Großmutter Resi, Hella Müting und Künstlerkollegin Bianca Kennedy.

Eigentlich steht den Frauen ein halber Kuchen zu

Mit dem Werk wollen die Künstlerinnen zeigen, dass es bei der Gleichstellung von Mann und Frau „noch Luft nach oben“ gibt, wie Kennedy sagt. Eigentlich stehe den Frauen ein halber Kuchen zu – doch Politik und Gesellschaft speisten sie meist mit einem kleineren Stück ab. Auch Hella Müting ist der Meinung, dass es die Gleichberechtigung nur in der Theorie, nicht aber in der Praxis gibt. „Es geht alles zu Lasten der Frauen. Alleinerziehende gibt es viele, Alleinerzieher nicht“, sagt sie zum Beispiel. Zwei Mal war sie verheiratet, fünf Kinder hat sie großgezogen. Übrigens: Mit 102 war sie das erste Mal im Kino zu sehen. In Dagmar Wagners Film Ü100, in dem acht über 100-Jährige porträtiert wurden. Ihre Lebensfreude strahlt Hella auch vier Jahre später aus – überzeugen Sie sich selbst am Lenbachplatz!

Mehr Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auf der Facebook-Seite „Altstadt-Lehel - mein Viertel“.

Lesen Sie auch: Gleichberechtigung in der Chefetage: In Tölz-Wolfratshausen ist Luft nach oben

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