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Der Markt war sein Leben: Ludwig Freisinger mit seiner Frau Gertraud 2007.

Mit 81 Jahren

Trauer um Viktualienmarkt-Legende: „Gurken-Freisinger“ gestorben

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Über mehrere Jahrzehnte führte Ludwig Freisinger seinen Standl „Die saure Ecke“ am Viktualienmarkt und machte sich einen Namen. Nun trauern die Händler um einen ruhigen und humorvollen Kollegen.

München - Selbst als es ihm die letzten Wochen im Krankenhaus sehr schlecht ging, dachte Ludwig Freisinger noch an sein Standl, seine Familie. „Was ist mit dem Sauerkraut – ist es aus?“, fragte er im Traum. „Bis zuletzt war der Markt alles für meinen Vater“, sagt Freisingers Sohn (54), der auch Ludwig heißt.

Ludwig Freisinger senior, auch „Gurken-Freisinger“ oder der „Sauerkraut-Ingenieur vom Viktualienmarkt“ genannt, war ein Urgestein auf dem Münchner Parade-Markt. Am Sonntag vor einer Woche ist er im Alter von 81 Jahren gestorben, im Dezember hatten die Ärzte bei ihm Magenkrebs diagnostiziert.

Freisinger arbeitete sein ganzes Leben lang hart, riss aber auch gerne mal einen Witz

Freisingers Standl, gleich beim Maibaum, trägt den Namen „Die saure Ecke“. Seit 1903 werkelt die Familie hier, mittlerweile in vierter Generation. Der Stand ist laut Stadt einer der ältesten auf dem Viktualienmarkt. Salz-, Senf- und sogar Knoblauch-Gurken, um die 30 Oliven-Sorten, Aufstriche und natürlich Sauerkraut verkaufen die Freisingers hier. Ihre Gurken legte die Familie früher selbst ein. „Doch dann wurde es mit den gesetzlichen Vorgaben immer komplizierter“, sagt Freisingers Sohn.

Ludwig Freisinger senior war einer, der sein ganzes Leben lang hart arbeitete, aber auch gerne mal einen Witz riss. Aufs Kraut, das es auf die Hand mitgab, legte er ab und an eine Gelbe Rübe. Aber eine scharf eingelegte. „Das gab ein Hallo, wenn die Kunden beim Essen gejapst haben“, sagt sein Sohn und grinst. Das mit der Leidenschaft fürs Tratzen, das habe er wohl vom Vater geerbt.

Die Freisingers sind eben Unikate. Die Münchner lieben ihren Stand noch heute. Die Gurken und das Kraut: Sie bleiben bestehen, während sich rund um den Markt so vieles ändert. Immer wenn sie in der Stadt sei, dann schaute sie hier vorbei, sagt eine Stammkundin, mittleres Alter, praktischer Kurzhaarschnitt. Dann ordert sie schon die nächsten Oliven am Tresen. „Das Verhältnis von Preis und Leistung, das stimmt hier einfach.“

Freisinger übernahm den Familienbetrieb in den 70er Jahren

Die Sachen vom Freisinger, die seien schon immer die besten gewesen, sagt auch Marktsprecherin Elke Fett (73). „Da waren alle immer neidisch.“

Im Alter von 18 Jahren stieg Ludwig Freisinger senior beim Stand seiner Familie am Viktualienmarkt ein. Auf der Schwanthalerhöhe war er aufgewachsen, Einzelhandelskaufmann hatte er in der Elektrobranche gelernt. 1976 dann, als sein Vater starb, übernahm er das Gurken-Imperium.

Ein ruhiger Mensch, nie aufbrausend, aber dennoch humorvoll: So beschreiben ihn andere Händler auf dem Markt. Als Freisinger 75 Jahre alt wurde, zogen er und Frau Gertraud (82) sich langsam aus dem Geschäft zurück. Mehrere Hüft-Operationen machten dem Senior zu schaffen. Heute führen sein Sohn, dessen Frau und ein Teilhaber den Stand. Ludwig junior hat noch eine Schwester, Gertraud junior (54). „Bei uns heißen alle gleich“, sagt Ludwig Freisinger und lacht. Zum 80. Geburtstag vergangenes Jahr machte die Familie dem Vater ein Geschenk, das ihm gefallen haben dürfte: Eine Krone – aus Gurken.

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