Aktion der Seelsorger

Knastzelle vor der Kirche St. Michael

München - Eine Gefängniszelle mitten in der Fußgängerzone? Ja, das geht. In der nächsten Woche wird sie vor der Kirche St. Michael stehen und zur Besichtigung bereit sein.

Da hat sich die katholische Kirche etwas Außergewöhnliches einfallen lassen: Nächste Woche wird es mitten in der Fußgängerzone, direkt vor der altehrwürdigen Kirche St. Michael eine echte Gefängniszelle zu besichtigen geben. Das Ganze ist eine Aktion der Seelsorger im Justizvollzug. Sie wollen ihre Arbeit ins Blickfeld der Menschen bringen – und zwar passend zum „Jahr der Barmherzigkeit“, das Papst Franziskus ausgerufen hat.

Am kommenden Freitag wird laut Erzbischöflichem Ordinariat München vor der Kirche ein Container aufgestellt, den man von 14 bis 20 Uhr, und am Samstag von 12 bis 20 Uhr betreten darf. „Der Container wird mit Originalgegenständen aus der Justizvollzugsanstalt München an der Stadelheimer Straße nachgebildet“, so das Ordinariat. Passanten können sich mal auf einer Gefängnispritsche sitzend in der Fünf-Quadratmeter-Zelle umsehen, oder mit Seelsorgern und sogar mit ehemaligen Inhaftierten sprechen.

So sah München Anfang der 70er-Jahre aus

„Wir wollen, dass Menschen miteinander im Gespräch bleiben und sich die Grenzen nicht verhärten zu jenen, die eine Haftstrafe verbüßen müssen“, sagt Sonja Eichelbaum, Leiterin des Fachbereichs Seelsorge. Es gehe bei der Aktion um einen Grundgedanken von Barmherzigkeit und des christlichen Glaubens: „Dass jeder Mensch, auch wenn er einmal gescheitert ist, Schuld auf sich geladen oder versagt hat, von Gott angenommen und geliebt ist.“

Der Fachbereich Seelsorge ist mit zwölf Mitarbeitern zuständig für neun Gefängnisse im Gebiet der Erzdiözese. Sie bieten Einzelgespräche sowie Gruppenarbeit für Inhaftierte an und sind auch Ansprechpartner für die JVA-Mitarbeiter.

AST

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