Die Apotheke im Tal
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Die Apotheke im Tal: Der Mohren-Schriftzug unten ist schon entfernt, der oben an der Fassade soll bald folgen.

Nach über 200 Jahren

„Haben uns nicht mehr wohlgefühlt“: Kunden von Münchner Apotheke müssen sich an weitreichende Änderung gewöhnen

  • Lisa-Marie Birnbeck
    vonLisa-Marie Birnbeck
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Nach 200 Jahren hat eine Apotheke Mitten in München ihren Namen geändert. Die Apotheke heißt jetzt nur noch Apotheke und das aus einem besonderen Grund.

  • Eine Apotheke in München hat ihren Namen geändert.
  • Nach 200 Jahren hat sich der Inhaber jetzt zu diesem Schritt entschlossen.
  • Ein Wort im Namen war nicht mehr zeitgemäß.

München - Wenn man den Blick an der Hausfassade nach oben schweifen lässt, sieht man ihn noch: den Schriftzug „Mohren-Apotheke“. Bis vor Kurzem war er auch noch eine Etage tiefer zu lesen – an dem Haus im Tal 13. Doch das ist Vergangenheit. Seit dem 1. September ist der umstrittene Mohr aus dem Namen verschwunden. Nach 200 Jahren. Jetzt heißt sie schlicht und einfach Apotheke im Tal.

München: Nach 200 Jahren - Apotheke im Tal ändert Namen

„Wir haben uns mit dem Namen nicht mehr wohlgefühlt“, erklärt Christian Neumeier (60). Seit über 30 Jahren arbeitet er hier, seit 18 Jahren ist er der Inhaber. Auch die Apotheke am Gasteig gehört ihm – und auch sie heißt künftig nur noch Apotheke am Gasteig.

Mit und ohne Mohr – die Apotheke im Tal hat eine lange Tradition. Bereits 1438 wurde sie gegründet, kam nach mehreren Standortwechseln im 19. Jahrhundert ins Tal. Gut 200 Jahre kannten sie die Münchner als „Mohren-Apotheke“. Damals war der Begriff nicht negativ belegt, wurde nicht als Beleidigung aufgefasst – im Gegenteil: „Es war früher Hinweis auf die vielen nichteuropäischen Arzneizutaten und für deren Wertschätzung“, weiß Neumeier. Doch dem ist heute nicht mehr so. „Diese Bedeutung hat sich aber geändert und jetzt ist der Begriff nicht mehr zeitgemäß.“

Apotheke in München: Der Begriff „Mohr“ verschwindet

Bundesweit wurde in den vergangenen Monaten immer wieder über den Begriff „Mohr“ und seine Verwendung gestritten. In Niedersachsen hatte der Flüchtlingsrat sich für eine Umbenennung von Straßen und Einrichtungen ausgesprochen, in Berlin soll auch der U-Bahnhof Mohrenstraße im Stadtteil Mitte nach jahrelangen Rassismusdebatten einen neuen Namen bekommen. Künftig soll die Station den Namen der dort verlaufenden Glinkastraße tragen. In Kassel nahmen die Namens-Gegner bei einer Apotheke die Sache selbst in die Hand, überklebten einfach teils die Reklame und machten somit die „Ohren-Apotheke“ daraus.

Name geändert: An der ehemaligen Mohren-Apotheke in der Nähe des Gasteigs wurde der umstrittene Schriftzug schon komplett entfernt.

Auch das Hotel „Drei Mohren“ in Augsburg* heißt inzwischen anders. Dabei hatte sich die Hotelleitung lange gegen eine Namensänderung gewehrt, betonte immer wieder, dass der Name keineswegs eine Abwertung bedeute, sondern vielmehr eine Wertschätzung beinhalte. Denn einer Legende nach sollen um das Jahr 1495 abessinische Mönche (also aus Ostafrika) in Augsburg Quartier bezogen haben und mit offenen Armen empfangen worden sein – daran sollte der Name des ältesten Hotels Augsburg erinnern. Schließlich lenkte die Hotelleitung aber ein, noch in diesem Jahr soll der Name in „Maximilian’s“ geändert werden.

Es wird der Technik-Palast des 21. Jahrhunderts! Google, der Daten-Riese aus den USA, plant einen Standort mitten in München: Büros für über 1000 Leute in der alten Arnulfpost.

Mohren-Apotheken in München sind Vergangenheit

Nun gehören auch die Mohren-Apotheken in München der Vergangenheit an. Für Christian Neumeier und sein Team der richtige Schritt. „Wir wollen niemanden ausgrenzen oder jemandem zu nahe treten.“

Jahrelang wurde über den Namen „Zigeunersauce“ diskutiert. Nun soll er geändert werden - und weitere als rassistisch empfundene Begriffe auch. Auch ein Keks-Konzern kämpft mit Rassismus-Vorwürfen. Die Gemeinde Unterföhring benennt ihren Kulturpreis um, berichtet Merkur.de*. Das Wort „Mohr“ wird gestrichen. An der Statue ändert sich vorerst allerdings nichts. *tz.de und Merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Corona-News: München reagiert auf die steigenden Infektionszahlen. Der Krisenstab hat über weitere Maßnahmen beraten.

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