Renate Schmidt vor ihrem Haus in der Wurzerstraße, das sie nicht betreten darf.
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Renate Schmidt vor ihrem Haus in der Wurzerstraße, das sie nicht betreten darf.

Rettung aus Feuer-Haus

Großes Brand-Drama um Münchner Schauspielerin: „Da muss ich glatt weinen ...“

  • Severin Heidrich
    vonSeverin Heidrich
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Renate Schmidt war viele Jahre an den Kammerspielen engagiert und verwaltet den Nachlass der legendären Schauspielerin Therese Giehse. Bei einem Brand-Drama wurde sie aus ihrer Wohnung gerettet.

München - Vom Fußgängerüberweg am Karl-Scharnagl-Ring (Altstadt-Lehel) aus blickt Renate Schmidt (77) in die schmale Wurzerstraße hinein. Eben hat die Schauspielerin (unter anderem Fellinis Casanova) noch gescherzt, jetzt versteckt sie ihre Augen hinter einer Sonnenbrille. „Meine Wurzerstraße“, sagt sie und ringt ein wenig mit ihrer Fassung, bevor sie zugibt: „Da muss ich glatt weinen…“

Am Montagabend war in einer Wohnung im zweiten Stock der Hausnummer 10 ein Feuer ausgebrochen – eine Duftkerze im Bad war wohl der Auslöser. Jetzt ist das Haus unbewohnbar, der Schaden liegt wohl bei einer Million oder mehr. Schmidt wohnt im vierten Stock, seit 27 Jahre schon. Sie freute sich noch auf einen Abend alleine, in wollenen Hosen, „man erwartet keinen Besuch“, zitiert sie aus einem Gedicht Bertolt Brechts. „Seit zehn Jahren mache ich ruhig“, sagt sie. Bis zum Montag…

Aus dem Haus in der Wurzerstraße drangen dichte Rauchschwaden.

Dann fiel ihr der Geruch auf. „Ich dachte, da hat halt jemand was anbrennen lassen“, sagt sie, „doch dann hörte ich einen Hilfeschrei im Treppenhaus.“ Schmidt öffnete die Wohnungstür. „Sofort zog schwarzer Rauch in die Wohnung. Ich wollte die Tür wieder zumachen, aber das klappte nicht, der Druck war einfach zu stark.“

Renate Schmidt verwaltet den Giehse-Nachlass

Schmidt war viele Jahre an den Kammerspielen engagiert, lernte den Regisseur Fritz Kortner und die legendäre Schauspielerin Therese Giehse (siehe unten) kennen – beide wohnten einst in der Wurzerstraße. Schmidt verwaltet Giehses Nachlass – auch der war in ihrer Wohnung (und blieb unversehrt).

Als das Haus voller Rauch war, rettete sich Schmidt auf ihren Balkon zum Hof. Vor dem Haus war schon die Feuerwehr im Einsatz, rettete einen Mann mit einer Drehleiter. Schmidt war als Letzte in Gefahr.

Auch Mandy Hentschel (47) und ihre Tochter Romy (8), die gegenüber wohnen, rochen den Brand und entdeckten Schmidt auf dem Balkon. Sie informierten die Feuerwehr, die einen Trupp mit Atemmasken schickte, um die Dame rauszuholen. „Die waren alle so reizend zu mir“, sagt Schmidt. Nachbarin Hentschel nahm die Schauspielerin erstmal bei sich auf und veröffentlichte die Geschichte auf Instagram. Wenig später trudelten Schuhe, Mäntel und Schals bei Hentschel ein – von ihren Followern als Spende für Frau Schmidt… Da soll noch einer sagen: In München fehlt die Menschlichkeit!

Ein Münchner Urgestein: Das war Therese Giehse

Ein echtes Münchner Urgestein war Therese Giehse (1898-1975), eigentlich Gift mit Nachnamen. Die jüdische Schauspielerin wirkte unter Otto Falckenberg an den Kammerspielen, emigrierte dann 1933 nach Zürich, um dem aufflammenden Nationalsozialismus in Deutschland zu entgehen. Dort übernahm Giehse unter anderem die Hauptrollen in einigen von Friedrich Dürrenmatts (Die Physiker) Uraufführungen. 1974 spielte sie in Helmut Dietls Münchner Geschichten Anna Häusler.

Lesen Sie auch: Ein verheerender Brand hat am frühen Donnerstagmorgen ein freistehendes Einfamilienhaus in Herrsching zerstört. Die Bewohnerin, eine 89 Jahre alte Frau, konnte das Gebäude unverletzt verlassen.

Auch eine unheimliche Brandserie im Landkreis Garmisch-Partenkirchen brachte Anwohner in Lebensgefahr. 

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