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Star-Barkeeper Charles Schumann hat einen Preis zurückgegeben.

Umstrittene Aussage

Star-Barkeeper wird nach Anfeindungen verteidigt: „Schumann ist mit Sicherheit vieles, aber ...“

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Charles Schumann ist der wohl bekannteste Barkeeper Deutschlands. Aktuell muss sich der Star-Gastronom mit einer hitzigen Debatte beschäftigen.

Update vom 9. Oktober, 19 Uhr: Wenn diese Geschichte ein Cocktail wäre, dann wäre mehr als nur ein kleiner Spritzer Tabasco drin - und dazu eine ganze Handvoll Eiswürfel! Charles Schumann (78), Münchner Barkeeper-Legende, sorgt für einen Eklat: Er gibt eine internationale Auszeichnung zurück, die er gerade erst bekommen hat. Der Ton: scharf wie Tabasco, die Atmosphäre: kalt wie Eiswürfel. Der Hintergrund: Schumann sieht sich mit dem Vorwurf der Frauenfeindlichkeit konfrontiert. Auslöser dafür war ein Satz, der im Rahmen seines Films Schumanns Bargespräche (2017) fiel. 

Im Gespräch mit der amerikanischen Barkeeperin Julie Reiner zweifelte Schumann öffentlich an, ob Frauen spät nachts noch hinter dem Tresen stehen sollten. Die Folge war ein Shitstorm im Internet - insbesondere, nachdem der Streifen zuletzt auch in den USA gezeigt wurde. Schumanns Reaktion: Er hat seine neueste Errungenschaft, den Industry Icon Award 2019, zurückgegeben. Dabei handelt es sich um einen Sonderpreis des Gremiums The World’s 50 Best Bars, die auch Schumann’s Bar am Hofgarten in ihrer Liste der Top-Adressen weltweit führt - als einzigen Vertreter ganz Deutschlands.

München: Charles Schumann reagiert auf Kritik - und gibt Preis zurück

„Im Hinblick auf die Kontroverse um meine Person“, schreibt Schumann jetzt auf seiner Facebook-Seite, „gebe ich den Preis zurück. Ich will ihn nicht mehr.“ Eine Trotzreaktion? Wir haben den Barkeeper am Telefon erreicht. Schumann wirkte wütend, aufgekratzt und verletzt. „Frauenfeindlich? Ich?“, fragt der 78-Jährige und lacht - „so ein Quatsch!“ Übrigens, so Schumann weiter, „der Film, von dem wir hier sprechen, wurde von einer Frau produziert. „Vielleicht fragen Sie die mal, was sie von den Anschuldigungen hält…“ 

Drei Jahre lang war Marieke Schroeder (48) mit Schumann unterwegs. Auf der Suche nach der perfekten Bar blickte die Regisseurin hinter die Kulissen. „Schumann ist mit Sicherheit vieles“, so Schroeder, „aber frauenfeindlich ist er definitiv nicht.“ Sie habe ihn als hochprofessionellen Chef erlebt, „der über 70 Mitarbeiter beschäftigt“. Das sind allerdings - und das lässt sich tatsächlich nicht bestreiten - fast ausschließlich Männer. In der Bar am Hofgarten zum Beispiel steht lediglich eine Frau hinterm Tresen. Zufall? 

Schroeder ist sich sicher: „Charles Schumann ist völlig egal, wer seine Cocktails mischt - solange sie gut sind.“ Schumann hatte sich am Dienstag für die Missverständlichkeit seiner Äußerungen entschuldigt. Jetzt die nächste Konsequenz: Die Trophäe geht per Post zurück nach England. Und Schumann, nach wie vor verletzt, fügt hinzu, er habe von der Auszeichnung „ohnehin noch nie etwas gehört“, bevor er sie selber bekam.

Star-Barkeeper nach umstrittenen Äußerungen angefeindet - nun trifft er eine weitreichende Entscheidung

Update vom 9. Oktober, 10 Uhr: Äußerungen in seinem Film „Bargespräche“ werden heiß diskutiert. Nun hat Charles Schumann erneut auf die Debatte reagiert - und eine weitreichende Entscheidung getroffen. 

„Im Hinblick auf die Kontroverse um meine Person (...) gebe ich den Preis zurück. Ich will ihn nicht mehr“, schrieb der Star-Gastronom. Nach seiner Ankündigung sind die User geteilter Meinung. „Gute Entscheidung. Eine gute Bar braucht keinen Preis. Man weiß auch so, dass ihr gute Arbeit leistet“, kommentiert ein Schumann-Fan. Kritiker sehen in der Reaktion des 78-Jährigen eher eine „narzisstische Antwort“ auf die Debatte. 

Wirbel um Charles Schumann: Star-Barkeeper löst heftige Debatte aus - „Verletzt mich sehr, dass ...“

Erstmeldung vom 9. Oktober, 7.30 Uhr:

München - Leder, Purpur, hohe Decken – In Fachkreisen wird das Schumann’s am Hofgarten oft als Kathedrale bezeichnet, als Tempel der lokalen Ausgeh-Szene. Und tatsächlich, die Bar hat etwas Mystisches an sich, etwas antiquiert Ehrwürdiges. Spätabends sieht man hier die Schickeria sitzen. Hinter dem hölzernen Herzstück, einem tiefen Tresen, thront meist der Meister selbst, Münchens angesagtester Barkeeper, Charles Schumann. Man kennt seinen Namen, seine Stimme, sein Gesicht. Und seine Kreationen – weltweit. Vor wenigen Wochen erst wurde das Schumann’s zum zweiten Mal mit einem internationalen Preis belegt. Ein Ritterschlag, der nur wenigen zuteil wird.

München: Wirbel um Star-Barkeeper Charles Schumann

Einmal im Jahr vergibt die amerikanische, in New Orleans ansässige „Tales of the Cocktails Foundation“ den sogenannten Spirited Award, der in den USA als eine der renommiertesten Auszeichnungen gilt. Zur weltbesten Bar wurde in diesem Jahr das New Yorker Caffé Dante gekürt, zur Bar mit der besten Spirituosenauswahl die Atlas Bar in Singapur. Und auch das Schumann’s schaffte es auf das Siegertreppchen – in der Kategorie „Best International High Volume Cocktail Bar“. Ein Titel, den der Szenetreff vor fünf Jahren schon einmal gewann. Doch damit nicht genug: Auch in der Kategorie „Best Bars of the World“ sahnte das Schumann’s ab – einen herausragenden achten Platz.

Zufall? Nein. Schließlich fliegt der Meister der Spirituosen seit Jahren um die Welt. Paris, Tokio, Havanna. Berlin, Los Angeles, New York. Schumann hat die begehrtesten Bars besucht, den Besten der Besten über die Schulter geschaut – so lange, bis er selbst zu ihnen zählte. Der 78-Jährige wurde gefeiert, umschwärmt, in den Himmel gelobt. Doch wer im Rampenlicht steht, hat auch immer wieder mit Anfeindungen, den Schattenseiten des Ruhms, zu kämpfen.

Video: Ein Bachelor als Barkeeper

München: Charles Schumann reagiert auf Debatte im Netz

Vor Kurzem erst entbrannte eine hitzige Debatte im Netz. Auslöser waren Schumann’s angeblich frauenfeindliche Aussagen in seinem Film „Bargespräche“. Auf seiner Facebook-Seite entschuldigt sich der 78-Jährige nun förmlich für seine missverständliche Wortwahl. „Es verletzt mich sehr, dass meine Aussagen so missverstanden wurden. Ich schätze gute Barkeeperinnen völlig unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Alter.“ Denn: Die Grundlage seiner Arbeit sei seit jeher Respekt. Dafür wird der König der Barkeeper auch geschätzt – weltweit. Allüren sind dem 78-Jährigen ohnehin fremd – nicht zuletzt aufgrund seiner Herkunft.

Wer ist Charles Schumann eigentlich?

Aufgewachsen ist Charles Schumann, der eigentlich Karl Georg Schuhmann heißt, in der Oberpfalz. Jesuitenschule, Bundesgrenzschutz, Hotelfachschule. Danach zog es den Bauernbub nach München. 1982 eröffnete er seine erste eigene Bar an der Maximilianstraße. Eine „Tiefgarage mit Lüftungsschlitzen“ frotzelte die Lokalpresse. Doch die Location hatte Charme, Charisma, etwas Besonderes. Die Schickeria war begeistert, fast besessen von den Drinks. Und dem Mann, der sie mischte – bis heute. 

Video: Trailer zu „Schumanns Bargespräche“

 „Schumanns Bargespräche“: Lesen Sie hier mehr zum Dokumentarfilm von Marieke Schroeder und Charles Schumann. Vor Jahren plauderte Charles Schumann in einem Interview über seine Promi-Bar und warum er Probleme mit seinen Stammgästen hat. 

Sarah Brenner

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