Singender Wirt: Im Roy am Sendlinger Tor unterhielt der Gastgeber die Gäste noch selbst.
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Singender Wirt: Im Roy am Sendlinger Tor unterhielt der Gastgeber die Gäste noch selbst.

Abschied wird untypisch leise

Münchner Kult-Lokal macht dicht: Wirt war für Aktionen stadtbekannt - „Kann man nicht einfach so verpflanzen“

  • Stéphanie Mercier
    vonStéphanie Mercier
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Corona trifft ein weiteres Münchner Traditionsunternehmen: Die Kult-Bar „Roy“ am Sendlinger Tor muss zumachen. Der Abschied wird wohl untypisch leise.

  • In München muss die nächste Kult-Gaststätte zusperren: Das Roy am Sendlinger Tor.
  • Corona trifft die Gastro-Branche in München hart.
  • Der Wirt war für seine Schlager-Gesangskünste bekannt.

München - Er sagt zum Abschied leise Servus: Günther Grauer (54) sperrt zum Ende des Jahres seine Bar Roy am Sendlinger Tor zu. Das legendäre Lokal schließt nach über 60 Jahren. Der Abschied wird wohl – völlig un­typisch für den schlager-singenden Wirt – klanglos über die Bühne gehen.

Schon länger stand eine Schließung der Bar an der Herzog-Wilhelm-Straße 30 im Raum. Der Eigentümer der Immobilie ­wolle das Haus 2022 abreißen, um dort ein Hotel zu errichten, berichtet Grauer. „Wir hätten unseren Pachtvertrag noch bis September 2021 verlängern können, wegen Corona lassen wir ihn jetzt auslaufen“, sagt der Bar-Chef, der am Telefon sehr gefasst wirkt. Nur kurz hat der 54-Jährige mit dem Gedanken gespielt, die Bar an einer anderen Stelle wiederzubeleben. „Aber so ein ehrwürdiges Lokal kann man nicht einfach so verpflanzen“, sagt Grauer, der die Bar knapp 20 Jahre lang geführt hat. Im kommenden Jahr wolle er sich zunächst voll und ganz auf die Show- und Entertainmentbranche konzentrieren. Grauer ist nebenbei Sänger, Schauspieler und Präsident des Faschingsvereins Narrhalla. „Eine neue Gastronomie schließe ich aber auch nicht ganz aus“, so Grauer…

„Roy“ in München macht zu - Größter Wermutstropfen: Keine gebührende Abschiedsfeier

Wer die Bar Roy kennt, weiß: Dort war früher so viel Lametta wie heute. Kaum ein Zentimeter des Lokals ist ungeschmückt, je nach Jahreszeit hängen mal venezianische Masken, mal Sonnenblumen oder auch Brezn von der Decke herab. Am Wochenende kümmerte sich Grauer höchstpersönlich um das Alleinstellungsmerkmal seiner Bar und gab sein Repertoire, das über 300 Titel zählt, auf der Bühne zum Besten.

Und so ist wohl der größte Wermutstropfen des Chefs, dass die Bar wohl keine gebührende Abschiedsfeier erhalten wird. „Das Infektionsgeschehen macht eine Feier schwierig“, sagt der Wirt, der davon ausgeht, dass sich der Lockdown noch bis in den Dezember hineinziehen wird. „Ich bin aber schon in Gesprächen mit dem Schlagergarten. Dort werden wir, wenn es die Situation wieder zulässt, mit Freunden und Stammgästen feiern.“ Der Soundtrack des Abends steht schon fest: „Die Partyschlager, die für unvergessliche Abende gesorgt haben.“ - Stéphanie Mercier - *tz.de ist Teil der Ippen-Redaktion.

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