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Am Marienplatz wurde eine Seniorin an den U-Bahn-Gleisen von einem Mann attackiert.

Schrecksekunde am Marienplatz

Verstörender U-Bahn-Vorfall: Frau stirbt einen Monat später - Tochter überzeugt: „Angst hat sie umgebracht“

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Kann ein Mensch an den Folgen eines Traumas sterben? Eine Münchner Seniorin wurde 2018 am U-Bahn-Gleis angegriffen und starb einen Monat später. Die Tochter vermutet einen Zusammenhang.

  • Im Februar 2018 griff ein Mann eine Seniorin an einem U-Bahn-Gleis n München an.
  • Sie starb einen Monat später.
  • Nun kam es zum Prozess gegen den Täter.

München - Ihre Beine versagten, sie zitterte am ganzen Körper. Marianne Manz (45, Name geändert) hat am Montag vor dem Landgericht gegen den mutmaßlichen Angreifer ihrer verstorbenen Mutter Isolde B. (†73) ausgesagt – und den Anblick des Mannes kaum ertragen. Er hat ihre Mutter zwar an jenem Abend im Februar 2018 nicht tödlich verletzt. Aber B. verstarb einen Monat darauf – und Marianne Manz vermutet: „Meine Mutter hat den Übergriff nicht verkraftet. Die Angst hat sie umgebracht.“

Es war der Faschingssonntag im Februar 2018, als Isolde B. vom Tanzabend heim nach Schwabing fahren wollte. Die jung gebliebene, sehr gepflegte Dame stand am Marienplatz und wartete auf ihre U-Bahn. Laut Anklage soll ihr der psychisch kranke Martin K. (30) unvermittelt den Hut vom Kopf gerissen und zu Boden geworfen haben. Als die Seniorin diesen aufheben wollte, soll der Mann sie mit dem Fuß ins Gesäß getreten haben.

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München: Täter beschimpfte Seniorin und drängte sie zu den Gleisen

Nicht nur das: Er soll die überraschte Dame aufs übelste beschimpft und gedroht haben, ihr das Gesicht zu zertrümmern. Dann soll der Mann die Frau in Richtung der Gleise gedrängt haben. Isolde B. hatte Todesangst. Laut Tochter kam lange Zeit keiner der anderen Fahrgäste zu Hilfe – bis schließlich zwei mutige junge Männer einschritten: der Wissenschaftler Matthias Würl (31) und Felix Kaiser (28). 

Auch die Tochter ist seit dem Vorfall traumatisiert.

Als sie dazwischengingen, ließ der Mann von der Seniorin ab und lief davon. Die Retter verfolgten den Unbekannten. Einer hielt die Polizei per Handy auf dem Laufenden. Am Viktualienmarkt nahmen Beamte den Angreifer schließlich fest. Ein Glück, denn laut Anklage soll der Mann ein paar Wochen zuvor bereits einen Zwölfjährigen angegriffen und unter anderem dessen Kopf auf den Boden geschlagen haben.

Jeder habe damals nach dem Übergriff gesagt, dass das, was Isolde B. an jenem Tag passiert ist, doch nicht so schlimm sei, erinnert sich die Tochter, ihre Stimme wird brüchig. „Ich war die Einzige, die meine Mutter ernst genommen hat. Sie hatte komplett ihr Sicherheitsgefühl verloren und war traumatisiert.“ In der Woche vor ihrem Tod habe die aktive Dame, die immer regelmäßig tanzen und schwimmen gegangen war, das Haus nicht mehr verlassen. „In ihrem Notizbuch stand: Es hat geklingelt. Ich habe mich nicht getraut, die Tür aufzumachen.“ Ihre Mutter habe Depressionen gehabt und Albträume hätten sie geplagt. „Sie ist nachts schweißgebadet mit Herzrasen aufgewacht, war wegen des Schlafentzugs geschwächt.“

Nach Vorfall am Marienplatz: Frau aus München stirbt einen Monat später - „Angst hat sie umgebracht“

Bis zu ihrem Tod soll Isolde B. keine Akteneinsicht bekommen haben und daher immer von der Angst getrieben gewesen sein, dass der Täter noch frei herumläuft, erzählt die Tochter. Diese existenzielle Angst habe ihre Mutter zerstört. Laut Obduktionsergebnis ist die Todesursache unklar, vermutet wird ein plötzlicher Herztod. „Ich kann es mir nur so erklären, dass zwischen ihrem Tod und dem Angriff ein Zusammenhang besteht, dass ihr Herz das nicht mitgemacht hat.“

Der Vorfall hat nicht nur das Opfer damals schwer mitgenommen, er hat auch Marianne Manz verändert. „Ich mache mir schwere Vorwürfe, dass ich meine Mutter nicht dazu bringen konnte, sich rechtzeitig psychologische Hilfe zu holen.“ Die Mutter zweier Töchter ist labil und unsicher geworden und sucht sich selbst nun Hilfe.

Während des Prozesses geht es Marianne Manz besonders schlecht. Am 26. November soll das Urteil gegen den Angreifer fallen. Der Prozessausgang sei ihr eigentlich egal, sagt sie. „Er hat mich auch um Vergebung gebeten. All das bringt meine geliebte Mutter aber auch nicht zurück.“ Der Täter habe angegeben, sich wegen seiner Krankheit nicht an die Tat erinnern zu können. „Aber mich wird die Tat ein Leben lang belasten.“

Dieser mutige Mann zeigte Zivilcourage

Retter Matthias Würl.

Er hat nicht weggeschaut: Der Wissenschaftler Matthias Würl (31) sah am Faschingssonntag 2018, wie ein Mann Isolde B. (†73) beschimpfte, sie trat und bedrohlich auf sie zuging. „Ich fürchtete, dass er sie auf die Gleise schubst“, sagt Würl. Sofort schützte er die Seniorin vor weiteren Angriffen. Auch ein zweiter Mann, Felix Kaiser (28), rannte zu dem Angreifer. 

Da ließ der Mann von der Seniorin ab und ging weg. Kaiser wählte den Notruf, gleichzeitig verfolgten die Retter den Unbekannten. Der Täter drohte und beschimpfte nun Würl. Kaiser hielt die Polizei per Handy auf dem Laufenden. Am Viktualienmarkt nahmen Beamte den Angreifer schließlich fest.

Anfang November 2019 kam es auch am Karlsplatz Stachus zu einer skrupellosen Attacke. Ein unbekannter Mann hatte eine 76-Jährige auf einer Rolltreppe attackiert.

Die Polizei verhaftete vor einem Nobel-Club in München einen Mann. Kollegen kamen mit einem VW-Bus zur Unterstützung. Daraufhin wurde der 27-Jährige schwer verletzt.

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