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Morgenstimmung am Viktualienmarkt. Um halb elf Uhr vormittags ist noch nicht viel los an diesem kalten Wintermorgen. 

Die Skepsis bleibt

Nervenkrimi am Viktualienmarkt - Stadt will Standl sanieren

München - Der Viktualienmarkt zählt zu Münchens beliebtesten Attraktionen. Dass die Stadt ihn sanieren will, war für viele Händler ein Schock. Jetzt hat die Stadt versprochen: Der Markt soll seinen traditionellen Charme behalten. Doch die Skepsis bleibt.

Ein frischer Wind fegt durch die Budengassen im Herzen Münchens. Er zerrt an Plastikplanen, zerzaust Händlern und Einkaufenden das Haar, lässt an der Decke eines Standls baumelnde Deko-Engelchen aus Holz leise klackernd aneinander schlagen. Fürs Geschäft könnte das Wetter an diesem Märztag besser sein, als Metapher für die Stimmung auf dem Viktualienmarkt taugt es umso mehr. Eines der beliebtesten Wahrzeichen Münchens durchlebt unruhige Zeiten.

Vor einigen Jahren wurde bekannt, dass die Stadt den Markt, den König Maximilian I. Joseph im Jahr 1807 vom Marienplatz am Rathaus an seinen heutigen Standort verlegte, sanieren will. Hand anlegen an dieses Münchner Kleinod? Der Aufschrei in der Bevölkerung war groß. Und unter den Obst-, Käse- und Feinkosthändlern kursierten bald Gerüchte: Die Planierraupe soll über den Platz rollen. Ein Scheich will ihn kaufen.

Sanierungsmotto: „Behutsam. Sanft. Liebevoll. Zukunft der Märkte sichern!“

Solche Dinge erzählte man sich lange Zeit. Aber keines dieser Schreckensszenarien wird sich bewahrheiten. Ein Komplettabriss sei kein Thema, versicherte Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) den Marktleuten beim jüngsten Infoabend Ende Februar. Und: „Alle Händler bleiben auch nach der Sanierung mit ihrem Sortiment am Markt und erhalten wieder ihre unbefristeten Zuweisungen.“

Das Motto für die geplante Sanierung steht schon fest: „Behutsam. Sanft. Liebevoll. Zukunft der Märkte sichern!“ Der Sprecher des Münchner Kommunalreferats, Bernd Plank (parteilos), erklärt, was das bedeuten soll: „Wir wollen den traditionellen Charme und die architektonischen Charakteristika der Standl erhalten, zum Beispiel die grüne Farbe und die Holzwände.“ Gleichzeitig sollen aber bauliche Mängel behoben und die Technik modernisiert werden, Rettungswege und Toiletten sollen her. Konkrete Pläne gibt es noch nicht.

Für Marina Bröckelt, die auf dem Viktualienmarkt seit 30 Jahren italienische Feinkost verkauft, ist diese Nachricht eine Erlösung. „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen“, sagt sie. Was die Stadt jetzt angekündigt hat, sei genau das, was die Händler immer wollten. Dass der Markt langfristig nicht an einem Umbau vorbeikommt, war klar, seit sich der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) vor mehreren Jahren darüber beschwert hatte, dass der Viktualienmarkt ein Bild wie ein „Zeltlager am Hindukusch“ abgebe.

Marktleuten sorgten sich um ihre Lizenzen auf Lebenszeit

Die Stadt gab dann beim TÜV Rheinland ein Gutachten über den Viktualienmarkt in Auftrag, das 2011 vorgestellt wurde. Das Urteil war vernichtend: gravierende Mängel bei Brand- und Arbeitsschutz in den Buden, ebenso bei der Hygiene in Kellern und Toiletten.

Wie genau die Stadt auf dem Viktualienmarkt vorgehen will, blieb lange unklar. Unterdessen wuchs bei den Marktleuten nicht nur Angst davor, dass Abrissbagger über ihren Platz rollen könnten. Sie sorgten sich auch um ihre Lizenzen auf Lebenszeit. Wegen der anstehenden Sanierung hatte die Stadt für die Buden auf dem Markt zuletzt nur noch Dreijahresverträge vergeben.

Doch die Zukunft der Händler scheint nun gesichert. Und auch die meisten Standl werden die Sanierung wohl überleben. Bernd Plank versichert: „Wir werden uns jedes Häuschen einzeln ansehen.“ Es sei aber möglich, dass die eine oder andere Bude neu gebaut werden müsse.

„Wir bleiben wachsam“

Auch deshalb bleibt der CSU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Stefinger skeptisch. „Es ist schön, dass offenbar die Erkenntnis da ist, wie wichtig dieser Platz ist“, sagt Stefinger. „Aber es wird durchaus zu Abrissen kommen.“ Anfang Februar hat sich der Verein „Freunde des Viktualienmarkts“ gegründet, Vorsitzender ist Stefinger. Die Mitglieder wollen sich dafür einsetzen, dass das Flair des Marktes erhalten bleibt und die alteingesessenen Händler geschützt werden. Mehr als 240 Menschen haben sich dem Verein laut Stefinger bereits angeschlossen.

Elke Fett, Inhaberin der „Duftschmankerl“, wo es die hölzernen Engelchen zu kaufen gibt, und zugleich Chefin der Interessengemeinschaft Viktualienmarkt, ist sich sicher, dass der Zulauf für den Verein überhaupt erst dafür gesorgt hat, dass die Marktleute in die Planungen miteinbezogen wurden. „Seit Jahren gab es Gespräche beim Kommunalreferat, dass der Markt saniert werden soll - immer im Hintergrund, wir wussten nie, wohin der Weg geht“, wirft sie der Stadtverwaltung vor. Wie Stefinger ist die Marktfrau auch jetzt noch misstrauisch. „Wir bleiben wachsam.“

dpa

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