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Das Freitagsgebet ist für Muslime Pflicht. Doch zahlreiche Gebetshäuser in München mussten zuletzt schließen. Die allermeisten Moscheen – wie diese an der Schanzenbachstraße in Sendling – sind in Hinte rhöfen untergebracht.

Mehrere Moscheen geschlossen

Protest gegen Platzmangel: Muslime wollen auf dem Marienplatz beten

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Münchner Muslime versammeln sich am Freitag auf dem Marienplatz zu einem öffentlichen Gebet. Damit protestieren sie gegen die Schließung der Innenstadt-Moscheen. Doch die Aktion stößt nicht bei allen Muslimen auf Wohlwollen.

München - „Wunderschönes München, aber nicht für Muslime!?“ So beginnt der Facebook-Beitrag von Massi Popal am 12. Mai. Der Münchner Muslim beklagt, dass nacheinander alle Moscheen in der Innenstadt schließen mussten – wegen Überfüllung. Dagegen will er nun protestieren: mit einem großen Freitagsgebet auf dem Marienplatz.

Initiator erhält Zuspruch - und Kritik

200 Teilnehmer hat Popal für die Veranstaltung von 13 bis 14 Uhr angemeldet. Er will auf die Raumnot aufmerksam machen: „Auch wir Münchner Muslime brauchen Platz.“ Danach soll unter freiem Himmel gemeinsam das muslimische Freitagsgebet verrichtet werden. Popal engagiert sich als Einzelperson, hinter ihm steht laut eigener Aussage kein Moscheeverein und kein islamischer Verband. Auf Facebook erhält der 28-Jährige, der aus Afghanistan stammt, viel Zuspruch – aber auch Kritik.

Wegen Überfüllung geschlossen

Mehr als 100.000 Menschen muslimischen Glaubens dürften in München leben. Geschätzt wird die Zahl anhand von Staatszugehörigkeit und Migrationshintergrund. Stadtweit besuchen sie zig Moscheen, vor allem das Freitagsgebet mit Imam ist Pflicht. Berufstätige sind auf Gebetshäuser in Arbeitsnähe angewiesen. Doch in der Innenstadt mussten in den vergangenen Monaten viele Moscheen schließen – sogar im multikulturellen südlichen Bahnhofsviertel: Im März machte die Kuba-Moschee – benannt nach dem Dorf, wo Mohammed die erste Moschee gegründet haben soll – an der Landwehrstraße dicht. Ihr wurde der Mietvertrag gekündigt, nachdem sie häufig überfüllt gewesen war.

Seit Anfang dieser Woche ist auch die einzige Altstadt-Moschee zu: die an der Hotterstraße. Sie gehört zum Verein „Münchner Forum für Islam“ (MFI), mit dem Imam Benjamin Idriz versucht hat, Münchens erste repräsentative Moschee im Zentrum zu verwirklichen. Vor knapp einem Jahr scheiterte das Projekt an der Finanzierung. Seit Jahresanfang sei die Zahl der Muslime, die herbeiströmten, drastisch gestiegen. „Wir konnten das nicht mehr kontrollieren“, sagt Idriz. 120 Menschen seien zugelassen, zuletzt kamen 400, viele beteten draußen auf dem Bürgersteig. „Der Vorstand hatte einige Auseinandersetzungen mit den Menschen“, so Idriz. Der Mietvertrag des MFI läuft bis Ende 2018.

Überfüllung war bei den meisten Moscheen die Ursache für die Schließung. Denn dann werden Brandschutzauflagen nicht mehr eingehalten, Fluchtwege sind versperrt. Je mehr Moscheen schlossen, umso mehr Gläubige wichen auf andere Gebetshäuser aus – und umso drängender wurde das Problem.

Laut der türkeistämmigen Ender Beyhan-Bilgin, Mitglied im Migrationsbeirat, hat vor allem der Flüchtlingszuzug die Situation verschärft. Seit Monaten pilgerten zusätzlich tausende muslimische Asylbewerber in die Moscheen, wie auch Idriz bestätigt. „Die Häuser platzen freitags aus allen Nähten“, so Beyhan-Bilgin.

Lieber transparentes Islam-Zentrum statt Hinterhof-Moschee

Viele Muslime fühlten sich nun allein gelassen, sagt sie. Gut fände sie, wenn sich die Stadt aktiv für die Muslime einsetzen und ihnen Hilfe anbieten würde. „So könnte man auch die Hinterhof-Moscheen vermeiden“, sagt sie. Zudem würde nicht so leicht Missgunst zwischen einzelnen Gruppen wie Ditib, Milli Görüs oder liberalen Muslimen in der nicht zentral organisierten Community entstehen.

Auch Idriz will die Muslime aus dem Hinterhof holen – und wirbt weiter für sein Islamzentrum mit Predigten auf Deutsch und der Gleichberechtigung von Frauen. Popals Marienplatz-Plan sieht er kritisch, weil dies „keine dauerhafte Lösung“ bringe. Schuld an der Moschee-Misere seien die Muslime selbst – und nicht die Stadt. Idriz hat gerade einen Brief an OB Dieter Reiter (SPD) geschrieben, in dem er um ein neues Gespräch bittet. Reiter wollte sich zum Brief und zur Situation der Muslime gestern auf Anfrage nicht äußern. Vorstellbar ist, dass er abwarten will, welche neuen Ideen Idriz präsentiert – nachdem das Grundstück an der Dachauer Straße nicht mehr zur Verfügung steht.

Auch der Münchner Muslimrat, der viele Vereine vertritt, kritisiert die geplante Kundgebung als „nicht durchdacht“. Solche Aktionen führten oft zu Spannungen. Der Muslimrat will mit der Stadt Lösungen erarbeiten. Beim nächsten Runden Tisch mit Reiter werde es um Immobilien für Moscheegemeinden gehen.

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