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"Save our Radler" - rettet unsere Radler, forderten am Montag überzeugte Pedalisten am marienplatz.

Neue Radl-Route für die Innenstadt

Protest in der Fußgängerzone: Radler am Marienplatz ausgesperrt

München - Ein Bündnis aus Politik und Radfahrerlobby hat am Montag gegen die neue Verkehrssperre am Marienplatz demonstriert. Die Durchfahrt am Hugendubel ist bis auf weiteres gesperrt. Das sei eine radlerfeindliche Regelung, hieß es.

Hölzerne Bauzäune versperren seit Montag den Zugang zur Buchhandlung Hugendubel am Marienplatz. Das Haus wird in den nächsten Monaten umgebaut. Viel polarisierender jedoch als das Ende des Hugendubels in seiner bisherigen Form ist die Tatsache, dass hier nun keine Radler mehr vorbeifahren dürfen.

Die Sperre gilt zunächst nur für die Zeit der Umbaumaßnahmen. Langfristig aber soll laut Stadtrat die Sperre erhalten bleiben. Die erweiterte Fußgängerzone wird sich im Osten bis zum Alten Rathaus und im Norden bis zur Ecke Landschafts-/Altenhof- und Dienerstraße erstrecken, im Süden umfasst sie den Rindermarkt bis hinterm Alten Peter. Radler müssen zwischen Färbergraben und Odeonsplatz einen gut 400 Meter längeren Umweg über Viktualienmarkt, Sparkassenstraße und Alfons-Goppel-Straße in Kauf nehmen.

Unter dem Motto „SOR – Save Our Radler“ tritt am Montag ein Bündnis aus Politik und Radler-Lobby in die Pedale eines Zehner-Dreirads: Ihr Protest zieht Blicke auf sich. Auch die ehemalige OB-Kandidatin Sabine Nallinger ist Teil des Zehner-Protests: „Der Marienplatz ist ein zentrales Symbol Münchens, auch für Radler“, sagt sie. „Klar, in der Vergangenheit war es immer sehr eng. Aber die Statistik spricht doch für sich. Es gab kaum nennenswerte Vorfälle. Ich glaube, die Rathaus-Koalition macht mittlerweile eine Autofahrer-Politik und keine platzsparende Radler-Politik mehr wie früher.“

Noch zeigt das neue Verbot wenig Wirkung: Immer wieder fahren Radler durch die verbotene Zone – teils aus Unkenntnis, teils aus stillem Protest, manchmal schlicht aus Gewohnheit. Polizisten stellen sich ihnen sporadisch in den Weg, halten sie an und belehren sie.

Auf dem Dreirad erklärt Dominik Lypp, 36, Verkehrsreferent des Bund Naturschutz, sein Anliegen: „Das ist einfach die kürzeste Nord-Süd-Route für Fahrradfahrer. Durch die Vollsperrung wird Radeln in München unattraktiver. Warum muss die Politik hier so drastisch eingreifen?

Ganz so dramatisch sieht es Christian Grundmann, Mobilitäts-Experte bei Green City, nicht. „Ich denke, das ist eine gute Gelegenheit, diese Sperre als Testphase zu sehen, während das Hugendubel-Gebäude umgebaut wird“, sagt er. Aber danach könnte man die Strecke ja für Radfahrer wieder freigeben. Dass der Stadtrat sich jetzt schon festgelegt habe, sei „beispielhaft für seine neue Kompromisslosigkeit“.

Die Rathaus-Kooperationspartner von CSU und SPD verteidigten am Montag die Sperrung. Der Schutz der Fußgänger habe Priorität. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl sagte: „Die Entscheidung, die Fußgängerzone zu erweitern, ist richtig.“ Der bisherige Zustand sei für alle unbefriedigend gewesen. „Zum einen für Fußgänger, die aufschreckten, wenn ein Radler kam, aber auch für die Radler, die jede Sekunde damit rechnen mussten, dass ihnen jemand vors Fahrrad läuft.“ Die SPD sei zuversichtlich, dass sich die Vorbehalte rasch in Wohlgefallen auflösen würden.

Es habe dieselben Vorbehalte gegeben, als die Fußgängerzone zwischen Marienplatz und Stachus eingerichtet wurde, sagte CSU-Fraktionschef Hans Podiuk. Man habe bei der Erweiterung der Fußgängerzone die Interessen aller Verkehrsteilnehmer abgewogen und berücksichtigt. Die Taxifahrer könnten auf Ersatzstandorte in der Nähe ausweichen, mit der MVG würden sinnvolle Umfahrungsrouten für die Busse geklärt. Auch Podiuk sah keine Probleme mit der neuen Radwegroute über den Viktualienmarkt.

Hüseyin Ince, Klaus Vick

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