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Scheint mit der Schranne nicht mehr glücklich gewesen zu sein: Hans Hammer hat die Immobilie verkauft.

Am Viktualienmarkt

Die Schrannenhalle ist schon wieder verkauft

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Die Münchner Schrannenhalle hat einen neuen Eigentümer. Unternehmer Hans Hammer hat die Immobilie mit „Eataly“ als Mieter verkauft. Wer der neue Besitzer des Filetstücks am Viktualienmarkt ist, bleibt vorerst geheim.

Die Schrannenhalle hat schon viele Nutzungen und Besitzer erlebt (siehe Chronik unten) – der letzte große Einschnitt war die Insolvenz des Vorbesitzers mit anschließender Zwangsversteigerung. Derart leidgeplagt scheint der Münchner Unternehmer Hans Hammer mit der Immobilie am Viktualienmarkt 15 nicht zu sein – trotzdem gibt er sie auf. In einem Bieterverfahren hat er die Markthalle an einen nicht näher bekannten Käufer abgegeben.

Im Jahr 2009 hatte der Immobilienunternehmer Hammer, der auch Schatzmeister der Münchner CSU ist, die 4600 Quadratmeter große Schranne gekauft. Über Tochterfirmen erwarb er das Erbbaurecht an dem Objekt. Denn sowohl Grund als auch Gebäude gehören der Stadt München. Im November 2015 eröffnete die Feinkostkette „Eataly“ hier ihre erste Filiale in Deutschland. „Durch unser aktives und nachhaltiges Management haben wir so die Immobilie am Markt neu platziert“, sagt Geschäftsführer Michael Schmenger, „und als Kernprodukt investmentfähig gemacht.“

Über den Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart

Wer der Käufer ist, darf Schmenger nicht sagen. Auch über die Höhe des Kaufpreises sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte er am Dienstag zum Münchner Merkur. Dass „Eataly“-Gründer Oscar Farinetti selbst der Käufer sein könnte, ist unwahrscheinlich. Dieser investiert schon längst in andere Projekte: Am 15. November eröffnet er seinen ersten 100.000 Quadratmeter großen Agro-Food-Themenpark in Bologna. Zudem plant „Eataly“ demnächst den Gang an die Mailänder Börse.

Auch das österreichische Unternehmen Signa von René Benko, das an „Eataly“ beteiligt ist, dementiert. „Wir haben eine Gesellschaft mit „Eataly“, wir sind nur Mieter der Halle. Mit dem Kauf beziehungsweise Verkauf haben wir nichts zu tun“, betonte Signa-Sprecher Robert Leingruber. Das Kommunalreferat, das für die Grundstücksverwaltung Münchens zuständig ist, hält sich ebenfalls bedeckt.

Dem Vernehmen nach handelt es sich beim Käufer anscheinend um ein Anlagekonsortium. Der Unternehmenskauf ist laut Hammer AG in Form eines „Share Deals“ abgelaufen. Damit werden Transaktionen bezeichnet, bei denen Investoren nicht die betreffende Immobilie selbst erwerben, sondern Anteile an einer Objektgesellschaft, die ihrerseits eine oder mehrere Immobilien hält.

„Eataly“ bleibt in der Schrannenhalle. Auch wenn beharrlich Gerüchte kursieren, dass sich das Geschäftsmodell nicht rechne – und die Filiale in der teuren Halle wieder schließen müsse. Geschäftsführer Michael Schmenger von der Hammer AG hatte 2015 die Vermietung der an Eataly wie folgt erklärt: „Mit dem weltweit agierenden Konzern Eataly haben wir einen Großmieter gefunden, der ein eindeutiges Konzept hat.“ Man habe gesehen, dass „die kleinteilige Vermietung mit diversen Nutzern dem Markt nicht entsprochen hat“.

Zuletzt scheint sich für Hammer der Betrieb auch mit dem Großmieter nicht mehr rentiert zu haben.

Die Schranne-Chronik

• 1853: Die Getreidehalle beim Viktualienmarkt wird eröffnet. 

• 1932: Die Schrannenhalle wird bei einem Brand zerstört. 

• 1994: Der Stadtrat beschließt den Wiederaufbau.

• 1995: Investor Helmut Ronstedt bekommt den Zuschlag. 

• 1997: Nach zwei Jahren Streit mit der Stadtspitze steigt der Investor aus. 

• 1999: Der Stadtrat vergibt das Projekt im Erbbaurecht an Klaus Thannhuber. • 2003: Baubeginn für die neue Schranne. • 2005: Eröffnung der Markthalle, die mit Geschäften und Gastro wie ein Marktplatz funktionieren soll. 

• Mai 2009: Der Betreiber ist insolvent. Im August eröffnet die Schranne mit dem alten Geschäftsführer wieder. • September 2009: Die Zwangsversteigerung wird angekündigt. Die Hammer AG übernimmt das Erbbaurecht, wodurch eine Zwangsversteigerung abgewendet wird. 

• April 2010: Für 35 Millionen Euro kauft Investor Hans Hammer die Schranne. 

• Oktober 2011: Neueröffnung mit Feinkost Käfer und zwei Dutzend anderer Anbieter. 

• März 2012: Im Untergeschoss eröffnet Schokoriese Milka. 

• Mai 2013: Käfer gibt sein Lokal auf, stattdessen kommt die Krake. 

• Januar 2014: Auch die Krake gibt auf, es folgt Kytaro.

• Juli 2014: Statt Feinkost Käfer soll Edeka einziehen. Die Standleute vom Viktualienmarkt protestieren. 

• Dezember 2014: Hammer kündigt allen Mietern zum 31. März 2015, ab dem 1. Mai wird Eataly der einzige Mieter.

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