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Endlosdebatte: Die Entscheidung über eine Fußgängerzone in der Sendlinger Straße steht weiter aus.

Bezirksausschuss fordert Aufschub der Pläne

Sendlinger Straße: Neue Fußgängerzone steht auf der Kippe

München - Das Gezerre um eine Fußgängerzone in der Sendlinger Straße geht weiter. Der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel will eine ergebnisoffene Diskussion und fordert einen Aufschub der Fußgängerzonen-Pläne. CSU und SPD im Stadtrat sind uneins, wie sie mit dem Vorstoß umgehen sollen.

Wird die Einrichung einer Fußgängerzone in der Sendlinger Straße zu einem endlosen Verschiebebahnhof? Der BA Altstadt-Lehel möchte vor einer Entscheidung zunächst einen Workshop durchführen – mit offenem Ergebnis. Die geplante Einwohnerversammlung sollte erst im Oktober 2016 stattfinden. Der einjährige Probeversuch für die Sperrung der Sendlinger Straße wäre dann frühestens 2017 denkbar – falls er überhaupt noch realisiert wird.

Eigentlich hätte die neue Fußgängerzone an der geschäftigen Sendlinger Straße vor Weihnachten beschlossen werden sollen. Nach Anwohnerprotesten entschloss sich die Große Rathauskoalition, die Entscheidung auf März 2016 zu vertagen, um die Anliegen der Bürger miteinzubinden. Nun steht auch dieser Zeitplan auf der Kippe. Die CSU steht dem Vorstoß des BA aufgeschlossen gegenüber. „Wir halten das Vorgehen für sinnvoll“, ließ die Sprecherin der Stadtratsfraktion, Birgit Unterhuber, ausrichten. Die SPD spricht sich im Gegensatz zum Kooperatonspartner gegen einen neuerlichen Aufschub aus. „Ich sehe keinen großen Sinn darin“, sagte Fraktionschef Alexander Reissl und fügte an: „Wir werden mit der CSU sprechen und eine Lösung finden.“ Reissl erinnerte an die Koalitionsvereinbarung der beiden Parteien, in der die Realisierung der Fußgängerzone festgezurrt wurde. CSU-Stadtrat Georg Schlagbauer hegt Sympathie für den BA-Vorstoß, will aber im Sinne des Koalitionsfriedens nicht ausschließen, dass der Fußgängerzonen-Test im März beschlossen wird.

Die Diskussion gibt es seit 30 Jahren

Wie es nun weitergeht, ist daher völlig offen. Die Diskussion über die Fußgängerzone in der Sendlinger Straße beschäftigt die Stadt seit 30 (!) Jahren. Städteplaner wie Professor Rolf Monheim, der die Entwicklung der Münchner Altstadt seit langem beobachtet, bezeichnet die jetzige Verkehrssituation als anachronistisch. Die Verwaltung wollte die Fußgängerzone ursprünglich von März 2016 bis März 2017 einrichten. Daraus wird nichts mehr. Sollte der Stadtratsbeschluss im März 2016 gefasst werden, würde der Versuch im Sommer starten. Die Verwaltung hatte in ihrer Beschlussvorlage die Zahl der betroffenen Anwohner im Umgriff der geplanten Fußgängerzone auf 379 beziffert, aber auch bereits Ausnahmeregelungen für Anlieger, die ihre Häuser, Tiefgaragen Praxen oder Büros erreichen müssen, skizziert.

Anwohner wollen maßvolleres Vorgehen für ihr Viertel

Den betroffenen Bürgern und dem Bezirksausschuss war dies aber zu wenig. Im BA-Antrag an den Stadtrat heißt es, das Projekt müsse vom Zeitdruck befreit werden. Nur dann könnten die Einwände der Anwohner sowie der ansässigen Gewerbetreibenden sinnvoll geprüft und der Beteiligungsprozess positiv gestaltet werden. Der BA fordert überdies, dass das Untersuchungsgebiet auf das gesamte Hackenviertel ausgeweitet wird, weil die verkehrlichen Veränderungen auch in diesem Bereich zu spüren sein werden. Außerdem plädieren die Stadtteilpolitiker dafür, ein Gutachten einzuholen, in dem bewertet wird, wie sich die Umwandlung der Sendlinger Straße in eine Fußgängerzone auf die Mieten und Gewerbemieten auswirkt. Schließlich müssten Zufahrtsmöglichkeiten für in ihrer Mobilität eingeschränkte Bürger geschaffen werden.

Den beabsichtigten Workshop – er soll nach Ostern starten – möchte der BA mit dem Planungsreferat vorbereiten. Dafür soll ein externer Moderator gewonnen werden. Mögliche Kompromisslösungen wären ein „Shared Space“ (gemeinsamer Raum). Bei dieser Regelung wären alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt, Parkplätze würden teilweise erhalten bleiben, der motorisierte Verkehr aber zurückgedrängt werden. Laut Planungsreferat ist die Passanten-Frequenz in der Sendlinger Straße in den vergangenen zehn Jahren um ein Drittel gestiegen. Funktional, so heißt es, sei die Sendlinger Straße bereits eine Fußgängerzone.

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Klaus Vick

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