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Prägen seit Jahrzehnten das Bild an der Prinzregentenstraße: Die hohen Bäume, die auch als Brücke am Eisbach dient, sollen weg.

Vehementer Widerstand gegen Pläne

Für die Autofahrer: Werden 13 denkmalgeschützte Bäume wegen Brückensanierung gefällt?

Die Brücke über den Eisbach muss saniert werden. In dem Zuge will die Stadt zahlreiche denkmalgeschützte Bäume fällen. Doch dagegen regt sich erheblicher Widerstand.

München - Am weltberühmten Eisbach sollen im Frühjahr die Kettensägen zuschlagen: Die Stadt will an der Surferwelle 13 uralte und denkmalgeschützte Bäume, teils über zehn Meter hoch, fällen. Der Grund dafür: Während der achtmonatigen Sanierung der Prinzregentenstraße sollen alle sechs Spuren erhalten bleiben. Doch es gibt Widerstand: Der Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel wehrt sich vehement!

„Die Sanierungsarbeiten sind unumgänglich“, weiß der BA-Vorsitzende Wolfgang Neumer (CSU). „Vielen Leuten ist nicht bewusst, dass die Prinzregentenstraße dort als Brücke dient.“ Das Wasser, das vom Lehel aus im Eisbach unterirdisch fließt, hat den Stahlbeton der Straße mürbe gemacht. Dazu der große Druck des intensiven Verkehrs von oben - ein ganz natürlicher Verfall also.

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Bäume teilweise kurz nach Zweitem Weltkrieg gepflanzt

Die radikale Ankündigung der Stadt, die Bäume zu fällen, sorgt allerdings für Unmut. „Die meisten dieser Bäume wurden in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gepflanzt, um das Erscheinungsbild rund um das Haus der Kunst freundlicher zu gestalten“, erklärt BA-Vize Wolfgang Püschel (SPD). Es dauert Jahrzehnte, bis Laubbäume diese Maße erreichen. Eine der Winterlinden am Eisbach hat mittlerweile die stattliche Höhe von 14 Metern erreicht. Jetzt sind die Naturdenkmäler dem Tode geweiht.

Für alle Naturschützer klingt das wie blanker Hohn. „Was spricht denn dagegen, die Straße auf beispielsweise vier Spuren zu verschmälern und dafür die Baumallee zu erhalten?“, fragt sich BA-Mitglied Jörg Hoffmann (FDP). Er empfahl in der Sitzung, die Fällung der Bäume strengstens abzulehnen. Das tat das Gremium einstimmig. Keiner konnte für die Pläne der Stadt Verständnis aufbringen - selbst die Stadtteilpolitiker der sonst eher autofahrerfreundlichen CSU nicht.

Surfers Paradise: An der Eisbachwelle stürzen sich viele Münchner ins Wasser.

Stadt wird Doppelmoral vorgeworfen

BA-Chef Neumer sieht in dem Vorgehen gar ein Muster. Einerseits prüfe und kontrolliere die Stadt strengstens, ob irgendwo ein Baum gefällt werden müsse. Die Prämisse laute da: Wenn möglich, erhalten. „Andererseits säbelt sie selbst kurzerhand welche um, wenn es um die eigenen Baumaßnahmen geht.“ Also: Doppelmoral.

Denn so sei es auch schon bei der Baustelle am Marienhof gewesen. „Plötzlich verschwanden die Bäume“, erinnert sich Neumer. „Das alles passierte damals frei nach dem Motto: Städtische Baumaßnahme schlägt Baumschutz“, fügt Püschel hinzu. „Die Bäume am Marienhof verschwanden völlig überstürzt schon fünf Jahre vor dem allerersten Spatenstich, ganz unabhängig davon, ob sie wirklich gefällt werden mussten oder nicht.“ Offensichtlich, so sein Schluss, sehe das die Stadt bei eigenen Projekten nicht allzu eng mit dem allgemein eingeforderten Baumschutz.

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Hüseyin Ince

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