Lückenschluss: Zwischen den Haltestellen Elisabethplatz und Tivolistraße soll von 2025 an die „Garten-Tram“ verkehren.

Umstrittene Nordtangente

Stadt stellt Weichen: So rollt die Tram durch den Englischen Garten

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Lange war das Projekt auf dem Abstellgleis, nun soll die erste Weichenstellung erfolgen: Der Stadtrat wird wohl am Mittwoch den Planungsauftrag für den Bau der Garten-Tram erteilen.

München - Derzeit verkehren auf diesem Abschnitt Stadtbusse der Linien 54, 150 und 154. Die Tram soll von Mitte 2025 an die Busse ersetzen. Unumstritten ist das Projekt nicht. 

Mittwoch entscheidet der Stadtrat

Der Freistaat als Eigentümer des Englischen Gartens hatte lange seine Zustimmung für die Trasse verweigert. Finanzminister Markus Söder und Kultusminister Ludwig Spaenle, zugleich Münchner CSU-Chef, erwiesen sich stets als entschiedene Gegner des Projekts. Dann sprach Ministerpräsident Horst Seehofer im Sommer ein Machtwort und verbündete sich mit OB Dieter Reiter (SPD). Seehofers Meinung: Man könne nicht davon sprechen, dass die Tram den Englischen Garten durchschneide, weil dies durch die derzeitige Busstraße ohnehin schon der Fall sei. Seehofer hält die Tram auch für das umweltfreundlichere Projekt. Damit schlug sich Seehofer auf die Seite von SPD und Grünen im Münchner Rathaus. Der Ministerrat der Staatsregierung entschied jedenfalls, der Planung zuzustimmen und „die Prüfung einer natur- und denkmalverträglichen Lösung konstruktiv zu begleiten“.

Gibt es genug Sympathie für die Garten-Tram? 

Dennoch steht der Beschluss für die Garten-Tram auf der Kippe. Die CSU hat weiter eine ablehnende Haltung, möchte den Beschluss vertagen. Die Bayernpartei ist strikt gegen das Projekt. Auch in der Bürgerschaft gibt es Skepsis, wie bei einer aktuellen Umfrage sowie bei einer Bürgersprechstunde von OB Reiter im Stadtbezirk Schwabing-Freimann deutlich wurde. Bayernpartei-Stadtrat Mario Schmidbauer sagt: „Der Bus funktioniert. Es gibt wichtigere Dinge, als für ein Prestigeprojekt so viel Geld auszugeben – für ein nur kurzes Teilstück.“

Was kostet das Projekt Garten-Tram eigentlich?

Eine fundierte Kostenschätzung gibt es nach Auskunft der MVG noch nicht. Immerhin hat die Stadtverwaltung in ihrer Beschlussvorlage das weitere Vorgehen skizziert: Nach dem Planungsauftrag soll bis Mitte 2019 der Trassierungsbeschluss erfolgen, danach der Antrag auf Planfeststellung: Die Inbetriebnahme der Garten-Tram prognostiziert das Planungsreferat für Mitte 2025. Parallel zur Planung soll ein Projektbeirat aus Vertretern des Freistaats, der Stadt und der Denkmalpflege installiert werden.

Darum soll die Garten-Tram umweltfreundlich sein?

Die Garten-Tram ist batteriebetrieben und wird ohne Oberleitung geplant. Neben dem etwa sechs Meter breiten Rasen-Gleisbett soll ein Radweg für beide Fahrtrichtungen entstehen. Die Bustrasse ist sieben Meter breit. 

Nach Auffassung von Stadtverwaltung und MVG stellt die Garten-Tram einen deutlich geringeren Eingriff in das denkmalschutzrechtlich geschützte Ensemble des Englischen Gartens dar. Zudem könne die Straßenbahn mehr Fahrgäste befördern als ein Bus. Die als Tram-Nordtangente bezeichnete, rund 13 Kilometer lange Straßenbahnstrecke führt von Neuhausen (Romanplatz) kommend über Schwabing bis nach Bogenhausen (St. Emmeram). Der größte Teil dieser Verbindung ist bereits heute als Straßenbahnstrecke ausgeführt. Es fehlt nur der etwa zwei Kilometer lange Abschnitt zwischen Elisabethplatz und Tivolistraße, davon verläuft etwa ein Kilometer direkt durch den Englischen Garten.

Rasengleise sollen auf der jetzigen Straße verlegt werden, daneben würde der Radweg verlaufen.

OB Reiter ist von dem Projekt überzeugt: „Die Tram-Nordtangente ist ein wichtiger Lückenschluss für den öffentlichen Nahverkehr in München und eine der dringend benötigten Tangentialverbindungen. Zudem werden Rasengleise sogar für mehr Grün sorgen und ausgewiesene Fahrradwege für mehr Sicherheit.“

Das Münchner Tram-Netz: Früher, heute, künftig


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Von Klaus Vick

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