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Kunststudenten zogen mit einem Trauermarsch durch München und erinnerten damit an ein Unglück, das sich vor über 100 Jahren ereignet hat.
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Kunststudenten zogen mit einem Trauermarsch durch München und erinnerten damit an ein Unglück, das sich vor über 100 Jahren ereignet hat.

Kunststudenten erinnern an Unglück

Eskimo-Trauerzug durch München: Das steckt dahinter

München - Polizeiwägen und lange Staus heute Mittag in der Innenstadt. Der Grund war jedoch kein Unfall, sondern ein Kunstprojekt.

Eine ungewöhnliche Trauergesellschaft zog am Mittwoch durch die Innenstadt: Männer in historischen schwarzen Gewändern, vor ihnen eine Blaskapelle, die Chopins berühmten Trauermarsch spielte. Von der Polizei eskortiert zog die Gruppe von der Akademie der Bildenden Künste aus über die Ludwigstraße bis zur Hans-Sachs-Straße und von dort weiter zum Alten Südfriedhof. Autos mussten warten, Passanten blieben stehen. Es handelte sich nicht um einen Faschingszug, das machte die schwermütige Musik deutlich. Der Münchner Künstler Stefan Lenhart, 45, gedachte mit dem inszenierten Trauermarsch neun Münchner Kunststudenten, die vor genau 134 Jahren auf tragische Weise ums Leben kamen.

Bei einem Faschingsfest am 18. Februar 1881 gestalteten Studenten der Kunstakademie die Räume des heute nicht mehr existierenden Vergnügungspalasts „Kolosseum“ an der Hans-Sachs-Straße. In der Gesellschaft herrschte eine kolonial geprägte Begeisterung für fremde Kulturen. Die Studenten hatten entsprechende Kulissen aufgebaut, in einem Nebenraum etwa ein Iglu. Als die Feier gegen Mitternacht auf ihren Höhepunkt zusteuerte, geschah das Unglück.

Ein als Eskimo verkleideter Student grillte vor dem Iglu einen Fisch über einem offenen Feuer. Ein fataler Fehler. Die Watte des Kostüms entzündete sich, der junge Mann stand in Flammen. Andere Gäste versuchten den Brand zu löschen, doch immer mehr Kostüme entzündeten sich. Während im großen Saal gefeiert wurde, kämpften mehr als ein Dutzend Menschen im Nebenraum um ihr Leben. Neun von ihnen erlagen ihren Verletzungen. Die schreckliche Faschingsnacht ging als „Eskimotragödie“ in die Geschichte der Stadt ein.

So hat denn auch Künstler Stefan Lenhart seine Kunstprozession genannt. Er selbst studierte bis 2007 an der Münchner Kunstakademie. Ein Professor erzählte ihm einmal von der Geschichte. Lenhart wollte die in Vergessenheit geratene „Eskimotragödie“ als „Gesamtkunstwerk reinszenieren“, wie er sagt. Er besuchte als Inspiration das Wiener Bestattungsmuseum und ließ nach dem Vorbild alter Trauerkleidung Kostüme maßschneidern. Neun Studenten der Kunstakademie trugen sie am gestrigen Mittwoch symbolisch für die neun Verstorbenen.

Der Trauermarsch endete am Mittwoch auf dem Alten Südfriedhof, wo die Opfer von damals ihre letzte Ruhe gefunden haben. Pfarrer Rainer Schießler hielt eine Rede am Grab der verunglückten Studenten. Kerstin Möller vom Kulturreferat war voll des Lobes für die Kunstaktion. „Das Ereignis wurde in einen würdevollen performativen Akt umgewandelt“, sagte sie. Die Prozession war der Auftakt einer Reihe Projekte von "Kunst im öffentlichen Raum". Fünf Münchner Künstler werden heuer mit insgesamt 75 000 Euro von der Stadt gefördert.

jv

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