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Die Viktualienmarkt-Sanierung macht den Händlern zu schaffen. Klaus Witte (58) von Fisch-Witte fürchtet um seine Existenz.

„Das wäre existenzbedrohend“

Am Viktualienmarkt geht die Angst um

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Der Viktualienmarkt soll saniert werden, so will es die Stadt. Unter den Standln muss dringend etwas gemacht werden. Nur was? Die Händler sind verunsichert. Wird der Markt kaputt saniert?

München - Eine Million Euro habe er vor zehn Jahren in die Renovierung seines Ladens mit Bistro gesteckt, sagt Inhaber Klaus Witte (58) von Fisch-Witte. „Wenn wir ein oder zwei Jahre lang für einen Um- oder Neubau aus dem Geschäft müssten, wäre das existenzbedrohend.“ Seit 33 Jahren betreibt der Viktualienmarkthändler das Geschäft zusammen mit Frau Hella (55), jetzt machen sich beide große Sorgen.

Denn die Stadt will den Viktualienmarkt sanieren — und ein neues Bürgergutachten beschreibt die Bereiche 2 (gleich bei der Schrannenhalle) und 6 (Frauen-/Westenriederstraße), wo auch Klaus Wittes Geschäft liegt, als die mit „am meisten Potenzial“ (siehe Karte). Mag heißen: Im Bereich 6 könnte laut Meinung der Bürger ein größeres Gebäude entstehen mit Ladenzeilen und eventuell Gastronomie auf dem Dach. Darunter wäre Platz für Keller- und Lagerflächen. Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) sagte bei der Vorstellung Ende November: „Die Abteilung 6 sehe ich auch als Schwachpunkt, und eine Veränderung der Abteilung 2 liegt mir sehr am Herzen.“ In der Abteilung 2 könnten neue Standl gebaut werden, ein schönerer Eingang zum Markt und eine Radlgarage.

Was passiert jetzt genau auf dem Viktualienmarkt?

Entschieden ist noch lange nichts. Doch an vielen Händlern nagt die Unsicherheit. Im Bereich 6 etwa könnte die Halle abgerissen werden, in der neben Klaus Witte auch Monika Stettmeier (53) mit Mann Karlheinz (55) seit 28 Jahren ihr Fischgeschäft Maier betreibt. Auch sie haben viel Geld in den Laden gesteckt, sagt Stettmeier. „Der Keller ist marode, das ist die Aufgabe der Stadt. Aber wenn das Gebäude weggerissen wird, wäre das auch für uns gar nicht lustig.“

Monika und Karlheinz Stettmeier sind verunsichert.

Die fehlende Sicherheit für die Händler durch die Stadt bemängelt Mehmed Duman (22). „Es wäre wichtig, dass uns zugesichert wird, dass die Verträge weiter bestehen, wenn umgebaut wird.“ Duman betreibt einen Feinkost-Laden gegenüber des Müllhäusls in Abteilung 6, das viele der Befragten als unschönen Ort des Markts bezeichneten. Der Händler ist nicht grundsätzlich gegen einen Umbau. „Es wäre schön, wenn mehr Leute hierher gelockt werden, außerdem brauchen wir dringend Lagerflächen.“

Duman betreibt einen Feinkost-Laden gegenüber des Müllhäusls in Abteilung 6.

Gerade Händler bei den großen, festen Ständen machen sich Sorgen, denn die könnten nicht so leicht umziehen, sagt Erwin Noll (60). Er war einst Polizist auf dem Markt und ist nun selbst Mit-Standlbetreiber beim Räucherkistl in Abteilung 6. „Für mich als Zeltstand wäre ein Umzug nicht so problematisch“, sagt er. Vieles aus dem Bürgergutachten sei sinnvoll, vieles aber auch ungeklärt.

Erwin Noll (60) macht sich Sorgen. 

„Wir lassen uns den Markt nicht kaputt sanieren“

Marktsprecherin Elke Fett betreibt ihren Duftschmankerl-Stand in der Abteilung 2. Sie hat dem Bezirksausschuss Altstadt/Lehel einen Antrag aller Marktleute vorgelegt. „Wir Händler sprechen uns gegen einen Abriss der Abteilungen 6 und 2 aus“, sagt sie. Es solle kein Steuergeld verschwendet werden. Sondern nur Planungen angestellt werden, die der versprochenen „liebevollen, sanften und behutsamen Sanierung“ des Marktes entsprächen. Der Antrag wurde vom Bezirksausschuss einstimmig angenommen – die Stadtverwaltung hat nun drei Monate Zeit, zu reagieren. Am 6. Februar wollen sich die Marktleute im Pschorr am Viktualienmarkt treffen — und ihr weiteres Vorgehen besprechen. Elke Fett: „Wir lassen uns den Markt nicht kaputt sanieren“.

Marktsprecherin Elke Fett betreibt ihren Duftschmankerl-Stand in der Abteilung 2.

Viktualienmarkt-Sanierung: Das sagen Stadt und Architekt

Die Stadt betont: Es handele sich derzeit nicht um eine fertige, vom Stadtrat freigegebene Planung, sondern um „Ideen und Anregungen aus der Bürgerschaft, die in die weiteren Planungen einfließen sollen“, sagt Bernd Plank vom Kommunalreferat. „Die endgültige Entscheidung, wie genau die Sanierung des Viktualienmarktes ablaufen wird, liegt einzig und allein beim Stadtrat.“ Man wolle dem Motto der Sanierung Behutsam. Sanft. Liebevoll gerecht werden, deswegen legten das Kommunalreferat und die Markthallen München schon jetzt im frühen Stadium der Planungen größten Wert auf Transparenz. Dazu gehöre auch ein regelmäßiger Händler-Stammtisch, bei denen Fragen und Ängste direkt vor Ort geklärt werden könnten.

Architekt Rainer Hofmann von Bogevischs Buero erstellt eine Machbarkeitsstudie für den Viktualienmarkt. Er sagt: „Dass Ängste bei den Standlbetreibern da sind, kann ich verstehen. Wir werden aber versuchen, einen guten Kompromiss zu finden.“ In den Abteilungen 6 und 2 gebe es am meisten Potenzial für Veränderung. Einmal, da in der Abteilung 6 das wenig repräsentative Müllhäusl stehe, das durch einen anderen Bau ersetzt werden könne. Außerdem bemängelten viele Händler selbst, dass sich zu wenige Kunden hierher „verirrten“. Bei der Abteilung 2 gebe es nur zwei feste Stände, weswegen der Aufwand für einen Umzug während der Renovierung nicht so groß sei. Der Bau von dringend gebrauchten Kellerräumen sei hier genauso wie bei Abteilung 6 denkbar. Hofmann: „Es gibt niemanden, der radikal am Viktualienmarkt etwas ändern wird. Trotzdem wird es auch bei einer behutsamen Sanierung eine Baustelle geben.“

Ramona Weise

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Altstadt/Lehel – mein Viertel“.


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