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Die City ist architektonisch unverwechselbar - hier in der Sendlinger Straße.

Neue Studie

Weniger Kunden: Darum klagen die Innenstadt-Händler noch leise

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München boomt und wächst. Doch ausgerechnet in der Innenstadt geht die Zahl der Passanten zurück. Die Händler merken das, klagen aus einem Grund aber nur leise.

München - Im Durchschnitt überqueren 7297 Passanten pro Stunde den Karlsplatz, das zeigt die Passantenfrequenzzählung des Immobilienverbands IVD. „Der Stachus konnte seinen Vorjahreswert sogar übertreffen“, sagt Stephan Kippes, der Chef des Marktforschungsinstituts der IVD. Damit stemmt sich der Karlsplatz gegen einen offensichtlichen Trend.

Denn der Vier-Jahres-Vergleich zeigt: Außer am Stachus ist die Zahl der Passanten nur in der Leopoldstraße gestiegen – an allen anderen Messpunkten ging die Zahl der Flaneure zurück. Moderat ist der Rückgang in der Kaufingerstraße. Hier spazierten 2013 noch 7426 Menschen, heuer waren es lediglich 7030. Dramatischer ist der Rückgang etwa am Messpunkt im Tal 10. Dort waren statt 5302 nur noch 3524 Passanten unterwegs. Auch wenn Studienleiter Kippes den absoluten Zahlen nicht zu viel Bedeutung beimessen will, zeigen sie doch: Im Schnitt zieht es weniger Menschen in die Innenstadt.

Rückgang kommt bei den Händlern an

Das bekommen vor allem die Händler zu spüren. „Wir können deutliche Rückgänge bestätigen“, sagt Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern. Durch moderne Erfassungssysteme wüssten die Händler ziemlich genau, wie viele Kunden ihre Häuser besuchen. „In München liegt der Rückgang bei über zehn Prozent“, sagt Ohlmann. Weniger dramatisch als im Rest Deutschlands, aber dennoch spürbar.

Finanziell konnten die Händler diesen Kundenrückgang bisher durch einen höheren Durchschnittsbon ausgleichen. „Das bedeutet, dass zwar weniger Kunden in die Läden kamen, diese Kunden aber mehr Geld als bisher ausgaben“, erklärt Ohlmann.

Grafik: So deutlich ging die Anzahl der Passanten zurück

Wolfgang Fischer von City Partner sieht mehrere Herausforderungen für die Innenstadt. „Die Erreichbarkeit ist ein entscheidendes Thema. Derzeit quälen wir uns an den Haupteinlaufstraßen mit Baustellen herum“, sagt Fischer. Auch für Ohlmann ist die Erreichbarkeit der Innenstadt ein Kernthema. Je schwieriger die Innenstadt zu erreichen sei, desto eher wanderten die Kunden zur bequem zu erreichenden Online-Konkurrenz ab. Besonders ärgert sich Ohlmann in diesem Zusammenhang über die Diskussion zu Diesel-Einfahrverboten. „Wenn so etwas kommt, können wir gleich die Planierraupen bestellen“, warnt Ohlmann.

München behält seinen Standortvorteil

Dabei sind die Voraussetzungen am Standort München weiter gut. „Wir haben den Vorteil, dass die Stadt auch architektonisch nicht austauschbar ist“, sagt Ohlmann. Fischer fügt hinzu: „München ist und bleibt ein Shopping-Paradies mit einzigartiger Gastronomie, das in Deutschland seinesgleichen sucht.“ Damit das so bleibt, wünschen sich die Händler aber mehr Flexibilität von der Politik. „Man kann nicht über die geringere Attraktivität der Innenstädte klagen und gleichzeitig nichts für die Verbesserung der Rahmenbedingungen tun“, meint Ohlmann. Die Händler wünschen sich etwa verkaufsoffene Sonntage und flexiblere Öffnungszeiten.

Dass das Geschäft in München aber immer noch blendend funktioniert, zeigt ein Blick auf die Mieten. Für eine 1-a-Lage blättern die Handelsketten 410 Euro pro Quadratmeter hin. „Leerstand bleibt im Zentrum ein Fremdwort“, sagt Kippes.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Altstadt/Lehel– mein Viertel“.

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