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Francoise Ruge (78) sagte am Mittwoch am Landgericht aus.

„Der Sturz hätte schlimmer ausgehen können“

Witwe von Kabarettist Ruge: Hier stieß mich der Räuber herunter

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München - Die Witwe des verstorbenen Kabarettisten Helmut Ruge wurde schon Anfang des Jahres brutal ausgeraubt. Am Dienstag begann der Prozess.

Den Spaß am Leben hat Francoise Ruge (78) nicht verloren. Lächelnd schreitet sie aus dem Gerichtssaal. Ihr Gesicht entspannt sich – endlich ist die anstrengende Zeugenaussage vorbei. „Ich bin erleichtert“, sagt sie. Denn hinter ihr liegt eine wahre Horror-Geschichte.

Räuber Dimitar A. droht eine Haftstrafe.

Am 8. Januar hatte die Witwe des beliebten Kabarettisten Helmut Ruge einen Raub-Überfall nur knapp überlebt. „Ich war an dem Abend beim Jazz-Konzert am Sendlinger Tor“, sagte Francoise Ruge gestern Vormittag am Landgericht. „Mit der Tram bin ich dann um kurz nach Mitternacht ins Lehel gefahren.“ Schon während der Fahrt sei ihr ein Mann aufgefallen: „Er trug eine grün-blau-weiße Winterjacke und sah so traurig aus.“ In Wirklichkeit hatte er es aber auf ihre Handtasche abgesehen! Der Räuber folgte ihr bis zur Rolltreppe am Eingang zu U-Bahn. Dort kam es gegen 0.15 Uhr zu dem schlimmen Vorfall.

„Er zerrte von hinten an meiner Handtasche“, erzählt die Seniorin. „Gleichzeitig stieß er mich auf der Rolltreppe mit Wucht nach unten.“ Es sind bange Sekunden für Francoise Ruge, die keine Chance gegen den brutalen Räuber hat. „Ich konnte mich nirgends festhalten, verlor den Halt und krachte ziemlich hart gegen die Brüstung.“ Danach stürzt sie den Schacht hinunter. Und wird dabei schwer verletzt.

„Als ich unten wieder zu mir kam, hatte ich überall Schmerzen.“ Mit letzter Kraft steht sie auf – und schafft es noch, zur Polizei zu gehen. Dort erstattet sie Anzeige. Am nächsten Tag verschlechtert sich ihr Zustand aber dramatisch: Die Seniorin muss in die Klinik. „Mein Halswirbel war angebrochen“, sagt Ruge, die am ganzen Körper Prellungen davontrug. „Ich hatte am Ende wohl noch Glück. Der Sturz hätte auch schlimmer ausgehen können.“

Mit Dimitar A. (31) steht seit gestern der mutmaßliche Täter vor Gericht. Er schweigt zu den Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen vorsätzlicher Körperverletzung und schweren Raubes angeklagt. Auch vier weitere Frauen soll A. nach derselben Art attackiert haben.

Bis zum 25. November läuft der Prozess. Auch Francoise Ruge wird das Urteil verfolgen. „Meine Handtasche habe ich wieder“, sagt sie. „Aber wenn ich aus dem Haus gehe, bin ich immer noch ängstlich.“

Das war Helmut Ruge

Helmut Ruge.

Helmut Ruge (1940—2014) gehörte zum Münchner Kabarettpersonal wie Dieter Hildebrandt oder Bruno Jonas. Mit Hildebrandt schrieb er „Notizen aus der Provinz“. Er war einer der großen Köpfe des politischen Nachkriegs-Kabaretts – und auch als Autor, Regisseur und Schauspieler tätig. Der gebürtige Stuttgarter war auch der kongeniale Partner von Hanns Dieter Hüsch – in über 250 Sendungen von Hammer und Stichel (WDR). Er schrieb 37 eigene Kabarettprogramme. Von 1967 bis zu seinem Tod vor zwei Jahren lebte er mit seiner Familie in München.

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