Negative Bilanz: Die Grafik zeigt in Blau bestehende Stellplätze, die öffentlich zugänglich sind. Rot markiert sind wegfallende Stellplätze, grün die nun geplante Tiefgarage am Rindermarkt.

Neues Parkhaus am Rindermarkt?

Immer weniger Parkplätze in der Altstadt - Debatte über Park-Pläne

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Der Einzelhandel kämpft um Parkplätze in der Altstadt. Unter dem Rindermarkt soll Platz für 250 Autos und 100 Radl entstehen. Denn weit mehr Stellplätze werden in den nächsten Jahren durch die Erweiterung der Fußgängerzone und den Abriss des Hirmer-Parkhauses verschwinden.

München - Bei der Podiumsdiskussion mit Vertretern renommierter Einzelhandelsgeschäfte in der Vorwoche klang es bereits an: Auch in Zeiten des Mobilitätswandels werden Parkplätze in der Altstadt benötigt – so das Credo von „Münchens ersten Häusern“. Schneller als gedacht gibt es nun einen Plan. Das Sporthaus Schuster will zusammen mit dem Bauunternehmen Wöhr + Bauer eine Tiefgarage mit 250 Stellplätzen unter dem Rindermarkt errichten. Das dürfte in den kommenden Monaten für Diskussionen sorgen.

Einzelhändler: Erreichbarkeit mit dem Auto ist wichtig 

Autos raus aus der Innenstadt? Diese Debatte hat in den vergangenen Jahren Fahrt aufgenommen und gewinnt an Schärfe. Die Position der meisten Einzelhändler ist klar: Sie wollen, dass die Innenstadt weiterhin für Kfz erreichbar bleibt. Alles andere schade der Kundenfrequenz. 

Lesen Sie auch: Die Macht der Ketten - darum verliert Münchens Innenstadt seine Seele

Diese Meinung vertritt auch Flori Schuster, Geschäftsführer des seit 1913 an der Rosenstraße ansässigen Sporthauses. Der Traditionsbetrieb vergrößert gerade seine Verkaufsfläche um 1000 Quadratmeter. Im April 2018 soll der Neubaukomplex am Rindermarkt eröffnet werden. Schuster hat mit dem erfahrenen Projektentwickler Wöhr + Bauer einen Plan ausgeheckt: Unter dem Rindermarkt soll eine Tiefgarage entstehen. Ein Motiv der beiden Investoren ist, wegfallende Parkplätze zu kompensieren. So soll nach dem jetzigen Stand das Hirmer-Parkhaus am Färbergraben Ende 2018 schließen und danach abgerissen werden. Dort finden derzeit 546 Autos Platz. Zwar ist eine neue Tiefgarage am Sattlerplatz mit 200 Abstellmöglichkeiten geplant. Doch die sollen ausschließlich Anwohnern und Anliegern vorbehalten bleiben. Außerdem entfallen aufgrund der Fußgängerzone in der Sendlinger Straße 100 Parkplätze.

Unter dem Rindermarkt könnte ein Parkhaus entstehen, dass wegfallende Parkplätze ersetzt.

Es verschwinden mehr Parkplätze als neue entstehen

Summa summarum gehen also mehr Stellplätze verloren als durch die neue Tiefgarage am Rindermarkt geschaffen würden. Es könne also nicht die Rede davon sein, dass zusätzlicher Autoverkehr in die Altstadt gelockt werde, so die Argumentation der Investoren. Im Gegenteil: Sie glauben, dass das Hackenviertel vom Park-Such-Verkehr entlastet würde. 

Zudem schwebt Schuster und Wolfgang Roeck, Geschäftsführer von Wöhr + Bauer, ein „Mobilitäts-Hotspot“ unter dem Rindermarkt vor. Geplant sind 100 Fahrrad-Parkplätze, eine Carsharing-Station, E-Tankstellen für Autos, eine E-Ladestation für Fahrräder sowie ein Verleih für herkömmliche Räder und E-Bikes. Die Zufahrt in die Tiefgarage soll über den Oberanger erfolgen.

Was sagt die Stadt zu dem Vorschlag?

Spannend ist, wie die Stadt auf die Pläne reagiert. Das Planungsreferat reagierte zurückhaltend. Stadtbaurätin Elisabeth Merk sagte: „Wir kennen die Überlegung. Die Idee wird vertieft zu prüfen sein.“ Die CSU begrüßt das Projekt. Fraktionschef Manuel Pretzl erklärte: „Die Innenstadt muss auch für mobilitätseingeschränkte Menschen erreichbar bleiben.“ 

Auch SPD-Fraktionschef Alexander Reissl hält das Vorhaben für „prinzipiell vorstellbar“. FDP-Fraktionschef Michael Mattar zeigte sich angetan: „Eine Tiefgarage unter dem Rindermarkt bietet eine hervorragende Möglichkeit, das Hackenviertel von Verkehr zu entlasten.“ Die Stadt, so Mattar, sollte schnell mit dem Investor konkrete Gespräche aufnehmen.

Auch das Hirmer-Parkhaus wird abgerissen. Über 500 Parkplätze gehen so verloren. 

Der Bezirksausschuss ist angetan, die Grünen dagegen

Am Mittwochabend waren die Pläne zunächst dem Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel vorgestellt worden. Der stellvertretende BA-Chef Wolfgang Püschel (SPD) spricht von einem „diskussionswürdigen Vorschlag“, der in der Tat eine sinnvolle Kompensation für wegfallende Parkplätze brächte. Die Grünen erteilen den Plänen eine klare Absage und kündigen entschiedenen Widerstand an. Fraktionschef Florian Roth: „Eine Tiefgarage am Rindermarkt läuft allen guten Absichten zuwider, den Autoverkehr in der Altstadt auf ein Minimum zu reduzieren.“ Es wäre verkehrspolitisch ein völlig falsches Signal, so Roth.

Raumschiff statt Hirmer-Parkhaus: So könnte der Sattlerplatz einmal aussehen

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