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Der Raupenkran gehört zur Ausrüstung der Brunnenbohrer. Seit Dienstag laufen die Arbeiten am Marienhof.

Arbeiten werden wohl bis Mai dauern

Was macht der Riesen-Bohrer am Marienhof - und besteht eine Gefahr fürs Rathaus?

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Auf dem Marienhof steht seit Dienstag ein Riesen-Bohrer. Mit dem schweren Gerät gehen die Ingenieure dem Grundwasser unter dem Platz auf dem Grund.

München - Ungefähr 15 Meter unter dem Rasen des Marienhofs beginnen Grundwasser führende Schichten. Das wissen die Ingenieure. Doch für das gigantische Bauwerk, das den künftigen S-Bahnhof erschließt, müssen sie es ganz genau wissen: Mit welchem Druck wird das Grundwasser gegen die Beton-Schlitzwände drücken, die die 40 Meter tiefe Baugrube wie ein Kasten abschotten werden? Wie viel Wasser muss man abpumpen, um den Druck zu verringern und den Grundwasserspiegel leicht zu senken? All das sollen drei Brunnen und sieben Grundwassermessstellen zeigen, berichtet Inge Miethaner, die Bahn-Sprecherin für Großprojekte. Zudem sollen sieben weitere Bohrungen – teils senkrecht, teils geneigt – Bohrkerne aus bis zu 80 Meter Tiefe zutage fördern, um Aufschluss über die genaue Bodenbeschaffenheit zu erhalten.

Nach Abschluss der Bohrarbeiten werden Pumpversuche und Messungen beginnen. Voraussichtlich zwei bis vier Liter pro Sekunde und Brunnen werden die Techniker abpumpen und beobachten, wie sich das Grundwasser verhält. Auf Basis dieser Messungen errechnen die Fachleute, wie man das Grundwasser während der Bauzeit optimal beherrschen kann und auf welche Details beim Bau geachtet werden muss. Das abgepumpte Wasser fließt in den unterirdischen westlichen Stadtgrabenbach, in dem diese Menge nicht ins Gewicht fällt: Durch ihn rauschen im Schnitt 3000 Liter pro Sekunde.

Ist das Rathaus in Gefahr?

Nach Abschluss der Bauarbeiten, so Miethaner, werden die Pumpen wieder abgestellt, der Grundwasserspiegel kann sich normalisieren. Die Gefahr, dass sich mit dem Grundwasser auch der Boden senkt und Risse im Rathaus zu befürchten sind, sehen Experten nicht. Dazu liege der Grundwasserspiegel zu tief, hieß es gestern auf Anfrage.

Ohnehin ist das altehrwürdige Gebäude flexibler, als der Laie das erwarten würde: Als 2005 im Untergrund gebuddelt wurde, um den Bahnsteig am U-Bahnhof Marienplatz zu erweitern, wurde das Erdreich rundum eingefroren. Ein gigantischer Eisklotz entstand, der das Erdreich stabilisierte und abdichtete. Weil sich Wasser beim Gefrieren ausdehnt, hob sich der Boden über der Baustelle samt Rathaus um mehrere Millimeter. Danach senkte es sich wieder, ohne dass Schäden entstanden.

Wie lange wird am Marienhof gebohrt?

Etwa zwei Monate, so schätzt Inge Miethaner, werden die Bohrungen dauern. Wie lang genau, hänge davon ab, welche Überraschungen der Untergrund birgt. Die erste ließ am ersten Bohrtag nicht lang auf sich warten: „In vier Meter Tiefe sind wir auf einen leeren alten Schacht gestoßen, der nirgends verzeichnet war“, berichtet die Projekt-Chefin. Man habe diesen Schacht zwar bei Erkundungen 2011 an anderer Stelle schon entdeckt, ohne jedoch den genauen Verlauf zu kennen. Ein großes Problem war es laut Miethaner nicht: „Wir haben halt einen halben Meter daneben noch einmal angefangen.“ Der Zeitverlust war überschaubar. Und in größeren Tiefen, so Miethaner, seien vergessene Bauwerke ohnehin nicht mehr zu erwarten.

2. Stammstrecke: Wann kommt die Lärmschutzwand?

Der weitere Zeitplan am Marienhof: Im Sommer wird die Lärmschutzwand gebaut, dann rücken die schweren Maschinen an. Schließlich gilt es, ein riesiges Loch in die Tiefe zu graben.

Bau der 2. S-Bahn-Stammstrecke: Alle Infos finden Sie hier auf einen Blick. Am Marienhof sind die Bauarbeiten für die Zweite Stammstrecke im vollem Gange. Im Herbst musste eine Platane gefällt werden.

So verläuft die 1. und 2. Stammstrecke

Machen Sie hier eine Zeitreise durch München: So sahen Kaufhof und Residenzstraße damals aus

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Altstadt/Lehel – mein Viertel“.

Von Peter T. Schmidt

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