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Armut: So trifft die Pandemie die Schwächsten

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Von: Laura Felbinger

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Essensausgabe der Caritas München
Essensausgabe der Caritas München © Caritas

Zahl der Langzeitarbeits- und Wohnungslosen steigt. Bei der zweiten katholischen Armutskonferenz in München diskutierten Experten über Probleme und Lösungen.

Mit harten Fakten hat der Münchner Caritas-Chef Harald Bachmeier die zweite katholische Armutskonferenz am Montag in München eröffnet. „Im August 2020 war in München mit 49 000 Personen der Höchststand der Arbeitslosigkeit während der Pandemie erreicht“, so Bachmeier. Dahinter stehen 49 000 Einzelschicksale: Da ist etwa die Kellnerin, der Taxifahrer, der freischaffende Künstler. In Podiumsdiskussionen sprachen Armutsexperten, Politiker sowie Unternehmer und Kirchenvertreter über Probleme und mögliche Lösungen.

München: Immer mehr Langzeitarbeitslose

Verzeichnete das Jobcenter München im Februar 2020 noch einen Tiefstand bei den Langzeitarbeitslosen, sieht das nun ganz anders aus. Seit August habe sich die Situation zwar wieder entspannt, so Bachmeier, „allerdings verfestigt sich im Bereich des Jobcenters aktuell die Anzahl der Langzeitarbeitslosen. Momentan sind dort etwa 20 000 Personengemeldet.“ 9800 dieser Menschen gelten als langzeitarbeitslos. Bachmeier: „Bei dieser Gruppe bedeutet dies zum Vorjahres-monat einen Anstieg um 45Prozent.“ Im Vergleich zu Oktober 2019 – also vor der Krise – liege der Anstieg sogar bei 72 Prozent.

Kurzarbeit: Manche Berufsgruppen konnten ihre Miete nicht mehr zahlen

Ein weiteres Problem ist die Kurzarbeit. Davon waren 2020 rund 320 000 Münchner Arbeitnehmer betroffen. „Manchen reichte das Geld nicht für die Miete. Vor allem Beschäftigt ein der Gastronomie traf die Kurzarbeit schwer“, so Anette Farrenkopf vom Münchner Jobcenter.

Münchner Caritas-Chef übt Kritik an Grundsicherung

Bei Selbstständigen habe man für die Grundsicherung geworben. „Viele wollten die Hilfe aus Scham und Stolz nicht annehmen.“ Harald Bachmeier übt Kritik: „Unabhängig von Corona bleibt der Regelsatz in der Grundsicherung viel zu niedrig, um eine Existenzsicherung und eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu gewährleisten.“

Besonders von Armut gefährdet sind Senioren, Frauen und Kinder. Farrenkopf:„20 Prozent unserer Kunden beim Jobcenter sind Alleinerziehende.“ Der evangelische Pfarrer Thorsten Nolting, der im Sinne der Ökumene bei der Konferenz sprach, merkte an: „Armut und soziale Ungleichheit wurden von der Pandemie deutlich verstärkt. Jedes vierte Kind im Land ist von Armut bedroht.“

München: Sozialreferat stellt mehr Betten für Wohnungslose bereit

Im Sozialreferat bereitet man sich auf eine steigende Anzahl an Obdachlosen vor. Derzeit haben rund 9000 Menschen keine Wohnung. Für das kommende Jahr will das Referat 700 zusätzliche Betten in Flexi-Heimen und Pensionen bereitstellen. Sozialreferentin Dorothee Schiwy sagt: „Die Pandemie wirkt wie ein Brennglas, indem sie vorhandene Ungleichheiten weiter verstärkt.“ Schon lange fordere das Sozialreferat strukturelle Reformen auf Bundesebene. Schiwy: „Wichtige Schritte aus Sicht des Sozialreferats sind zum Beispiel die Erhöhung des Mindestlohns, die Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent, die Beibehaltung des Renteneintrittsalters, die Einführung einer Kindergrundsicherung und die geplante Reform des SGB II.“

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