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Arzt der Ski-Nationalmannschaft warnt: Immer mehr Freizeit-Skifahrer aus München in der Klinik

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Von: Andreas Beez

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Rettungskräfte versorgen eine verletzte Skifahrerin.
Rettungskräfte versorgen eine verletzte Skifahrerin. © CandyBox Images
Leitender Mannschaftsarzt der deutschen alpinen Ski-Nationalmannschaft: Dr. Manuel Köhne. Er praktiziert im Münchner Spezialistenzentrum Orthopädische Chirurgie München (OCM).
Leitender Mannschaftsarzt der deutschen alpinen Ski-Nationalmannschaft: Dr. Manuel Köhne. Er praktiziert im Münchner Spezialistenzentrum Orthopädische Chirurgie München (OCM). © OCM

Nach Weihnachten stürmen Zehntausende Münchner die Ski-Pisten. „Wir behandeln jetzt schon zunehmend Verletzungen von Münchner Freizeit-Skifahrern - vor allem Knieverletzungen. Neben Kreuzbandrissen nehmen Brüche des Schienbeinkopfs dramatisch zu“, warnt Dr. Manuel Köhne. In tz und Münchner Merkur analysiert der Mannschaftsarzt der deutschen Ski-Asse die Fehler, die zu schweren Freizeit-Unfällen führen.

Die zunehmende Zahl der Schienbeinkopfbrüche hängt mit den Carvingskiern zusammen.

Dr. Manuel Köhne von der Orthopädischen Chirurgie München (OCM)

Dramatische Zunahme bei Schienbeinkopfbrüchen

Er operiert Ski-Stars aus Deutschland und Österreich, darunter Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen - aber auch hunderte Freizeit-Skifahrer landen jedes Jahr auf dem Operationstisch von Dr. Manuel Köhne, dem leitenden Mannschaftsarzt der deutschen alpinen Ski-Asse und Kniespezialisten des Münchner Spezialistenzentrums Orthopädische Chirurgie München (OCM). „Auffällig ist, dass die Hälfte aller Knieverletzungen bei Frauen aktuell das Knie betreffen. Und davon sind dann etwa ein Drittel wiederum Kreuzbandverletzungen. Dazu kommen noch Meniskus-, Seitenband - und Knorpelverletzungen und immer mehr Tibiakopffrakturen. Diese hängen direkt mit den Carvingskiern zusammen“, berichtet Köhne. „Mit den Carvern können Hobbyskifahrer recht einfach hohe Geschwindigkeiten fahren. Der Knochen außen am Schienbeinkopf ist weich. Bei bestimmten Drehungen und Bewegungen wird das Knie gestaucht, und der Schienbeinkopf bricht dann. Diese Verletzungen nehmen gerade vor allem im Freizeitsport dramatisch zu.“

Unterkühlte Muskulatur wird unterschätzt

Die Unfälle sind häufig auf ähnliche Fehler zurückzuführen. So wärmen sich nach wie vor die Wenigsten auf, bevor sie die erste Abfahrt in Angriff nehmen. „Egal wie teuer und gut der Skianzug ist, die Muskulatur ist vor allem am Anfang des Skitages immer unterkühlt. Und eine kalte Muskulatur ist eben nicht parat. Nicht nur, dass der Muskel sich verletzen könnte, sondern er kann nicht arbeiten und die Gelenke und die Bänder nicht unterstützen“, erklärt Köhne.

Gerade bei Frauen ist die Bindung oft zu fest eingestellt

Schon bei der Ausrüstung gehen viele Brettl-Fans ein unnötiges Risiko ein. „Bei Frauen ist die Bindung oft zu fest eingestellt. Dadurch erhöht sich die Gefahr von Knieverletzungen bei einem Sturz“, weiß Köhne. „Auch die Skischuhe müssen passen. Wer im Gelände unterwegs ist, sollte zwingend einen Rückenprotektur tragen. Und ein Skihelm ist sowieso absolute Pflicht, bevor man überhaupt den ersten Schwung macht.“

Jeder fünfte Ski-Unfall passiert bei einem Zusammenstoß

Eine extrem Gefahr gehe von überhöhter Geschwindigkeit aus, mahnt Köhne. „Man hat noch nie so viele untrainierte und unerfahrene Skifahrer gesehen, die mit sehr hohem Tempo unterwegs sind.  Die neuen Ski sind ganz sicher der Grund, warum die Kollisionsunfälle so steigen. 20 Prozent aller Unfälle haben mit einem Zusammenprall zu tun - mit einem anderen Skifahrer, irgendeinem Schild oder mit einem Baum neben der Piste. Das neue Material macht es einfach möglich, dass man sehr schnell lernt und dann eben auch sehr schnell unterwegs ist.“

Wann die meisten Unfälle passieren

Zudem überschätzen viele Skifahrer ihre konditionellen Fähigkeiten. „.Neben der ersten Fahrt morgens passiert tatsächlich am meisten zwischen 15 und 16 Uhr“, sagt Köhne. „Viele sind da schon sehr müde. Die Pisten sind überfüllt, weil jeder runter will und muss. Keiner kann mir sagen, dass er nach sechs oder sieben Stunden auf der Piste noch die gleiche Kraft hat wie am Morgen. Der Muskel ist dann schon müde. Dazu beginnt auch die Konzentration nachzulassen. Das ist der Klassiker. Ganz viele dieser Unfälle wären vermeidbar.“

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