+
Wer genau hinschaut, kann an der Isar kleine Schätze wie diese finden.

Steinige Schatzsuche

Augen auf an der Isar: Das hat es mit den herzförmigen Steinen auf sich

  • schließen

Verpackungen, Grillreste - an der Isar schaut es gerade in den Sommermonaten manchmal aus, wie auf einer Müllhalde. Eine Aktion soll nun für mehr Sauberkeit sorgen - und das ganz ohne Aufräumen.

München - Es ist die reinste Sisyphos-Arbeit: Sobald ein Stück Plastik eingetütet ist, liegen schon wieder zwei neue daneben. Gerade jetzt, wo die Temperaturen steigen und die Grillplätze an der Isar heiß begehrt sind, lassen Saubären haufenweise Verpackungen im Kies liegen. Damit die Flussläufe karibisch klar und die Ufer sauber bleiben, hat Eva Dahme ein herziges Projekt ins Leben gerufen. Mit der Aktion „Finde dein Isarherz“ möchte die Münchnerin dem Fluss ein Stück Schönheit zurückgeben. Ab dem 5. Mai ist jeder Münchner herzlich eingeladen, auf Schatzsuche zu gehen – und an den Isarstränden nach herzförmigen Kieseln zu graben. 

Die gesammelten Steine können Sie an speziellen Annahmestellen entlang der Ufer abgeben. Danach werden die Herzstücke von Geologen nach Gesteinsart, Alter und Ursprung untersucht – und am 15. September im Museum Mensch und Natur versteigert. Der Erlös fließt über den Verein Deine Isar e.V. direkt in den Naturschutz. Wir haben uns vergangene Woche schon mal ein bissl auf Schatzsuche begeben – und dabei ein paar echte Herzstücke gefunden.

Zuletzt war’s extrem 

„Sobald die Sonne scheint, gleicht die Isar einer Müllhalde“, erzählt Manfred Wallner (68). Vor allem am Morgen seien die Ufer von Plastik und Verpackungsmüll übersät. „Letztes Jahr war’s extrem“, bestätigt auch Ma-Sounghe. Die 66-Jährige liebt es, zusammen mit ihrem Mann über den Kies zu schlendern und sich die Sonne auf die Nase scheinen zu lassen. „Wir finden es super, dass es nach wie vor Leute gibt, die den Dreck der anderen aufräumen“, sind sich die beiden einig. „Ich würde mich sehr gern an der Aktion beteiligen“, erzählt Manfred Wallner, „leider bin ich nicht mehr so gut auf den Beinen – aber wir finden bestimmt einen Weg.“

Ein wunderbares Projekt 

„Das Thema Naturschutz ist super wichtig“, sind sich die vier Freunde von der Nordsee einig. „Leider engagieren wir uns viel zu wenig.“ Obwohl: Rene Carpers (25, l.) macht sich einmal im Jahr mit seinen Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr auf die Suche nach Müll. „Da kommt ganz schön was zusammen – das ist immer wieder erstaunlich.“ Erstaunlich finden die vier auch, wie sauber es in München ist: „Gerade an der Isar hätten wir mehr Verpackungsmüll erwartet“, sagt Mandy Janßen (22, r.), „da scheint die Stadt einen tollen Job zu machen.“ Und, so sagt die 22-Jährige weiter: „Wären wir am Wochenende noch hier, würden wir auf jeden Fall ein paar Steine sammeln“, „das Projekt ist herzig.“

Dank an die Helfer 

Herzstein-Aktion zur Säuberung der Isar

Wer wie Sebastian Schmidt direkt an der Isar wohnt, der weiß, wie wichtig das Thema Naturschutz ist. „Ich komme regelmäßig zum Joggen her“, sagt er, „zum Radeln oder zum Grillen – das macht natürlich alles viel mehr Spaß, wenn die Ufer sauber sind.“ Und: „Dank der vielen fleißigen Helfer, die hier jeden Morgen den Müll einsammeln, sind die Kiesstrände blitzeblank.“ Damit das auch so bleibt, will der 27-Jährige am Samstag ein steinernes Herzerl suchen und den Verein Deine Isar e.V. unterstützen, unsere Flussläufe sauber zu halten.

Sauberer als in Frankreich 

„Ich freue mich immer riesig, wenn ich nach München komme und die Stadt sauber ist“, sagt Suheyla Barthes. Die gebürtige Französin hat den direkten Vergleich: „München ist definitiv sauberer als meine Heimatstadt Montpellier“, erzählt sie. Aber: „Auch wenn die Münchner sehr viel dafür tun, dass die Isarauen sauber bleiben, geht da immer noch ein bisserl mehr.“ „Leider fliegen mein Sohn Henri und ich vor dem Start der Aktion wieder nach Frankreich. Sonst hätten wir uns natürlich sehr gern daran beteiligt.“ Denn: „Je früher man mit dem Naturschutz in Berührung kommt, desto besser. Und wenn das Ganze auch noch spielerisch abläuft – perfekt!“

Sammeln ist seine Leidenschaft 

Mischo Cwetanovic schlendert jeden Morgen über den Isarstrand. In seiner rechten Hand hält der Mechaniker eine Plastiktüte, mit seiner Linken klaubt er den Müll auf, der am Vorabend liegen geblieben ist. „Ich mag’s, wenn es hier sauber ist“, sagt der 76-Jährige, „ich glaube, dass es jeder gerne sauber hat – aber nur die wenigsten wollen etwas dafür tun.“ Obwohl Cwetanovic ohnehin jeden Morgen einen Beitrag leistet, um die Isarauen vom Müll zu befreien, will er sich an der Aktion von Eva Dahme beteiligen. „Ich bin ein begeisterter Sammler“, verrät er, „und wenn meine Leidenschaft nebenbei auch noch einen guten Zweck erfüllt – umso besser.“

Die Annahmestellen für die Isar-Herzerl

 Isarfräulein, Bahnhofplatz 3 (Pullach im Isartal) 

 Kiosk 1917, Tierparkstr. 2  Schinderstadel, Isarauen 2 

 Kiosk an der Braunauer Eisenbahnbrücke, Teutoburgerstr. 11 (Untergiesing) 

 Rosi – Kaffeehaus & Bar, Rosenheimer Str. 2 

 Museum Mensch und Natur, Schloss Nymphenburg 

 servus.heimat, Museumsladen im Stadtmuseum, St. Jakobsplatz 1 

 St. Emmeramsmühle, St. Emmeram 41

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

21-Jährige aus der „Steherszene“ flippt in der Bahnhofsmission aus
Eine junge Deutsche ging in die Bahnhofsmission am Hauptbahnhof in München. Doch statt dort Hilfe anzunehmen, wurde sie aggressiv und pöbelte herum. 
21-Jährige aus der „Steherszene“ flippt in der Bahnhofsmission aus
Pelikan taucht mitten in München auf - jetzt ist klar, woher er stammt
Eine ungewöhnliche Entdeckung haben Spaziergänger in München gemacht: Einen Pelikan. Experten wunderten sich. Jetzt gibt es eine Erklärung. 
Pelikan taucht mitten in München auf - jetzt ist klar, woher er stammt
Betreiber verzweifelt: „Die Kunden finden meine Apotheke nicht“
Der Betreiber der Klösterl-Apotheke versucht seit Monaten verzweifelt, ein Hinweisschild aufzustellen, damit vor allem nachts Kunden zu ihm finden. Aber Stadt und …
Betreiber verzweifelt: „Die Kunden finden meine Apotheke nicht“
Polizei sucht diese Schläger: Opfer fotografierte seinen Peiniger - mit Erfolg
Zwei Männer attackierten in München Fahrgäste im Bus und an U- und S-Bahnstationen. Am Sonntag hat die Polizei Fotos der Schläger veröffentlicht - offenbar mit Erfolg.
Polizei sucht diese Schläger: Opfer fotografierte seinen Peiniger - mit Erfolg

Kommentare