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Mut ter mit Geschäftsidee: Jessica Richard hat alle Pläne in der Schublade – was fehlt, ist eine passende Immobilie.

Immobilie gesucht

Büro mit Kita: Diese Münchnerin hat eine neue Idee 

Die passende Kinderbetreuung ist für viele Eltern in München ein Dauer-Problem. Eine Haidhauserin hat dazu eine neue Geschäftsidee für München. Allerdings sucht sie noch eine passende Immobilie dafür.

München - Wohin mit Mila? Diese Frage stellte sich Jessica Richard vor anderthalb Jahren. Ihre Tochter war damals gerade sechs Monate alt, Richard wollte wieder arbeiten gehen – aber einen bezahlbaren Kita-Platz für die kleine Mila zu finden, schien unmöglich. In dieser Zeit begann Richard, an München zu zweifeln, obwohl sie gerade erst hergezogen war. Die Wohnung war teuer und ihr befristeter Arbeitsvertrag in einer Agentur lief während der Elternzeit aus. Obwohl ihr Freund arbeitete, fühlte sich die kleine Familie, als hätten sie zu wenig Geld, um in München zu bleiben. „Die Marketing-Branche, in der ich gearbeitet habe, ist nicht besonders kinderfreundlich“, sagt sie.

Büro und Kita an einem Ort

Heute wohnt Jessica Richard immer noch in München und ist inzwischen ein zweites Mal schwanger. Für Mila fand sich ein Platz bei einer Elterninitiative. Für das zweite Kind gründet Richard jetzt einfach ihre eigene Kita. „Coworking Toddler“ heißt ihr Konzept, also: „Gemeinsam arbeiten mit Kleinkind“. Richard hat die Idee von einer Kita in Berlin, mit der sie zusammenarbeitet. Unter einer Adresse befinden sich eine Kita und Büroräume. In den Büros arbeiten die Eltern in Ruhe, während Erzieherinnen sich in der Kita um die Kinder kümmern. Die Mittagspause verbringen alle zusammen. Das Konzept ist besonders für Freiberufler gedacht, die sich sowieso einen Büroraum mieten müssen.

An eine Kita wird offenbar ungern vermietet

„Die Kita ist schon komplett geplant, die Finanzierung vorbereitet“, sagt Richard. Investoren, städtische Fördergelder – alles liegt bereit. „Leider ist es sehr schwierig, eine Immobilie zu finden.“ Denn bei den meisten Münchner Immobilienmaklern blitzt das Projekt direkt ab. Die Kinder brauchen eine Spielfläche an der frischen Luft – da haben viele Angst vor der Lautstärke. Seit zwei Monaten sucht Richard intensiv nach Räumen für ihre Kita. Sie rechnet damit, dass es ein Jahr dauern wird, bis sie etwas gefunden hat. „Alle wollen Betreuungsplätze für Kinder, aber keiner will sie im eigenen Haus haben.“ 

Dabei sind es nur 30 bis 40 Kinder von null bis sechs Jahren, die Richard unterbringen will – „das ist nicht lauter als eine Tramlinie oder eine Hauptverkehrsstraße.“ Für die Vermieter sei das Projekt eigentlich ideal, denn eine Kita ist ein zuverlässiger Mieter. „Um die Förderung von der Stadt zu bekommen, müssen wir einen Mietvertrag über mindestens 25 Jahre eingehen“, sagt Richard. Trotzdem hat sie bis jetzt noch keine innerstädtische Bleibe gefunden (Kontakt: j.richard@coworkingtoddler.com).

Wohnort- oder arbeitsplatznahe Kitaplätze noch immer selten

Wenn sie mit anderen Eltern spricht, merkt Richard, dass ihr Projekt auf viel Interesse stößt. Denn jeder hat zwar Anspruch auf einen Kita-Platz, aber der ist nicht unbedingt in der Nähe der eigenen Wohnung oder Arbeit. Fahrtzeit sparen und mehr Zeit mit den Kindern verbringen, das wünschen sich viele Eltern. „Heute will man nicht mehr für Kinder auf die eigene Karriere verzichten“, sagt Richard. Bei „Coworking Toddler“ sollen auch Babys und Kleinkinder vor ihrem ersten Geburtstag einen Platz bekommen können. Dann wäre es für die Mütter sogar möglich, zu arbeiten und trotzdem noch zu stillen. „Gerade Selbstständige haben gar nicht unbedingt die Wahl, ob sie wieder in den Beruf einsteigen wollen“, sagt Richard. Für manche sei es finanziell einfach notwendig.

Obwohl ihr zweites Kind in acht Wochen zur Welt kommen wird, telefoniert Jessica Richard unermüdlich mit Investoren und Maklern. „Wenn man für etwas brennt, dann nimmt man auch ein wenig Stress in Kauf“, sagt sie. Richard will ihre Kinder und ihr Berufsleben nicht voneinander trennen.

Die Beiträge sollen sich nach dem Einkommen richten

Ein Büro-Platz in Richards Kita wird ungefähr 400 Euro kosten, die Beiträge für den Kita-Platz errechnen sich jeweils aus dem Einkommen der Eltern. Schon jetzt hat sie zahlreiche Anfragen, aber eine Warteliste hat sie noch nicht geschrieben. Dazu müsste sie erst die richtige Immobilie finden, die mindestens 400 Quadratmeter groß sein sollte. „Die nächste Herausforderung ist es dann, Mitarbeiter zu finden.“ Richard hofft, dass das bei ihrem Projekt nicht so schwierig wird. „Es gibt zwar zu wenig Erzieherinnen, trotzdem ist so ein neues Konzept bestimmt für viele interessant.“

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von Anna Mayr

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