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Historisches Ambiente: Der Markt auf dem Wiener Platz mit seinen alten Standln.

Entscheidung im Rathaus

Reiter spricht Machtwort: Wiener Platz darf sein Gesicht behalten

München - Die alten Markt-Standl am Wiener Platz bleiben wohl doch. OB Dieter Reiter, SPD, hat gestern erklärt, sie sanieren lassen zu wollen. Reiter schwärmt vom „einmaligen Charme“ der Hütten. Seine Kritiker fragen sich, warum die Stadt den Abriss bis zuletzt als alternativlos dargestellt hat.

Der Wiener Platz lebt vom Charme der alten Standl. Und doch gibt es auf dem Markt schon heute ein Symbol für ihren Abriss. Überquert man die Ampel über die Innere Wiener Straße, stößt man direkt auf ein Hütterl für: Bargeld. Im historischen Gwand sind tatsächlich nur Geldscheine an zwei Bankautomaten zu bekommen. Die Stadt hat, nachdem der alte Pächter ausgezogen ist, keinen Verkauf von Lebensmitteln mehr zugelassen. Eine neue Genehmigung sei nicht zu bekommen, hieß es, die anderen Standl müssten ja auch bald Neubauten weichen.

Doch jetzt ist plötzlich alles anders. Nachdem aus dem traditionellen Ganserl-Standl zwei Geldautomaten wurden und monatelange Proteste tobten, hat der Oberbürgermeister gestern ein Machtwort gesprochen. Nach einem Ortstermin ließ Dieter Reiter eine Mitteilung versenden. „Die alten Marktstände“, hieß es darin, „sollen erhalten bleiben und mit der Zielsetzung des Brandschutzes saniert werden.“ Zu diesem Ergebnis sei er gemeinsam mit Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle (parteilos) und Markthallen-Chef Boris Schwartz gekommen. „Die Verantwortlichen sind sich einig, dass eine Sanierung des Markts am Wiener Platz im Bestand möglich ist.“ Reiter schwärmte vom „einmaligen Charme der Marktstandl“. Das historisch gewachsene Ensemble am Wiener Platz könne „so bleiben, wie die Münchner es lieben und schätzen“. Reiter kündigte an, „alles zu tun, damit die alten Stände als prägender Teil Alt-Münchens bewahrt werden“.

Erstaunen über die Kehrtwende der Stadt

Abgeordnete aus dem Münchner Osten zeigten sich erfreut, aber auch erstaunt über die klare Ansage Reiters. Der Oberbürgermeister ist schließlich Chef der Verwaltung, die die Sanierungen monatelang auch öffentlich als nicht verhandelbar dargestellt hat. „Es freut mich, dass der Dieter Reiter auf meinen Kurs eingeschwenkt ist“, sagte der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Stefinger (CSU) im Gespräch mit dieser Zeitung. Stefinger setzt sich seit Monaten für den Erhalt des historischen Ensembles ein. Allein 60 Quadratmeter Fläche für Toiletten plane die Stadt, hatte er zum Beispiel früh gewarnt. „Ich bin wirklich gespannt, wie die Stadt den Schwenk von einem unausweichlichen Totalabriss zu einer Sanierung im Bestand begründen und hinbekommen will“, so Stefinger gestern.

Sein Landtags-Kollege Robert Branekämper (ebenfalls CSU) sagte, er sei „erleichtert, dass der OB die städtischen Bürokraten gestoppt hat“. Es sei ein „guter Tag für die Händler und für München“. Branekämper warnte aber davor, den Erhalt als reinen Reiter-Erfolg zu werten. „Wir hätten uns am Ende sowieso durchgesetzt“, sagte er und verwies auf den Ensembleschutz.

Am Wiener Platz gibt es wohl weiter Fisch, Blumen, Gemüse in historischen Hütterln. Und Bargeld an Automaten, die nie aufgebaut worden wären, wenn das Rathaus sich früher besonnen hätte.

Die Diskussion um den Markt im Video:

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