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In die Jahre gekommen: Das Kulturzentrum am Gasteig ist marode. 

Kulturzentrum ist zu marode

Dem Gasteig droht Totalschließung, wenn nicht schnell Ausweichquartier gefunden wird

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Wenn nicht zügig eine Lösung für ein Ausweichquartier gefunden ist, droht dem Gasteig die Totalschließung – diese alarmierende Prognose gibt das Kulturreferat ab. Das Kulturzentrum ist zu marode.

München - Der geplante Umzug des Gasteig in das Interimsquartier in Sendling soll bis spätestens Ende 2020 über die Bühne gehen. Dies geht aus der Beschlussvorlage für den Stadtrat hervor. Für die Eile werden zwei Hauptgründe aufgeführt: Die Philharmoniker bräuchten planerische Sicherheit, um den Interimsbetrieb zur Spielzeit 2020/21 starten zu können. Und: Die Lebensdauer der technischen Anlagen am Standort an der Rosenheimer Straße sei bis dahin erschöpft, sodass gar mit einer Totalschließung zu rechnen wäre.

Wie berichtet, bildet der Entwurf des Architekturbüros CBA die Grundlage für den Zuschnitt des Übergangsquartiers auf dem Stadtwerke-Gelände an der Hans-Preißinger-Straße nahe der Brudermühlbrücke. Eine Aufgabenstellung bei der Gesamtkonzeption war auch, dass die meisten der bisherigen Mieter des Areals auf dem Gelände bleiben können. Dies scheint gelungen zu sein. Architekt Clemens Bachmann, dessen Büro ebenfalls auf dem Areal beheimatet ist, schlägt bis zu sechsstöckige Modulbauten vor, in denen die Gasteig-Nutzer und ein Großteil der jetzigen Sendlinger Mieter unterkommen könnten. Im Zentrum bleibt nach wie vor die denkmalgeschützte Trafohalle und daneben ein hölzernes Gebäude, das als Konzertsaal dient. Mit diesem Konzept könnten rund 90 Prozent der Gewerbetreibenden und Künstler auf dem Gelände bleiben. Laut Verwaltung bestehen derzeit 82 Mietverhältnisse. Auch die Nutzer des Kreativquartiers HP8 begrüßen die Lösung. Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner hatte vor Weihnachten erklärt: „Aus einem vermeintlichen Gegeneinander ist ein produktives Miteinander geworden. Der Knoten ist geplatzt, wir können dem Stadtrat eine gemeinsame Lösung vorschlagen, die allen Seiten Gewinne bringt.“

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Der Stadtrat soll jetzt den Zeitplan für den Umbau des Geländes festzurren. Laut Vorlage müssen umgehend die Planungsleistungen ausgeschrieben sowie der Nutzerbedarf konkretisiert werden. Ab März soll sich die Planungsphase anschließen, um im April 2019 mit dem Umbau beginnen zu können. Ende 2020 soll der Betrieb starten – für einen Zeitraum von etwa fünf Jahren. Der Realisierungsbeschluss für die Gasteig-Sanierung ist im Juli 2019 geplant. Die etwa 450 Millionen Euro teure Generalsanierung dürfte sich bis 2025 hinziehen. Die Kosten für das Interimsquartier in Sendling betragen 90,4 Millionen Euro. Den Löwenanteil mit jeweils etwa 30 Millionen Euro verschlingen der Neubau der Philharmonie sowie zwei sechsstöckige Container-Bauwerke zur Unterbringung der Bildungseinrichtungen. Nur Teile der Stadtbibliothek und der Volkshochschule werden für die Übergangszeit von fünf Jahren woanders hinziehen.

Eine rasche Entscheidung zum Bau der Interimsphilharmonie hält das Kulturreferat für unumgänglich. Auch Valery Gergiev, Chefdirigent der Philharmoniker, hatte darauf gedrängt, dass Nägel mit Köpfen gemacht werden. Die Aufnahme des Betriebs in der Interimsspielstätte ab September 2020 sei vor dem Hintergrund der künstlerischen Vorplanungen zwingend. Die Realisierung des Bruckner-Zyklus ist mit Ende der Spielzeit 2019/20 abgeschlossen. Danach müssten neue Programme etabliert werden. Die Umsetzung dieser künstlerischen Ideen hänge entscheidend mit dem jeweiligen Spielort zusammen. Der Start zur Spielzeit 2020/21 gebe dem Orchester die notwendige Planungssicherheit. Ziel des Chefdirigenten sei es, gegenüber dem Konzertsaal des Bayerischen Rundfunks ein konkurrenzfähiges Angebot gestalten zu können.

Im Anschluss an die Interimsnutzung soll das Gelände an der Hans-Preißinger-Straße von den Stadtwerken neu entwickelt werden. Im Wesentlichen ist Wohnbau geplant.

Lesen Sie aus unserem Archiv: Weniger Barrieren im Gasteig.

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