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Mutig sagte Schüler Maximilian (13) im Prozess aus. Seine Anwältin Ruth Beer begleitete ihn.

Maximilian wehrte sich gegen den Täter

Haidhauser Amoklauf: Karate-Kid (13) verjagte den Messer-Mann

Er hätte sterben können – doch Maximilian W. (13) blieb ganz cool. Statt wegzurennen wehrte er sich gegen Amokläufer Patrick H. (34), der am 21. Oktober 2017 mit einem Messer durch Haidhausen irrte und acht Menschen angriff.

München - „Ich ging gegen zehn Uhr morgens zum Bäcker, um Semmeln zu kaufen“, schildert der Schüler den Tattag vor Gericht. „Plötzlich kam dieser Mann auf mich zugelaufen. Seine Haare waren fettig und die Kleidung abgewetzt. Er sagte: ‚Du siehst aus wie ein Hellseher.‘ Dann schlug er schon auf mich ein.“ Zwei Fausthiebe treffen den Schüler im Gesicht. „Ich war benommen“, erinnert sich Maximilian. Doch den dritten Schlag kann er abwehren. „Ich duckte mich weg und schlug dem Mann mit meinem Ellenbogen in den Bauch, um weitere Angriffe abzuwehren.“

Patrick H. (34) im Gerichtssaal. Nach dem Amoklauf in Haidhausen droht ihm die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie.

Mit Erfolg: Patrick H. ging vor Schmerzen in die Knie und ließ von dem Schüler ab. „Ich mache seit neun Jahren Karate“, erklärt Maximilian. Sein Schlag hatte gesessen – und den Messerstecher verjagt. „Er lief dann weg. Und ich konnte erst mal durchschnaufen.“

Mutiger Maximilian! Er war zum Prozess extra mit seiner Mutter aus Hamburg angereist. „Das hast du toll gemacht“, lobte auch seine Anwältin Ruth Beer, die die Nebenklage vertritt. Rund eine halbe Stunde lang sagte der Schüler gestern gegen Patrick H. aus, der sich wegen versuchten Mordes verantworten muss.

Mit einem Großaufgebot suchte die Polizei in Haidhausen nach dem Messerstecher. Bei dem Amoklauf am 21. Oktober 2017 wurden acht Menschen verletzt.

Auch etliche weitere Zeugen belasten den Amokläufer schwer. „Ich war morgens mit dem Hund in der Au unterwegs. Da kam er plötzlich auf mich zu und versuchte mir in den Bauch zu stechen“, sagt Alessandro T. (48), der sich ebenfalls wehren konnte, aber Schnittverletzung im Gesicht davontrug. So wie Christian S. (32), der mit seinem Sohn in der Gallmayerstraße einkaufen ging. „Der Täter kam mir auf dem Radl entgegen und schrie wutentbrannt: „‚Jetzt bist du dran.“ Zwei Stiche kassierte Christian S. am Ohr und der Stirn und erlitt eine Knochenabsplitterung.

Patrick H. droht nun die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie. Das Urteil fällt am 10. Oktober.

Lesen Sie auch: Karte zeigt die blutige Spur des psychisch kranken Messerstechers

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