Schlusspfiff kurz nach dem Start? Stefanie Witterauf und Dominik Sedlmayr von der Kulturmeierei bangen um die Zukunft des Projekts. foto: Kurzendörfer

Haidhauser Kulturprojekt vor dem Aus

München-Haidhausen - Das Projekt der „Kulturmeierei“ in Haidhausen steht vor dem Aus. Nach massiven Anwohnerbeschwerden prüft die Lokalbaukommission eine Nutzungsuntersagung. Die Betreiber sind konsterniert, das Kulturreferat hofft unterdessen auf eine Lösung im Sinne aller Beteiligten.

Auf dem 1200 Quadratmeter großen Areal an der Kirchenstraße in einem Haidhauser Hinterhof war bis Juni 2014 eine Autolackiererei untergebracht. Seit 1. Oktober hat die private Grundstückseigentümerin die Halle und einige kleinere Nebengebäude an die „Kulturmeierei“ vermietet. Die Agentur plant dort Ateliers, Ausstellungen, Theateraufführungen, Lesungen und womöglich Konzerte (wir berichteten). Außerdem soll die Halle für Firmenfeiern oder Events zur Verfügung gestellt werden. Einige Veranstaltungen haben bereits stattgefunden. Nach Auskunft von Thorsten Vogel, Sprecher der Lokalbaukommission (LBK), sind bei der Stadt „reihenweise Beschwerden aus der Nachbarschaft“ eingegangen. Der Betreiber sei nun darauf hingewiesen worden, dass er einen Bauantrag auf Nutzungsänderung von Gewerbe zu Kultur stellen müsse. Vogel: „Ansonsten läuft er Gefahr, dass eine Nutzungsuntersagung erfolgt.“ Die LBK vermisst ein konkretes Nutzungskonzept. Erst dann sei man in der Lage, über eine Genehmigung zu urteilen. Es gehe vor allem um die Betriebszeiten oder auch den Einbau von Toiletten.

Markus Czipzirsch, Geschäftsführer der Kulturmeierei, erklärt, der Bauantrag für das Projekt „Lackiererei“ sei in Vorbereitung. Die bisherigen Veranstaltungen habe er einzeln beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) angemeldet. „Eine übliche Vorgehensweise“, wie er findet. Vogel allerdings sagt, auch vom KVR lägen bislang keine Einzelgenehmigungen vor. Czipzirsch bestreitet dies. Eines steht für ihn allerdings fest: „Sollte die LBK die Nutzung untersagen, bis eine endgültige Genehmigung für einen Bauantrag vorliegt, wäre das Projekt tot.“ Am Montagabend dieser Woche war nach Anwohnerbeschwerden die Polizei auf dem Gelände. Derzeit ist eine Vernissage in der Halle. Laut Czipzirsch sind bei der Polizei anonyme Anrufe eingegangen, dass eine wilde „Facebook-Party“ am Laufen sei und Leute „wild in den Hof pinkelten“. Der Betreiber ist verzweifelt: „Die Vorwürfe sind gelogen.“ Außerdem gebe es von vielen anderen Anwohnern eine breite Welle der Unterstützung. In unmittelbarer Umgebung der Kulturmeierei gibt es etwa 300 Haushalte.

Auf diesen Interessenskonflikt verweist auch der städtische Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD): „Bei kulturellen Aktivitäten in einem Wohngebiet müssen die Interessen aller Parteien im Auge behalten werden.“ Es sei zu hoffen, dass auf dieser Grundlage eine Lösung gefunden werde. Max Leuprecht, Bürochef von Küppers, sagt, die ursprüngliche Idee der Kulturmeierei, Künstler-Ateliers zu schaffen, „haben wir gut gefunden“. Offenbar sei aber eine Ausweitung des Konzepts auf die Abendstunden vorgesehen. In einem Wohngebiet sei jedoch „nicht alles per se genehmigungsfähig“. Einen Nachholbedarf an Bühnen für Kleinkunst oder Konzerte sehe er in Haidhausen nicht. Die Idee von Künstler-Ateliers sei hingegen verfolgenswert: „Das sollte zum Zuge kommen.“ Klaus Vick

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