Gastronomen ärgern sich über Vorgaben

Aus fürs Public Viewing: Nockherberg-Wirte schauen trotz großer EM-Pläne in die Röhre - Wut auf Stadt München

  • Phillip Plesch
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Die Fußball-EM ist gerade erst losgegangen, da ist sie beim Paulaner am Nockherberg schon wieder beendet – die Wirte ärgern sich über die Auflagen der Stadt.

München - EM-Frust statt EM-Lust: So lässt sich das Auftaktwochenende der Fußball-Europameisterschaft* in München* zusammenfassen. Mit dem Paulaner am Nockherberg hat der erste Biergarten die Übertragung der Spiele sogar schon wieder eingestellt. Schuld daran seien, so die Wirte, die Auflagen der Stadt.

München: Statt Euphorie zum Auftakt der EM Unmut und Ärger

Euphorie, Feierlaune und Fußballfreude zum Auftakt der EM? Fehlanzeige. Stattdessen Unmut und Ärger. So hat es Christian Schottenhamel, Chef vom Paulaner am Nockherberg, am Freitag erlebt. Im Biergarten sollte das Eröffnungsspiel zwischen der Türkei und Italien auf einer großen LED-Leinwand gezeigt werden. Da im Biergarten trotz der Corona-Auflagen aber rund 1350 Menschen Platz haben, mussten alle Gäste getestet werden.

Die Leinwand bleibt schwarz: Florian Lechner (li.) und Christian Schottenhamel hatten für EM-Stimmung im Paulaner am Nockherberg 30 000 Euro in die Hand genommen. Doch die Übertragung ist nun gestoppt.

So besagt es die Allgemeinverfügung der Stadt, die am Donnerstag erlassen wurde. Ab 1000 Plätzen greift die Testpflicht*. Und die gilt auch für Gäste, die nur zum Essen kommen. „Die Leinwand sieht man sowieso nur von circa 40 Prozent der Plätze“, sagt Schottenhamel. Aber das ändert nichts. Die Biergarten-Besucher jedenfalls sind stinkig. Manche drohen, dann eben zu einem anderen Biergarten zu gehen. „Trotz eigener Teststation vor Ort ist es uns nicht möglich, all unsere Besucher in einer angemessenen Zeit testen zu lassen und zu registrieren“, so das Fazit.

Das erste Spiel flimmert noch über die Leinwand, aber schon am Samstag bleibt diese schwarz. Am Nockherberg ist die EM damit also schon vorbei. „Die Entscheidung ist endgültig“, betont Schottenhamel. Bevor die Gäste wegbleiben, laufe lieber kein Fußball.

München: Zur EM wurde am Nockherberg extra große LED-Leinwand besorgt

Eigentlich sollten hier alle Deutschland-Partien* und weitere ausgewählte Spiele der EM gezeigt werden. Schottenhamel und sein Geschäftsführer-Kollege Florian Lechner hatten dafür extra eine große LED-Leinwand besorgt. Kostenpunkt für Ausstattung und Vorbereitung: insgesamt 30.000 Euro.

Für die Entscheidungen der Stadt haben sie kein Verständnis. „Das ist extrem geschäftsschädigend“, schimpft Schottenhamel. Zudem sei München die einzige deutsche Stadt mit einer solchen Regel. Und alles andere wie Maskenpflicht, Abstand und Hygienekonzept würde in den Biergärten ja ohnehin umgesetzt.

Zumindest ein wenig Stimmung kam gestern in Ivans Restaurant (Leopoldstraße) auf, als Kroatien spielte.

Stimmung kommt am Wochenende auch andernorts kaum auf. Die zweite EM-Partie am Samstagnachmittag, Wales – Schweiz*, läuft nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und wird nur in wenigen Kneipen übertragen. Im Kilian’s Irish Pub am Frauenplatz interessiert das 1:1 aber kaum einen der Gäste. Im Augustinerkeller werden die EM-Spiele nicht im Freien, sondern nur im Festsaal gezeigt. Der hat Platz für 250 Gäste – es muss also nicht getestet werden. Andere Biergärten haben Tische abgebaut, damit es weniger als 1000 Plätze gibt. In Ivans Restaurant an der Leopoldstraße versammeln sich ein paar kroatische Fans, um beim Spiel Kroatien gegen England* mitzufiebern.

Beim Paulaner am Nockherberg sieht’s nun so aus: Wer will, kann sein Tablet mitbringen und so die Spiele verfolgen. „Ein verzweifelter Versuch, doch noch Fußball-Fans zu haben“, sagt Schottenhamel. Das kostenlose Wlan sei jedenfalls stark genug und jeder bekäme sein Passwort. Diese Fußball-EM ist eben eine besondere. *tz.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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