Das Gebäude des Unionsbräu in Haidhausen ist im Eigentum der Stadt, es hat eine lange Geschichte. Foto: Sigi Jantz
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Das Gebäude des Unionsbräu in Haidhausen ist im Eigentum der Stadt, es hat eine lange Geschichte.

"Kein Platz für Anhänger der AfD"

BA besorgt: Wird das Unionsbräu zum Treffpunkt rechter Gruppen?

München - Der Haidhauser Bezirksausschuss fürchtet, dass sich das Unionsbräu zu einem Treffpunkt für Sympathisanten der Partei oder rechter Gruppen entwickeln könnte. Der Wirt teilt mit, dass es unter dem Namen der AfD keine Veranstaltungen dort gegeben habe.

Lokalpolitiker in Haidhausen sorgen sich, dass „ausgerechnet im Unionsbräu“ an der Einsteinstraße womöglich Sympathisanten der AfD oder „andere Gruppierungen“ sich getroffen haben – und sich das wiederholen könnte. Entsprechende Hinweise hätten Bürger ihnen gegeben, berichteten die Stadtteilpolitiker bei der öffentlichen Sitzung des Bezirksausschusses (BA) am Mittwoch.

Die Stadtteilpolitiker gehen in die Offensive. In einem Dringlichkeitsantrag verwies das Gremium am Mittwoch fraktionsübergreifend auf die Historie der urigen Münchner Gaststätte: Das Haidhauser Unionsbräu wurde einst von der jüdischen Brauereifamilie Schülein gegründet, „die von den Nazis enteignet wurde und sich ins Ausland retten musste“, heißt es in dem Antrag. Gerade vor diesem Hintergrund sei es problematisch, sollten dort Räume im Eigentum der Stadt für Veranstaltungen zum Beispiel von AfD oder Alfa vergeben werden.

Vor allem die Grünen im BA legten Wert darauf, dass die AfD als Partei in dem Dringlichkeitsantrag explizit genannt wird. Grünen-BA-Mitglied und Stadträtin Lydia Dietrich sagte, es gebe Hinweise, dass das Unionsbräu „wohl ein Treffpunkt“ auch für junge Anhänger der AfD sei – man müsse nur im Internet nach entsprechenden Einträgen googeln, da werde man schnell fündig.

Bezirksausschuss ist besorgt

Die Sorge im BA ist groß. Mitglieder aller Fraktionen betonten, dass sie sich von Positionen der AfD deutlich distanzierten. Trotzdem sei die AfD „keine verbotene Partei“ gaben die CSU-Politiker Nikolaus Haeusgen und Andreas Micksch zu bedenken. Rechtlich sehen die BA-Mitglieder keine Möglichkeit, Veranstaltungen der Partei zu unterbinden – auch nicht im Unionsbräu. Und trotzdem wolle man, darüber waren sich alle einig, als Bezirksausschuss ein Zeichen auch für die Zukunft setzen.

Barbara-Sylvia Schuster von der SPD betonte, es gehe dem BA ja gar nicht um die AfD allein, sondern auch um andere „Gruppierungen“, sofern sie „den sozialen Frieden gefährden“ würden. Für etwaige Veranstaltungen dürfe an einem historischen Ort wie dem Unionsbräu kein Platz sein, sagte sie und fand dafür viel Zuspruch.

Der Beschluss des Gremiums war einstimmig: Das Kommunalreferat als Eigentümerin der städtischen Immobilie sowie die GWG als Vermieterin der Räume sollten die Möglichkeiten prüfen, inwiefern entsprechende Veranstaltungen im Unionsbräu künftig unterbunden werden könnten, so die Forderung des BA. Die Stadtteilpolitiker betonten zugleich, man suche das Gespräch mit dem Pächter des Unionsbräu – auch, um offene Fragen, die im Raum stünden, zu klären.

Unionsbräu-Wirt beteuert: Keine AfD-Veranstaltung stattgefunden

Unionsbräu-Wirt Igor Divjak betonte Donnerstag auf Anfrage, er sei „jederzeit“ bereit, mit dem BA zu sprechen. Der Wirt teilte zudem mit: „Die AfD hat unter dem Namen AfD noch keine Veranstaltung in den Räumen des Unionsbräu veranstaltet.“ Und weiter: „Es wurde im April 2016 für eine Veranstaltung der AfD angefragt. Daraufhin habe man sich „unverzüglich“ mit der GWG München in Verbindung gesetzt, um zu klären, wie mit der Situation umzugehen sei.

Gewundert hatten sich derweil Bürger über eine Ankündigung zu einem für Anfang Juni angekündigten Vortrag von Iris Wassill aus dem AfD-Kreisverband München Ost. Laut einem Plakat sollte die Veranstaltung im Unionbräu stattfinden. Dieter Rippel vom „Verein Freunde Haidhausens“, sagte, so eine Veranstaltung wäre „fehl am Platz“.

Unionsbräu von jüdischen Unternehmen gegründet

In Erinnerung an die Familie Schülein würden demnächst Gedenktafeln an der Fassade des Uniosbräu angebracht, so Rippel, um die Geschichte ins Bewusstsein zu rücken. 1885 hatte Josef Schülein eine Gaststätte namens „Fügerbräu“ an der Äußeren-Wiener-Straße 38-44 erworben, der heutigen Einsteinstraße 42. 1895 gründete er eine Brauerei unter dem Namen „Unionsbrauerei Schülein & Cie“. 1903 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Alsbald gehörten zum Unternehmen „Unionsbräu“ auch der Münchener Kindl-Keller und der Bürgerbräukeller. 1921 fusionierte die Unionsbrauerei mit Löwenbräu. Hermann Schülein, Sohn von Josef Schülein, wurde zum Vorstandsvorsitzenden der Löwenbrauerei. 1933 wurden die Schüleins als jüdische Brauereifamilie aus ihren Ämtern bei Löwenbräu gedrängt.Am 1. Januar 1935 trat Hermann Schülein als Aufsichtsratsvorsitzender zurück. Über die Schweiz emigrierte er in die USA.

Anne Hund

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