Der „Weiße Rose Zaun“ in der Orleansstraße in München rostet vor sich hin.
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Der „Weiße Rose Zaun“ in der Orleansstraße in München rostet vor sich hin.

Rostet seit Jahren vor sich hin

Weiße Rose: Zaun am Ostbahnhof mit historischer Bedeutung muss weg - nun gibt es eine Zukunft

  • Nadja Hoffmann
    vonNadja Hoffmann
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Zum Todestag der Widerstandskämpfer der Weißen Rose rückt ein alter Zaun am Ostbahnhof in den Fokus. Denn, dort entstand ein Dokument der Zeitgeschichte.

München - Geht es um Geschichte und Gedenken, ist der Mensch einfach gestrickt: Alles, was er sehen oder auch anfassen kann, lässt ihn leichter verstehen. Darum geht es auch bei dem alten Eisenzaun, der an der Orleansstraße in Haidhausen vor sich hin rostet: Er ist nicht deshalb wichtig, weil er heutzutage einen Parkplatz nahe dem Ostbahnhof begrenzt.

Der Zaun bekommt historische Bedeutung, weil an ihm vor fast acht Jahrzehnten die einzigen gemeinsamen Fotos der Widerstandsgruppe Weiße Rose entstanden sind. Die Mitglieder, die mit tausenden verteilten Flugblättern dem Terror-Regime der Nationalsozialisten die Stirn geboten hatten, sind am 23. Juli 1942 an eben diesem Zaun zusammengekommen.

Weiße Rose - Todestag der Geschwister Scholl

Hans und Sophie Scholl wurden nach einer Flugblattaktion gegen das NS-Regimes am 18. Februar 1943 verhaftet und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Am 22. Februar 1943 wurden sie in München-Stadelheim hingerichtet. Hans und Sophie Scholl waren 24 und 21 Jahre alt.

Weiße Rose - Statt Zaun in der Orleanstraße soll es einen Gedenkort geben

Nach jahrelangen Diskussionen ist inzwischen klar, dass die Eisenkonstruktion eine Zukunft haben wird. Wie berichtet, soll es an den „Orleanshöfen“, die bis 2028 in Haidhausen entstehen, einen Gedenkort geben. Außerdem wird die Idee aufgegriffen, Stelen an Häuser weiterzugeben, die die Namen der Widerstandskämpfer tragen.

„Bei uns haben sich schon 20 Schulen und Institutionen gemeldet, die gerne ein Stück des Zauns hätten“, sagt Hildegard Kronawitter. Die Vorsitzende der Weiße-Rose-Stiftung freut sich über die Nachfragen, die sie aus ganz Deutschland erreichen. Zu den Interessenten gehören zum Beispiel die Akademie der Wissenschaft in Mainz, eine Berufsfachschule in Bremerhaven, eine Zukunfts-Werkstatt in Berlin-Pankow sowie Gymnasien in Schleswig-Holstein und der Eifel. Die Mittelschule in Murnau, wo der Widerstandskämpfer Christoph Probst geboren* worden ist, bekundet ebenfalls Interesse. Bis die neuen Gedenkorte allerdings geschaffen werden können, gilt es laut Kronawitter noch einiges zu klären.

Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der Weiße-Rose-Stiftung, an dem Zaun am Ostbahnhof.

Gerade erst hat der Planungsausschuss des Stadtrats dem Projekt „Orleanshöfe“ grünes Licht gegeben – verbunden mit der Entscheidung für einen Gedenkort an der Orleansstraße. Mit der Umsetzung wird wahrscheinlich das Kulturreferat der Stadt beauftragt. Besitzer des Zauns ist der Bauinvestor, der Zustimmung für die Weiterverwendung signalisiert haben soll.

Zaun mit historischer Bedeutung: Im Sommer 1942 entstanden die einzigen Fotos der Mitglieder der Weißen Rose, die mit Flugblättern gegen den Terror des Nazi-Regimes gekämpft haben.

Weiße Rose: 23. Juli 1942 entstand an diesem Zaun ein Dokumente der Zeitgeschichte

Früher gehörte das Gelände der Deutschen Bahn. Und auch im Juli 1942, als sich die Mitglieder der Weißen Rose dort trafen, verliefen hier noch die Gleise zum Ostbahnhof. Die Geschwister Scholl hatten sich an dem Sommertag mit ihren Kommilitonen getroffen. Manche der Medizinstudenten brachen zum Sanitätsdienst an der Ostfront auf. Weil andere Züge Vorrang hatten, blieb der Gruppe Zeit – unter anderem für Abschiedsfotos. Jürgen Wittenstein drückte damals auf den Auslöser und schuf so – ohne es zu erahnen – Dokumente der Zeitgeschichte. 

Weiße-Rose-Gedenkkonzert

Genau 78 Jahre ist es am Montag (22. Februar) her, dass Hans und Sophie Scholl zusammen mit Christoph Probst in München-Stadelheim geköpft wurden. Ihr Vernehmungsprotokoll beweist Mut, wie Merkur.de*. Zum Todestag der Widerstandskämpfer findet am heutigen Montag um 18 Uhr ein Orgelkonzert statt. Zu sehen ist es auf dem Youtube-Kanal der Stiftung:

*Merkur.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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