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Ein „Ghost Bike“ (deutsch: Geisterrad) steht an der Unfallstelle in der Au. Hier wurde die Münchner Schauspielerin tödlich verletzt. 

Schauspielerin starb

Nach tödlichem Rad-Unfall: Jetzt spricht die Polizei die Münchner direkt an

Nach dem Unfall in der Au, bei dem eine Münchner Schauspielerin ums Leben kam, erntet die Polizei am Montag viel Zuspruch für ihre Aufklärungsaktion. 

München - Die Blumen an dem weißen Fahrrad sind noch frisch. Vergangenen Mittwoch geschah hier an der Regerstraße, Ecke Welfenstraße, der Fahrradunfall bei dem die Münchner Schauspielerin Silvia Andersen ums Leben kam. Ein Lkw-Fahrer hatte die 51-jährige Radlerin beim Abbiegen übersehen und tödlich verletzt. Die Polizei nimmt solch tragische Unfälle zum Anlass, um vor Ort über die Gefahren im Straßenverkehr aufzuklären. Verkehrsbeamte informierten am Montag Passanten und Fahrradfahrer – und ernteten viel Zuspruch.

Das weiße Fahrrad. Noch nicht jeder kann mit den sogenannten „Ghost Bikes“ etwas anfangen. Der ADFC hat die Idee aus den USA übernommen und stellt sie an Orten mit tödlichen Unfällen auf. Sie sind Denkmal und Mahnmal zugleich, denn sie sollen an die Verunglückten erinnern und zu mehr Vorsicht mahnen.

„Fahrradfahrer sind die gefährdetste Gruppe im Straßenverkehr“

Günther Drißenböck hört sich die Tipps des Beamten Thomas Zerak genau an.

Polizeimeister Kai Radusch und seine Kollegen erklären zwei Stunden lang Passanten, was passiert ist und verteilen Flyer mit Sicherheitstipps: Kontrollblicke beim Überqueren von Kreuzungen, Bedenken des toten Winkels, eigene Vorsicht und das Tragen von Fahrradhelmen. Es gibt vieles, was man als Radlfahrer für seine Sicherheit tun kann. „Nach so schwerwiegenden Unfällen kommen wir an den Ort, um Menschen aktiv anzusprechen“, sagt Radusch. „Wir hoffen, dass unsere Ratschläge dazu beitragen, solche Unfälle zu verhindern.“

Manche Passanten kommen am Montag spontan mit den Beamten ins Gespräch, einige kommen auch extra an die Regerstraße in der Au. So wie Volker Evertz: „Ich bin heute bewusst hier. Mit meinem Fahrrad bin ich ständig unterwegs, daher bin ich sehr an den Ratschlägen der Polizei interessiert, die mir helfen, Gefahrenquellen zu erkennen und zu vermeiden“, sagt der 60-Jährige. „Fahrradfahrer sind die gefährdetste Gruppe im Straßenverkehr. Ich werde die Informationen an meine Freunde und Familie weitergeben.“ Sein Vorsatz sei, sein Fahrverhalten anzupassen. „Ich hoffe, das gelingt mir auch im Alltag.“

„Solche Aktionen der Polizei müssen sein“

Camilla (li.) hat erstmals ein Ghost Bike gesehen.

Günther Drißenböck kommt eher zufällig mit einem Beamten ins Gespräch. Er ist selber mit dem Fahrrad unterwegs. „Diese Strecke ist mein Heimweg, ich kenne sie sehr gut“, sagt der 72-Jährige. „Ein solcher Vorfall bleibt mir im Gedächtnis und mahnt mich zur Vorsicht. Ich finde es gut, dass die Polizei aufklärt. Hoffentlich hilft es dabei, dass so etwas Schreckliches weniger passiert.“

Walter und Margarethe Sindlinger, beide 69 Jahre alt, sagen: „Solche Aktionen der Polizei müssen sein. Ich bin eine sehr vorsichtige Fahrerin, das war bisher oft mein Glück. Jedes Jahr fahren wir mit unserer Gruppe eine München-Tour. Wir nehmen bewusst Nebenwege mit wenig Ampeln und gemäßigtem Verkehr. Dass die Polizei an Unglücksstellen Präsenz zeigt und den Bürgern Ratschläge gibt finde ich sehr gut.“ 

Andrea Mießbach (50) hat aus der Zeitung von der Aktion erfahren und ist mit Tochter Camilla (11) gekommen. „Meine Tochter hat noch nie ein weißes Gedenk-Fahrrad gesehen, das wollten wir ihr zeigen. Wir fahren diese Strecke hier oft selbst mit dem Rad, und dieser Unfall hat uns sehr erschüttert. Auf dem Weg hierher hatten wir selbst eine gefährliche Situation mit einem Lkw. Es ist wichtig, dass die Polizei diese Aufklärungsarbeit unternimmt. Ich würde mir diese Aufklärung auch für Lkw-Fahrer wünschen.“ 

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Meine Au“.

Sara della Malva

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