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Neue Wohnquartiere in der Au

Paulaner-Gelände: Stadt verzichtet auf mehr Sozialwohnungen

München - Günstiger Wohnraum ist ein seltenes Gut in München. Umso pikanter ist, dass die Stadt bei der Bebauung des Paulaner-Geländes darauf verzichtet hat, Flächen für Sozialwohnungen anzukaufen. 

Politiker aller Couleur sind sich darüber einig, den Wohnungsbau anzukurbeln. Umso pikanter ist, dass die Stadt bei der Bebauung des Paulaner-Geländes darauf verzichtet hat, Flächen für Sozialwohnungen anzukaufen. Mit dem Grundstückseigentümer, der Bayerischen Hausbau, wurde man sich nicht einig über die Preisvorstellungen. Bei der Bürgerversammlung Haidhausen am Donnerstag, 25.2. um 19 Uhr, im Hofbräukeller soll das Thema zur Sprache kommen.

Schon lange steht es fest: Mit der Entscheidung der Paulaner Brauerei, ihre Produktion und ihre Logistik nach Langwied zu verlagern, wird ein großes Areal für ein neues innerstädtisches Quartier frei: Auf etwa 90.000 Quadratmetern entstehen rund 1400 Wohnungen für 3000 bis 3500 Menschen – in attraktiver Lage. Die Gebäude werden vier- bis achtgeschossig sein. Überdies wird am Stammsitz in der Au an der Falkenstraße gerade das künftige Verwaltungsgebäude von Paulaner errichtet. Es soll Ende 2016 den Betrieb aufnehmen.

Ab Sommer 2016 starten die Bauarbeiten an der Welfenstraße

Beim Wohnungsbau dauert es noch länger. Losgehen wird es an der Welfenstraße. Am ehemaligen Betriebsgelände stapelten sich jahrzehntelang die Bierträger. Ab Sommer 2016 sollen die „Erdarbeiten“ an der Welfenstraße starten, 2017 der Bau beginnen. Die ersten Bewohner werden voraussichtlich ab 2019 die Gebäude in der Welfen- und in der Falkenstraße beziehen können, heißt es von der Bayerischen Hausbau. Neben den neuen Wohnungen soll an der Falkenstraße ein großer Supermarkt mit einer Fläche von 2000 Quadratmetern entstehen.

Im Gebiet an der Regerstraße, wo die meisten Wohnungen entstehen, geht’s ein wenig später los: Mit dem Abbruch der Gebäude kann 2017, mit dem Bau 2018 begonnen werden. Die Rede ist von mehreren Bauabschnitten. Ein Teil der Gebäude auf der Regerstraße soll schon 2020 fertig sein, der Rest bis zum Jahr 2023. Im gesamten Baugebiet werden vier Kindergärten und eine Grundschule, aber kein Jugendzentrum errichtet. Von Bürgern und den Kommunalpolitikern des Bezirksausschusses wurde dies immer wieder kritisiert. Das Sozialreferat vertritt die Auffassung, ein Jugendtreff sei nicht notwendig.

Irritationen gibt es nun auch über den Anteil der Sozialwohnungen. Der hätte offenbar wesentlich höher ausfallen können als vorgesehen. Nach dem Prinzip der „sozialgerechten Bodennutzung“ müssen bei Bauprojekten 30 Prozent öffentlich geförderte Wohnungen plus ein Beitrag zur sozialen Infrastruktur geleistet werden. Diese Quote wird die Bayerische Hausbau erfüllen.

Stadt bekam Grundstück für Sozialwohnungen angeboten und lehnte ab

Darüber hinaus hatte das Immobilienunternehmen der Stadt ein Grundstück zur freien Verfügung auf den bisherigen Logistikflächen an der Regerstraße angeboten. 160 dauerhaft sozial gebundene Wohnungen hätten dort entstehen können, heißt es. 

Die Bayerische Hausbau sagt, sie habe der Stadt das Areal zu „marktüblichen Konditionen“ angeboten. Aus Sicht der Stadt wäre das Geschäft aber zu teuer geworden. OB Dieter Reiter wirbt um Verständnis dafür, „dass geförderter Wohnungsbau nicht um jeden Preis realisiert werden kann“. Man habe schweren Herzens von dem Projekt Abstand genommen. Es sei eine Abwägungssache gewesen. An anderer Stelle könne vielleicht effektiver etwas für den sozialen Wohnungsbau getan werden.

Ingo Trömer, Sprecher des Planungsreferats, erklärt, die Stadt habe immer Interesse daran, die Quote geförderter Wohnungen in einem Baugebiet zu erhöhen. „Wir haben es auch in diesem Fall versucht. Aber das Geschäft ist nicht zustandegekommen.“ Der Stadtrat sei darüber informiert.

Die Bemühungen der Stadt sind auch in Zusammenhang mit der Wohungsbauoffensive „Wohnen in München V“ zu sehen. Hintergrund der Stadtratsinitiative ist das Ziel, die „Münchner Mischung – das heißt ein breites Spektrum unterschiedlicher Einkommensgruppen und entsprechender Wohnungsangebote – in allen Neubaugebieten zu erhalten.

Angesichts der Flächenknappheit in der Landeshauptstadt sollen demzufolge pro Jahr Grundstücke für insgesamt 150 geförderte Wohnungen angekauft werden, auch um deutliche Verbesserungen für Genossenschaften und Baugemeinschaften zu ermöglichen. Auf dem Paulaner-Gelände hätte dieses Modell realisiert werden können – sofern die Einigung mit der Bayerischen Hausbau zustande gekommen wäre. 

Bilder: Abschied von der Au - Paulaner zieht nach Langwied

Einblicke in die neue Brauerei von Paulaner in Langwied

Hier wird die alte Paulaner-Brauerei abgerissen

Klaus Vick

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