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Yashar Ismets Habseligkeit sind verbrannt. Er deutet auf die verkohlten Reste (r).

Das Lager wurde völlig zerstört

Brandanschlag an Reichenbachbrücke: Obdachlose verlieren alles - VolxKüche sammelt Sachspenden

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Der Schlafplatz mehrerer Obdachlose unter der Reichenbachbrücke ist am Donnerstag in Brand geraten. Nun sucht die Polizei nach Zeugen - hat aber auch ganz neue Erkenntnisse.

Update, 6. April: Wie die Polizei am Freitagabend bekannt gibt, wurde der Brand an der Reichenbachbrücke wohl durch ganz andere Umstände ausgelöst.

München - Als ich heute Morgen hier hergekommen bin, war alles weg, mein gesamter Besitz“, seufzt Yashar Ismet und deutet auf die verkohlten Überreste seines Schlafplatzes unter der Reichenbachbrücke. Zwei unbekannte Täter haben in der Nacht auf Donnerstag vermutlich das Lager einer Gruppe Obdachloser angezündet – die Polizei geht von Brandstiftung aus. Die Mordkommission ist informiert, weil Menschenleben in Gefahr waren.

Mehrere Obdachlose haben ihr Lager unter der Reichenbachbrücke aufgeschlagen. 

Yashar (47) stammt aus Bulgarien. Seit 16 Jahren lebt er in München, seit sieben Jahre schläft er unter der Reichenbachbrücke in der Au. In der Nacht des Anschlags war er zu seinem Glück aber nicht da. „Ich war krank“, erzählt er, „deshalb habe ich im Warmen in der Bayernkaserne übernachtet.“ Umso verdutzter war er, als er am Donnerstagmorgen vor den verbrannten Resten seiner Habseligkeiten stand. „Meine Matratze, meine Klamotten, der Rucksack und die Papiere, die ich für den Arzt brauche“, zählt Yashar auf. „Alles weg! Was soll ich denn nun machen, wo schlafen? Und vor allem: Worauf?“

Kripo am Beginn der Ermittlungen

Auch fünf andere Osteuropäer haben durch die Flammen alles verloren. Ein Rumäne sagt zur tz: „Diejenigen, die das zu verantworten haben, gehören ins Gefängnis!“ Doch die Kripo steht noch am Anfang ihrer Arbeit. Gegen ein Uhr in der Nacht ging bei den Behörden der Notruf ein. Ein Zeuge entdeckte das Feuer. Er gab an, er habe zwei Gestalten unter der Brücke beobachtet. Eine Person hatte angeblich einen brennenden Gegenstand in der Hand, kurz danach brannte es lichterloh unter der Brücke. 

Ein anderer Beteiligter soll die Flammen mit Unrat weiter angefacht haben. Kurz danach soll es zwei Mal heftig gekracht haben, erzählte der Zeuge. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand, vier Bulgaren im Alter zwischen 24 und 53 Jahren konnten sich rechtzeitig vor dem Feuer retten. 

Wer hat die Zündler gesehen? Polizei bittet um Hinweise

Ob die Obdachlosen geschlafen haben, während ihr Lager angezündet wurde, konnte die Polizei nicht bestätigen. Nach tz-Informationen sprechen die Spuren jedoch eindeutig für vorsätzliche Brandstiftung.

Am Morgen untersuchten Brandfahnder den Tatort.

Wegen der extremen Hitze ist stellenweise Beton von den Brückenpfeilern abgeplatzt. Bauingenieure überprüften die Statik auf eventuelle Mängel, doch die Tragfähigkeit wurde durch das Feuer zum Glück nicht beeinträchtigt. Nach Schätzungen beträgt der Schaden etwa 25 000 Euro.

Die Gewalt gegen Obdachlose macht fassungslos. In Koblenz ist ein Mann vor wenigen Tagen enthauptet worden.

Wer hat die Zündler gesehen? Die Brandfahnder der Polizei bitten um Zeugenhinweise unter der Telefonnummer 089/29 100.

Indem Sie den Zeugenaufruf auf Facebook verbreiten, erhöhen sich die Chancen, die Täter zu finden. 

Die VolxKüche München (Georgenschwaigstraße 26, München) sammelt Sachspenden für die Obachlosen, die alles verloren haben. Verbreiten Sie den Hinweis auf Facebook:

Die wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Meine Au“.

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