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Die Kontrolleure zerrten den Mann ohne Ticket aus der S8 - die Bilder sind auf einem Handyvideo und auf Überwachungskameras. 

Brutal aus Zug gezerrt

Kontrolle eskaliert: Kameras zeigen, was in der S8 zuvor passierte

Ende Juni wurde ein Nigerianer aus der Münchner S-Bahn gezerrt, weil er kein Ticket hatte. Viele fragten sich: Musste diese Brutalität sein? Die Video-Auswertung brachte eine erste Antwort.

München - Die Bilder dürften vielen noch im Kopf sein: Ein dunkelhäutiger Mann wird von zwei Sicherheitsmitarbeitern der Deutschen Bahn in grellen Neonwesten am Leuchtenbergring in München aus einer S8 gezerrt. Der nigerianische Fahrgast konnte kein Ticket vorweisen, die Kontrolleure schienen kurzen und offenbar recht brutalen Prozess zu machen. Eine Augenzeugin filmte das harsche Vorgehen gegen den Schwarzfahrer und das Video verbreitete sich rasch in den sozialen Netzwerken. Kritik und Empörung folgte prompt. 

Offen blieb allerdings bisher die Frage: Was war vor der eskalierten Kontrolle passiert? War der Mann handgreiflich geworden, handelten die Sicherheitsmitarbeiter defensiv oder eben übertrieben?

Auf dem Bahnsteig drücken ihn die Mitarbeiter auf den Boden.

Erste Antworten brachte nun die Auswertung der Überwachungsvideos aus der S-Bahn. Wie Petra Wiedmann, Sprecherin der Bundespolizei München, gegenüber Focus Online bestätigte, war auf keinem der Videos zu sehen, dass der Nigerianer Gewalt gegen die Männer in den Neonwesten anwendete. Die Kontrolleure selbst schweigen zu dem Vorfall. Gegen sie wird ermittelt wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung. Die Sache geht nun an die Staatsanwaltschaft.

Laut Pressestelle der Bahn dürfen die Kontrolleure von Schwarzfahrern umgehend die 60 Euro Strafe kassieren. Sie können aber auch einen „Strafzettel“ mit der Zahlungsaufforderung übergeben. Immer wird der Schwarzfahrer seinen Personalausweis vorweisen müssen, da seine Personalien aufgenommen werden. 

Wenn jemand sich nicht ausweisen könne und fliehen will, dürfen die Sicherheitsleute auch Zwang anwenden, heißt es. An einer Haltestelle werde er dann der Polizei übergeben.

kg

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