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Die Kehrseite des Spektakels: Ein Gast liegt betrunken auf der Bank.

Drunt in der blauen Au

Starkbier-Wahnsinn: Mehr Gäste und Gaudi – Anwohner genervt

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    Vanessa Fonth
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München - Party, Tracht und viel Promille: Der Starkbier-Wahnsinn in München neigt sich langsam aber sich dem Ende zu. Ein Zwischenfazit aus vier verschiedenen Perspektiven.

Endspurt bei der Starkbierzeit in München. Auf dem Nockherberg bricht die letzte Woche an. Bei Löwenbräu und Augustiner ist jetzt Halbzeit. Wer noch ein Mal mit einem würzigen Salvator, Triumphator oder Maximator in der Hand in zünftiger Tracht auf dem Tisch tanzen will, muss sich ranhalten.

Denn der Starkbier-Wahnsinn hat die Landeshauptstadt fest im Griff, und freie Plätze auf der Bierbank sind heiß begehrt. In diesem Jahr wurde so viel reserviert wie nie zuvor. Das freut die Wirte der großen Feste, Paulaner, Löwenbräu und Augustiner – die Anwohner sind vom Feiervolk inTracht, das zu tief in den Maßkrug geschaut hat, eher wenig begeistert. „Viele Gäste unterschätzen die Wirkung des Starkbiers“, sagt Kerstin Jungblut, Sprecherin des Löwenbräukellers.

Allnächtliche Szenen: Betrunkene überqueren die Trambahngleise am Nockherberg

 Die stolpern dann nach Schankschluss kreuz und quer über ihre eigenen Füße – auch über Straßen und Trambahngleise. Ein Problem für Tram- und Autofahrer, die derzeit besonders aufmerksam sein sollten. Manch Starkbierfan feiert, bis der Arzt kommt: Die Rettungskräfte haben alle Hände voll zu tun, die allzu Trinkfreudigen medizinisch zu versorgen.

Um 23 Uhr ist bei den meisten Starkbierfesten Schluss – so auch am Nockherberg. Diejenigen, die noch weiterfeiern wollen, treibt es den Berg hinunter. Der Wirt vom Carlitos in der Ohlmüllerstraße hat nun die Schnauze voll und während der Starkbierzeit zugesperrt. Der Ausnahmezustand in München aus vier Perspektiven:

Das sagt ein Anwohner

Anwohner Thomas Kochems

„Am Wochenende ist der Lärm schon heftig“, sagt der Arzt Thomas Kochems (52), der in der Ruhestraße direkt neben dem Paulaner am Nockherberg wohnt. „Ich finde es nicht so toll, wenn die unter dem Fenster stehen und herumgröhlen. Ich wohne seit fünf Jahren hier, jedes Jahr ist es das Gleiche.“

Das sagen die Wirte

Peter Pongratz, Wirt vom Paulaner am Nockherberg sagt: „Wir haben 20 Prozent mehr Gäste als in den Vorjahren. Heuer sind wir sogar an einem ganz normalen Mittwoch ausreserviert und die Bude ist komplett voll.“ Er hat diesmal wegen der enormen Nachfrage sogar extra eine Woche verlängert – bis zum 2. April!

Nockherberg-Wirt Peter Pongratz mit Ehefrau Arabella.

„In den letzten Jahren wurde der Andrang immer größer.“, sagt Kerstin Jungblut, Sprecherin des Löwenbräukellers. Hier gibt’s noch bis zum 8. April Starkbier. „Die ersten Gäste reservieren nach einem Starkbierfest gleich fürs nächste – ähnlich wie bei der Wiesn.“

Gaudi auf den Bänken und in den Gängen: Am Nockherberg geht’s rund

„Wir waren noch nie so früh ausreserviert wie heuer“, berichtet auch Augustinerkeller-Wirt Christian Vogler. Seit Weihnachten seien fast alle Karten weg. „Mittlerweile sind wir bis zum Ende am 8. April ausreserviert. Offenbar sind Tradition und Tracht einfach weiterhin immer beliebter.“

Die Wirte sind sich einig: Gerade bei den jungen Münchner gehören Party in Dirndl und Lederhose mittlerweile dazu. Peter Pongratz vom Nockherberg sagt: „Das Starkbierfest ist einfach die Wiesn vor der Wiesn. Bei uns spielt ja auch die Wiesn-Kapelle. Das ist Party und Halligalli pur!“

Das sagt die Polizei

Blaulicht-Alarm vorm Starkbiertempel: „Während dem Politikerderblecken waren rund 50 Beamte im Einsatz. Jetzt ist täglich eine Streife mit zwei Polizisten vor dem Eingang zum Nockherberg abgestellt“, berichtet Carsten Neubert, Sprecher der Polizei München. 

Früher sei während der Starkbierzeit aber noch mehr los gewesen, so Neubert, „Betrunkene am Steuer und Schlägereien waren an der Tagesordnung“. Heuer sei es bisher zu kleineren Streitereien gekommen, „zum Beispiel einmal an der Garderobe, wo die Kollegen schlichten mussten“.

Das sagt der Wirt der Carlitos Minibar

17 Jahre hat sich Caius Prien (42) von der Carlitos Minibar den Wahnsinn unterhalb des Nockherbergesangeschaut. „Heuer tue ich mir das nicht mehr an.“ Er hat sein kleines Lokal dicht gemacht, für die gesamte Starkbierzeit. „Wenn im prall gefüllten Laden nur ein Einziger Ärger macht, andere provoziert oder beleidigt, wird’s brenzlig. Wir mussten oft dazwischen gehen.“ 

Drei Jahre lang hat es Caius Prien mit einem Türsteher versucht, aber auch das hat nicht allzu viel gebracht. „Deshalb hab ich mir vergangenes Jahr geschworen: Das mach ich nicht mehr mit.“ Den Verdienstausfall nimmt Prien in Kauf, um seine Nerven zu schonen. „Und ich kann während der drei Wochen endlich mal drinnen renovieren, also hat es auch einen positiven Nebeneffekt.“

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