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Der Standort in der Hochstraße: Hier soll das Museum gebaut werden.

Eröffnung 2018

Sudetendeutsches Museum: Bald wird gebaut

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München -  Die Geschichte von Bayerns Viertem Stamm, gebündelt auf einem Raum – das soll das Sudetendeutsche Museum bieten. Doch immer wieder geriet das Vorhaben ins Stocken. Jetzt endlich läuft alles nach Plan: Im Herbst soll Spatenstich gefeiert werden, 2018 könnte der Neubau am Gasteig eröffnen.

Wäre alles so gekommen wie gehofft, das Sudetendeustche Museum wäre längst eröffnet. 2015, so war der Plan, sollte der Neubau an der Hochstraße in Haidhausen in Betrieb gehen. Den 34-Meter-Turm neben dem Sudetendeutschen Haus verhinderte indes die Lokalbaukommisson. Inzwischen ist alles eine Nummer kleiner: Die Rede ist von einem markanten, 19 Meter hohen Neubau an der Isarhangkante. Selbst der kritische örtliche Bezirksausschuss hat keine Einwände mehr, die Gelder aus der großen Politik sind ohnehin zugesagt. Der neue Vorsitzende der Sudetendeutschen Stiftung, Ortfried Kotzian, ist überzeugt: 2018 wird Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) das Haus eröffnen können. 

Das heutige Sudetendeutsche Haus an der Hochstraße atmet den Geist der 70er-Jahre. Dunkelbraune Türen, viel Teppichboden, in die Jahre gekommene Schreibtische. Doch besucht man Ortfried Kotzian in diesen Tagen in seinem Büro, ist Aufbruchstimmung zu spüren. Hier entsteht etwas Neues: das zentrale Museum für die Sudetendeutschen, das gleich nebenan gebaut werden soll. Schon im September soll Spatenstich gefeiert werden. Der Freistaat tritt als Bauherr auf, bezahlt 20 Millionen Euro. Auch der Bund beteiligt sich. „Mir geht es darum, die kulturelle Leistung der Sudetendeutschen in Böhmen, Schlesien und Mähren zu zeigen – und das über 1000 Jahre hinweg“, sagt der 67-jährige Kotzian. Bis ins 19. Jahrhundert habe man doch kaum einen Unterschied der Bewohner feststellen können – ob sie nun mit tschechischer oder deutscher Zunge sprachen. Natürlich wird im Museum die Vertreibung behandelt – aber auch die Zeit davor. Und: das schwierige Ankommen in Bayern nach der Flucht. „Es geht um die Anerkennung der Unschuld“, so sagt es Kotzian. „Aber eben auch um die Entwurzelung und das Wiederfinden der Identität.“ 

Auf fünf Ebenen soll in dem Neubau die Ausstellung zu sehen sein. 1200 Quadtratmeter Ausstellungsfläche werden dort entstehen, wo heute der Flachbau der „Wallenstein-Stuben“ steht – und im Innenhof des Sudetendeutschen Hauses. Schon seit fast 15 Jahren werden für die Ausstellung Bestände gesammelt. Häufig sind das eher kleine Exponate wie Geschirr, Dinge eben, die auf der Flucht mitgenommen werden konnten. Für die Ausstellung wurde aber auch Besonderes angekauft – ein extra-langes Motorrad aus Böhmen etwa, mit dem auch Technik-Fans gelockt werden sollen. Ohnehin geht es Kotzian darum, jungen Menschen zu erklären, wie vielfältig die Geschichte der Sudetendeutschen ist. Ferdinand Porsche sei aus der Volksgruppe gekommen, betont er, Franz Schubert, Rainer Maria Rilke. Wer das heute noch weiß? Vermutlich nicht viele. Das Museum soll das wieder ändern – und es richtet sich auch an die ganz Kleinen. Die Gründungsbeauftragte Elisabeth Fendl hat einmal erzählt, wie es klingen könnte, wenn Kinder in der Ausstellung auf ihren Kopfhörern die berühmte Figur aus Otfried Preußlers Büchern hören. „Ich bin nicht aus Böhmen“, könnte da der Räuber Hotzenplotz mit seiner tiefen Stimme sagen. „Aber mein Vater ist es. Deshalb heiße ich Hotzenplotz.“ Auch an Besucher aus dem Ausland will man sich wenden. Schautafeln in der Ausstellung wird es auf Deutsch und Englisch geben – und, auch das, auf Tschechisch. 

Die Staatsregierung hat man mit diesem Konzept schon lange überzeugt. Ministerpräsident Seehofer gilt als Unterstützer. Heimatminister Markus Söder und Sozialministerin Emilia Müller erteilten kürzlich offiziell den Bauauftrag. „Als Vierter Stamm Bayern prägen die Sudetendeutschen und ihre Nachkommen – neben den Franken, Schwaben und Altbayern – das Gesicht des Freistaats“, erklärten die Minister. „Die Sudetendeutschen sind Brückenbauer nach Tschechien und Mitgestalter eines Europas in Frieden und Freiheit.“ Diese Botschaft wird zwar heute noch nicht von der Hochstraße in die Welt getragen. Aber 2018 wird es endgültig so weit sein.

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