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Polizist Frank W. vor Gericht. Links: Prügelopfer Teresa Z. nach der Tat in der Klinik.

Teresa Z. mit Faustschlag verletzt

Prügel-Polizist von der Au ist wieder im Dienst

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München - Vor mehr als einem Jahr hatte ein Polizist Teresa Z. Nasenbein und Augenhöhle gebrochen. Jetzt soll der suspendierte Beamte in den Dienst zurückkehren. Allerdings auf einem Posten ohne Bürgerkontakt – und degradiert.

Es war im Januar 2013, als Teresa Z. gefesselt in einer Zelle der Polizeiwache in der Au lag – und der Beamte Frank W. der jungen Frau einen Faustschlag ins Gesicht versetzte. Sieben Monate später wurde der Polizist dafür zu zehn Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Nach Abschluss des Strafverfahrens hat das Polizeipräsidium das Disziplinarverfahren wiederaufgenommen – und jetzt entschieden, beim Verwaltungsgericht die Degradierung des 34-jährigen Polizeihauptmeisters zu beantragen.

Das bedeutet weniger Gehalt – und zwar für mindestens fünf Jahre. Denn so lange darf Frank W. nicht befördert werden. Der Beamte, der seit mehr als 15 Monaten suspendiert ist, soll in den Innendienst versetzt werden, wo er keinen Bürgerkontakt hat. „Das Vertrauensverhältnis ist stark beeinträchtigt“, erklärt Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Warum der PrügelPolizist nicht entlassen wird? „Nach Abwägen aller be- und entlastenden Aspekte sowie des Gerichtsurteils haben wir uns so entschieden“, sagt Wenger.

Teresa Z.’s Anwalt Franz Erlmeier dagegen findet, der Faustschlag des Beamten hätte zu seiner Entlassung führen müssen: „Er hat rechtswidrig gehandelt. So jemand hat bei der Polizei nichts zu suchen.“ Erlmeier zufolge besteht bei dem Polizisten zudem Wiederholungsgefahr: „Er war ja bis zuletzt uneinsichtig“, sagt der Anwalt. Tatsächlich hatte Frank W. Berufung gegen seine Verurteilung im Jahr 2013 eingelegt und weiter behauptet, aus Notwehr gehandelt zu haben. Das Landgericht hatte die Berufung in zweiter Instanz im März 2014 abgelehnt. Die Richter sahen keine Anzeichen für eine Notwehrsituation.

Allerdings kann Erlmeier keinen Einfluss auf das diszplinarrechtliche Verfahren nehmen. Es ist eine interne Angelegenheit der Polizei.

Nach Angaben von Wolfgang Wenger wurde am gestrigen Mittwoch ein Teil des Schmerzensgeldes, das Erlmeier für seine Mandantin fordert, zur Auszahlung angewiesen. Erlmeier bestätigt, gestern von einer Sachbearbeiterin angerufen worden zu sein. Diese habe einen Brief angekündigt, den er aber noch nicht erhalten habe. „Mir wurde angedeutet, dass weniger als die Hälfte des geforderten Schmerzensgeldes ausgezahlt werden soll.“ Erlmeier fordert 17 500 Euro für Teresa Z., die heute noch an den Folgen der Brüche im Gesicht leidet. Unter anderem ist die Hornhaut ihres rechten Auges noch immer verletzt.

Ob Erlmeier und seine Mandantin Teresa Z. mit der von der Polizei ausbezahlten Summe einverstanden sind, ist noch unklar: „Ich muss die Argumente der Polizei prüfen.“ Derzeit gehe er aber davon aus, dass 17 500 Euro angemessen seien.

Wie berichtet war Teresa Z. im Januar 2013 mit ihrem Freund in Streit geraten. Die 23-Jährige rief die Polizei und wurde samt Freund im Streifenwagen auf die Wache in der Au gebracht. Dort eskalierte die Situation. Schließlich landete sie gefesselt in einer Zelle. Sie wehrte sich – und der Polizist schlug zu.

Bettina Stuhlweissenburg

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