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Monster-Halle für Schrott-Riesen

München - Die Unternehmen Thyssen Dück und Cronimet Alfa planen in Aubing einen außergewöhnlichen Neubau - die Bürger fürchten Lärm und Schmutz.

Wie gigantische Kunstwerke glänzen sie in der Sonne: zwei riesige Schrotthügel vor dem Bürogebäude von Münchens größtem Recycler. Künftig sollen die Blechberge in einer Halle verschwinden, wenn es nach den Plänen von Thyssen Dück und Cronimet Alfa geht. Die Unternehmen, die zur bayerischen Alfa-Gruppe gehören und rund 55 Mitarbeiter beschäftigen, möchten damit ihren Standort modernisieren und sichern.

Leicht wie eine Feder scheint das Autowrack zu sein, das der 67-jährige Carlo mit seinem Greifkran aufnimmt und auf einen Blechhaufen wuchtet. Das macht dann doch ganz schönen Krach. Die besonders lauten Arbeiten sollen künftig in einer großen Halle stattfinden, die der Aubinger Schrottbetrieb auf einer Fläche von rund 16 000 Quadratmetern parallel zum Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn an der Rupert-Bodner-Straße bauen will. Es ist das jüngste Vorhaben und eines, das im Stadtteil für viel Protest sorgt. Viele Bürger fürchten dadurch noch mehr Schrott, mehr Lärm und mehr Schmutz in der Luft und im Grundwasser.

Die Angst sei unbegründet, meinen die Geschäftsführer beider Unternehmen: Weder seien ein größeres Volumen, noch längere Betriebszeiten geplant. Im Gegenteil: Mit der beim Referat für Umwelt und Gesundheit beantragten Genehmigung für die neue Halle soll die Umschlagmenge auf 308 000 Tonnen pro Jahr festgeschrieben werden, bisher gibt es keine Begrenzung. Außerdem sollen lautere Arbeiten wie mit der Stahlschere oder dem Schredder höchstens acht Stunden pro Tag erlaubt sein. Bisher seien es 13 Stunden. „Alles, was wir hier machen, ist eigentlich schon genehmigt“, sagt Karl-David Schlehenkamp. Anfang 2013 kam der 32-jährige Dortmunder zu Thyssen Dück, seit knapp einem Jahr leitet er den Betrieb. Warum dann aber die Halle mit dieser enormen Größe von 174 Meter Länge, 45 Meter Breite und 29 Meter Firsthöhe?

„Sie muss so groß sein, damit die Schallschutzvorgaben erfüllt werden und wir mit den Geräten ungehindert arbeiten können“, begründet Robert Harhoff, Geschäftsführer von Cronimet Alfa, an dem Thyssen Dück zu 30 Prozent beteiligt ist. Cronimet bereitet Altschrott zur Herstellung von Edelstahl wieder auf. Eines dieser Geräte ist ein so genannter Spänebrecher, der die wenige Zentimeter großen Späne nochmal zerkleinert, was geringere Schmelzzeiten ermöglicht. Noch etwas sei entscheidend, sagt Harhoff: „Wir haben viele kleine Plätze, die auf dem Gelände verteilt sind. Künftig wollen wir die Materialien und Legierungen unter einem Dach sortieren und lagern.“ Das Vorhaben, das auch den Standort sichern solle, sei bei modernen Schrottanlagen schon Standard.

Im Freien bleibt die riesige Schrottschere, die mit einem Druck von 1000 Tonnen alte Heizkörper oder die Reste einer Klimaanlage bearbeitet. Daneben verläuft eine neun Meter hohe Lärmschutzwand. Hinter der Schrottschere türmt sich ein weiteres Stahlungetüm auf: der Schredder. Er arbeitet wie eine riesige Mühle mit großen Hämmern und sortiert den Müll in magnetischen Eisenschrott und nicht magnetische Teile. Gerade stehen beide Maschinen still - es ist Frühstückspause.

Ab und zu fährt ein Laster vor. „Unser Schrott kommt ausschließlich aus München“, sagt Schlehenkamp. Weitere Wege würden sich gar nicht lohnen. Große Lieferanten seien zum Beispiel BMW und MAN. Rund 12 000 Tonnen pro Monat habe man 2013 recycelt und damit etwa 25 Millionen Euro umgesetzt. Momentan stagniere das Geschäft allerdings.

Anders bei Cronimet. Das Unternehmen verarbeitet legierten Stahl. Ein deutlich höherwertiges Produkt, bei dem sich auch höhere Frachtkosten rentierten. Geliefert wird der Stahl überwiegend aus Bayern sowie Tschechien, Polen oder - per Bahn - aus Österreich. Dank steigender Preise für das veredelte Material werde man 2014 vermutlich ein Umsatzplus (2013: 100 Millionen Euro) machen.

Der Abtransport zu Stahlwerken in Bayern, Italien, Slowenien und Belgien läuft zu fast 95 Prozent über die Schiene. „Unser Standort zwischen zwei Gleissträngen ist ideal“, sagt Harhoff. „Wir können zuverlässig leere Waggons vom Hauptbahnhof oder aus Pasing bekommen“, ergänzt Schlehenkamp. In die neue Halle soll auch ein Gleis verlegt werden, auf dem bis zu zehn Waggons hintereinander beladen werden können. „Unsere Arbeiter bleiben dann im Trockenen“, fügt er noch hinzu.

Eine Weile müssen Greifkran-Führer Carlo und seine Kollegen allerdings noch darauf warten. Schlehenkamp und Harhoff rechnen damit, dass die Genehmigung voraussichtlich Ende des Jahres erteilt wird. Stehen soll der Bau dann spätestens Ende 2016.

Monika Wehrl-Herr

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