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Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen den schweren Wohnungsbrand am 13. Mai an der Mühldorfstraße.

„...dann stand ich in Flammen“

Explosiver Mietzoff: Rentner zündete seine Wohnung an

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Vor etwas mehr als einem Jahr legte der Rentner Manfred K. Feuer in seiner eigenen Wohnung in Münchner Stadtviertel Berg am Laim. Nun kam es zum Prozess. 

München - Wer Manfred K. (69) zum ersten Mal sieht, würde ihn ihm wohl keinen Verbrecher vermuten. Im blütenweißen Hemd betritt er den Gerichtssaal, lächelt und grüßt freundlich. Name, Alter und Beruf: Höflich bestätigt er dem Richter seine Daten. Nur bei der Adresse wird es schwierig: „Meine Wohnung in der Mühldorfstraße habe ich nicht mehr“, sagt der Rentner. Denn er hat sie angezündet – und seine Nachbarn am 13. Mai 2016 fast getötet!

Am Dienstag begann der Prozess am Landgericht. Wegen schwerer Brandstiftung ist Manfred K. angeklagt. Er sagt: „Ich weiß noch, wie ich das Benzin in den Schrank geschüttet habe. Nebenan stand der Gasheizer. Es gab sofort einen Knall und dann stand ich in Flammen.“ So wie kurz darauf auch seine Wohnung.

Ohne seinen Nachbarn Christopher P. (Name geändert) wäre Manfred K. heute wohl nicht mehr am Leben. „Ich wohne gegenüber und hatte eine Freundin zu Besuch. Wir hörten ein Dröhnen und ein Zischen. Dann quoll unter der Tür hindurch plötzlich Rauch in meinen Flur. Jemand schrie: ‚Feuer, Feuer, alle sofort raus hier‘.“ Ohne zu zögern rannte Christopher P. hinüber zu Manfred K.: „Seine Tür stand offen, die Wohnung brannte schon lichterloh. Ich sah ihn gleich und zog ihn raus.“

Nachbarn erlitten Rauchvergiftungen

Laut Anklage hat Rentner Manfred K. den Brand gelegt. Wegen eines Streits mit seinem Vermieter? Er selbst gibt vor Gericht an, er könne sich nicht erinnern.

Wie durch ein Wunder blieb der Rentner unversehrt. Zwei Nachbarn in dem Mehrfamilienhaus erlitten allerdings Rauchvergiftungen. Im Haus entstand rund 250.000 Euro Schaden. Denn Manfred K.s Zweizimmerwohnung brannte völlig aus, die seines Retters musste wegen der Rußschäden vollständig renoviert werden. Heute ist sie wieder bewohnbar.

Nach dem Brand saß Manfred K. erst in Untersuchungshaft, mittlerweile in der Psychiatrie. Sein Verteidiger Christian Gerber sagt: „Ihm fehlen viele Erinnerungen.“ Erinnerungen, die für den Ausgang der Prozesses aber sehr wichtig sind. Nur, dass er zur Tankstelle gelaufen war, daran erinnert sich der Angeklagte noch genau. Und wie er das Benzin ausgoss. Danach „ist alles weg“, sagt er.

Dann führt Manfred K., vielleicht unfreiwillig, aber doch noch einen wichtigen Aspekt in den Strafprozess ein. Denn mit seinem Vermieter gab es vor der Tat anscheinend öfter Streit, wie der Rentner berichtet. „Ich weiß noch, dass ich mich über ihn sehr geärgert habe.“ Um eine Rechnung sei es gegangen, über etwa 100 Euro. „Das war völlig übertrieben.“

Haftstrafe droht

Aber war es auch der Anlass für die angeklagte Brandstiftung? Oder war es ein Augenblicksversagen? Bei dieser Frage wird Manfred K. ganz ruhig. Er senkt den Kopf, sein Lächeln verschwindet. „Ich hatte keine Absicht, jemanden zu verletzen.“ Um ein Haar wäre das am 13. Mai 2016 aber passiert. Nun droht Manfred K. eine Haftstrafe.

Aktuell muss er täglich mehrere Medikamente einnehmen. „Eine Handvoll sind es morgens, acht oder neun. Und mittags noch einmal vier“, sagt der Rentner, der vor einigen Jahren einen Herzinfarkt und kurz danach noch einen Schlaganfall erlitten hat. Womöglich, überlegte Richter Frank Zimmer, könnte es auch einen Einfluss auf die angeklagte Tat gehabt haben, dass Manfred K. am Morgen des 13. Mai 2016 vergessen hatte, einige seiner Tabletten zu nehmen. Spätestens am Donnerstag wird sich auch diese Frage geklärt haben. Dann soll das Urteil fallen. 

Andreas Thieme

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