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Erst vor einer Woche wurde der neue Abschnitt der Linie feierlich eröffnet. 

Bürgerprotest, Autofahrer ausgebremst

Neue Tram nach Steinhausen: Es gibt schon Beschwerden

München - Nur eine Woche nach der Eröffnung der neuen Tram nach Steinhausen gibt es schon Beschwerden. Wegen der neuen Ampeln rund um die Endhaltestelle am Bahnhof Berg am Laim kommt es morgens und abends zu riesigen Staus.

Bis Freitag vor einer Woche war noch alles gut für Herbert Lindinger. Die Truderinger Unterführung am S-Bahnhof Berg am Laim sei zwar seit jeher ein Nadelöhr, aber der Verkehr sei einigermaßen gelaufen, erzählt der Truderinger. Daher kam er ohne große Einschränkungen gut von der Autobahn zur Baumkirchner- und Kreillerstraße.

Mit der neuen Tram sei an der Ecke Truderinger Straße zur Zamilastraße die Vorfahrt geändert worden. Dort, in der Zamilastraße, hat die Tram unweit des S-Bahnhofs Berg am Laim ihre Endhaltestelle und wendet. Fährt sie nach dem Wenden wieder auf die Truderinger Straße, genießt die Tram Vorfahrt. Die Ampel dort schaltet relativ schnell durch. Denn die Linie 25 fährt zwischen 6 und 22 Uhr im Zehn-Minuten-Takt. Zwei Minuten später fährt ein Zug wieder von Steinhausen Richtung Max-Weber-Platz ab.

Ist eine neue Ampel die Ursache?

Zudem gibt es eine neue Fußgängerampel. Sie wurde direkt vor die Truderinger Unterführung gesetzt. Rechnet man noch die bestehenden Ampeln an der Kreuzung Truderinger Straße zur Baumkirchner Straße sowie an der Hultschiner Straße zur Zamdorfer Straße ein, hat man auf 500 Metern jetzt vier Ampeln. „Das ist ein Fiasko“, schimpft Herbert Lindinger. Für die kurze Strecke zwischen Truderinger Straße und Autobahn braucht Lindinger mit dem Auto nun bis zu 35 Minuten. „Die Autos stehen sogar bis in die St.-Veit-Straße in Berg am Laim, weil man dort wegen des Staus nicht mehr in die Truderinger Straße abbiegen kann“, sagt Lindinger. An der Kreillerstraße durchs Ortszentrum Berg am Laim sei es nicht viel anders.

Die Staumeldungen im Internet bestätigen Lindingers Aussagen. Zu den Hauptverkehrszeiten in der Früh und am Abend blinkt in der Gegend alles rot. „Ich bin ja froh über die Tram“, sagt Lindinger, aber so könne das dort nicht ablaufen. Er fordert deshalb aufeinander abgestimmte Ampelschaltungen.

„Ja, da gibt es Staus, aber die hat es auch schon vorher gegeben“, erklärt Matthias Korte, Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Er appelliert: „Warten wir doch mal ab, wie es sich einspielt.“ Zudem gehe die Kreuzungsregelung auf Wünsche des Kreisverwaltungsreferats (KVR) zurück.

Der Stadt liegen keine Beschwerden vor

Dort reagiert man verwundert. Aktuell würden der Stadt hierzu keine Beschwerden vorliegen, sagt KVR-Sprecher Johannes Mayer. Die neue Ampelanlage laufe verkehrsabhängig und somit flexibler. „Mit mehr Grün für die Autofahrer.“ Selbst am Mittleren Ring seien Querstraßen, auf denen Trambahnen verkehren, vorfahrtsberechtigt, sagt Mayer. Zudem greife dies nur bei einem Ausfall der Ampelanlage. Solange die Ampel an sei, sei die Vorfahrtsregelung ohne Belang.

„Das ist ein Fiasko“, schimpft Herbert Lindinger über die neue Ampelschaltung an der Kreuzung Zamilastraße/Hultschinerstraße.

Auch die Fußgängerampel direkt an der Unterführung mache Sinn, sagt Mayer. „Es ist die einzige gesicherte Querungsmöglichkeit für Fußgänger, die von den Bushaltestellen an der Westseite zur Tram- oder S-Bahn wechseln wollen.“ Die Drückampel werde viel genutzt, das zeigten Auswertungen durch das KVR. Und werde nicht gedrückt, hätten Autos ohnehin Dauergrün. Herbert Lindinger hat das anders beobachtet. „Das sind gar nicht die Wegebeziehungen der Leute.“ Die meisten würden entweder an der Ampel die Zamilastraße queren oder einfach über die Straße laufen.

So oder so: Mayer dementiert, dass die neue Fußgängerampel ein Stauverursacher sei. KVR-Mitarbeiter hätten sich die Situation vor Ort angeschaut und zwar „kurzzeitige Rückstauungen bis zur Ampel südlich der Unterführung“ festgestellt. Diese seien jedoch immer wieder rasch abgebaut worden. Herbert Lindinger macht sich noch ganz andere Gedanken. „Wie soll es hier weitergehen, wenn nächstes Jahr die Unterführung saniert wird?“ Unzufrieden sind auch die Anwohner der Schwarzwald-Siedlung jenseits der Passauer Autobahn. Mit der neuen Tram hat die MVG die Busanbindung der Siedlung neu geregelt. Die Busse fahren seltener und haben zudem nur noch Zubringerfunktion zur Tramhaltestelle Berg am Laim. Dort müssen die Schwarzwald-Siedler umsteigen, wollen sie zum Max-Weber-Platz.

Das sei normaler Standard für Gebiete wie die Schwarzwald-Siedlung, so die MVG. Heißt: Die Siedlung war überversorgt. Früher brachten drei Buslinien die Anwohner in sechs Minuten direkt zum Max-Weber-Platz.

Carmen Ick-Dietl

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