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Direkt an der Friedenstraße soll ein 64 Meter hoher Turm mit siebzehn Geschossen entstehen.

Nach Schmieröl und Party

Optimol-Pläne: Dieser Luxus-Bürokomplex soll bald am Ostbahnhof stehen

Nach Schmieröl und Party beginnt auf dem Gelände der einstigen Optimol-Werke hinter dem Ostbahnhof ein neues Kapitel. An der Friedenstraße 10 entsteht ein Geschäfts- und Bürokomplex. 

München - „Wir machen’s für uns und wir machen das, was uns gefällt.“ Heinrich M. Maltz will seine Familientradition in München fortführen. Vor 85 Jahren begann hinter dem Ostbahnhof die Erfolgsgeschichte der Unternehmerfamilie Maltz. Mit Schmierölen und Prüftechnik machte sich Optimol weltweit einen Namen. Bis die Firma 1992 verkauft wurde. Anschließend wurden die Optimol-Werke als spezielles Partyareal ein Begriff. Gemeinsam mit Wolfgang Roeck, Geschäftsführer des Projektentwicklers und Bauträgers Wöhr + Bauer, will die Familie nun den nächsten Schritt „mutig nach vorn“ tun: etwas entwickeln, was den „Spirit of Optimol“ symbolisiert.

„Die Optimol-Werke sind in Fachkreisen weltweit für Erfindergeist und technische Innovationskraft bekannt“, hebt Roeck die Leistungen der Unternehmerfamilie hervor. Das neue Gebäude, das die früheren Produktionsstätten und das alte Wohnhaus der Familie ablöst, hat enorme Wirkung. Die Pläne stammen von Nieto Sobejano Arquitectos. Die Planer aus Madrid haben auch die im Bau befindlichen Bavaria Towers am Vogelweideplatz und den neuen Königshof am Stachus entworfen. „Sie haben unsere Familienhistorie am gefühlvollsten in moderne Architektur umgesetzt“, loben die Maltz-Erben.

Wolfgang Roeck (li.) und Heinrich M. Maltz wollen auf dem Optimol-Gelände etwas völlig Neues aufziehen.

Familien-Philosophie in Beton und Glas

Direkt an der Friedenstraße soll ein 64 Meter hoher Turm mit siebzehn Geschossen entstehen. Weil die Geländekante dort gegenüber der Rosenheimer Straße etwas höher liegt, erhält man am Ende auf der Dachterrasse trotz gleich hoher Gebäude in der Umgebung einen freien Blick über die Stadt. Zudem wird es das einzige Hochhaus auf der Ostbahnhof-Seite sein und somit „eine schöne Präsenz schon bei der Ankunft“ darstellen, erklärt Roeck. Die v-förmig geknickten Fassadenelemente reichen über jeweils zwei Stockwerke. Das lässt das Gebäude niedriger erscheinen, als es ist. Zudem sind die Paneele abwechselnd nach innen und außen geknickt, was einen Wechsel von Licht und Schatten zur Folge hat.

Der Eingang in den C-förmigen Komplex ist großzügig gestaltet, viel Glas gewährt ungewöhnliche Einblicke.

 

Grüne Terrassen auf den Dächern sollen als Orte der Begegnung genutzt werden. „Der Drang nach draußen ist in der Arbeitswelt sehr groß“, weiß Roeck. Im Hochhaus sind daher auch noch als Loggien nach allen Richtungen ausgerichtete Gärten eingeplant. „Ein Haus, das man nicht auf den ersten Blick übersehen kann, von dem der Blick nicht gleich wieder abgleitet, sondern bei dem es wirklich was zu sehen gibt“, freut sich Heinrich Maltz. Die unteren sechs Geschosse setzen sich in geschwungener Form einmal rund ums Baugrundstück fort. 

Bäume sollen dem Komplex eine auflockernde Wirkung geben. Davor der zentrale Platz des Werksviertels, bisher „Knödelplatz“ genannt, weil hier einst Pfanni produzierte.

Der gesamte Komplex hat eine C-Form - eine Reminiszenz an die C-förmige Bebauung der alten Optimol-Werke. Der von den Gebäuden eingefasste Innenhof öffnet sich zum großen Quartiersplatz des Werksviertels. Damit entsteht gleichzeitig Intimität und Verbindung, Rückzugsort und Austausch. Die Familie Maltz plant auch kleine Veranstaltungen in ihrem Hof. Auf den beiden unteren Ebenen wird es Gastronomie und Einzelhandel geben sowie sogenannte Co-Working-Zonen, in denen Freiberufler, Kreative und junge Firmen voneinander profitieren können. Die darüber liegenden Etagen sind für Büro- und Gewerbeflächen vorgesehen.

Lesen Sie hier: Münchens größte Werkstadt - Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Leben soll es im Werksviertel geben

„Im Werksviertel gibt es eben keinen klassischen Büropark, der abends ab 18 Uhr tot ist, sondern es wird ein lebendiges Viertel, in dem man essen, einkaufen und flanieren kann“, sagt Wolfgang Roeck. Er bringt sich nicht nur als Projektentwickler ein, sondern ist erstmals ganz persönlich als Bauherr involviert, will die Immobilie als erstes großes Bestandsobjekt aufbauen. Ein gemeinsames Ganzes, bei dem hinterher jeder seinen Teil hat: Der Südteil bleibt der Familie Maltz, der Nordteil geht an Wöhr + Bauer, der Hof ist in gemeinsamer Hand. Es sei eine Grundvoraussetzung für die Zusammenarbeit gewesen, sagt die Familie Maltz. Ein Partner, der nur „durchhandle“, wäre nicht akzeptabel gewesen. Nun werde es eine Partnerschaft über die Fertigstellung hinaus, um die Optimol- bzw. Maltz-Werte in die nächste Generation zu tragen. Eine kleine Ausstellung in einem der Gebäude soll an die Firmengeschichte erinnern. Es gibt auch die Idee eines Kunstwerks in Form eines riesigen Öltropfens im Innenhof. 

Der Abriss der alten Optimolgebäude läuft bereits, im Frühjahr 2019 soll die Neubebauung starten, bis Ende 2021 alles fertig sein. Die Resonanz von den anderen Werksviertel-Eigentümern und der Stadtplanung sei positiv, so Maltz. Im April wird das Projekt der Stadtgestaltungskommission vorgestellt.

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Ausstellung

Die Familie Maltz zeigt ihre Pläne fürs Optimol-Gelände ab Freitag eine Woche lang in ihrem ehemaligen Esszimmer an der Frieden-straße 10. Geöffnet mo-fr 12 bis 13.30 Uhr und 17 bis 20 Uhr, sa und so von 11 bis 17 Uhr.

Carmen Ick-Dietl

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