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Damit ist dann Schluss: ein Party-Bild aus den Optimolwerken.

Bald sperren die Party-Tempel zu

Optimolwerk: Jetzt sprechen die Club-Betreiber zum Party-Aus

Schon in wenigen Wochen ist das Optimolwerk als Kultur-Areal Münchner Partygänger-Geschichte. Das sagen die Betreiber der Clubs Do Brasil und Rumours dazu.

München - Ja, er lächelt – aber es wirkt gezwungen… Schauen Sie mal oben: Da sehen Sie Club-Betreiber Jesus Arce-Rossell vom Do Brasil auf dem Optimolgelände. Für ihn und seine Party-Kollegen ist am Jahresende Schluss: Dann ist das Optimolwerk als Kultur-Areal Münchner Partygänger-Geschichte. Das bestätigte Mathias Scheffel, der das Gelände hinter der Ostbahnhof seit 2003 zusammen mit Wolfgang Nöth betreibt. „Wir haben zwar bis zuletzt gehofft, dass wir doch noch mal eine Verlängerung bekommen, das hat aber leider nicht geklappt“, sagt der Szene-Gastronom. Betroffen von der Schließung sind zehn Clubs und Bars, aber auch Ateliers, eine DJ-Schule, Übungsräume und Start-ups.

Dass irgendwann mal die Abrissbirne kommen würde, war allen klar. „Dass es so lang gedauert hat, war eigentlich nicht abzusehen“, sagt Scheffel. Zum einen schwebte der Bau des neuen Quartiers Werksviertel über dem Optimol, zum anderen die immer wieder neu zu erteilenden Genehmigungen der Bezirks­inspektion. Und die hatte so ihre Probleme mit dem Gelände – wegen Lärm, Schmutz und Kriminalität. Nun ist der Ausbau zum Werksviertel rundherum bereits in vollem Gang, „das wird nun sehr schnell gehen, dass auch hier abgerissen wird“, sagt Scheffel etwas wehmütig. „Was man an den Kultur-Arealen hatte, wird man wahrscheinlich erst in einigen Jahren sehen.“ Sub-optimol…

Leid tut es Scheffel vor allem für die kleinen Büros und Ateliers, „der Mietpreis lag bei uns im Schnitt bei zehn Euro warm. Das wird schwierig, etwas Vergleichbares zu finden.“

Dieser Abschied tut weh

Jeder Abschied macht traurig. Wir haben so viele Leute kennengelernt, so viele ­schöne Erlebnisse gehabt – das tut schon ein bisserl weh. Immerhin waren wir 14 Jahre hier und sind so mit Abstand der älteste Club im ­Optimolwerk. Es war die Abwechslung hier, die uns anfangs so faszinierte, all die unterschiedlichen Musikrichtungen und Kulturen. Jetzt gilt es, das Schöne aus der Zeit zu behalten und was ­Positives draus zu machen. Do Brasil ist ­mittlerweile eine Marke in München. Für das Do Brasil Optimol suchen wir jetzt nach einer Nachfolge-Location. - 

Jesus Arce-Rossell, Do Brasil

Schade um das Areal

Zuerst mal ist es schade, dass es in Zukunft eine ­Bühne weniger für die Live-Musik in München geben wird. Als wir hier im Frühjahr eingezogen sind, wussten wir natürlich, dass Ende des Jahres Schluss sein könnte, haben aber trotzdem gehofft, dass es doch etwas länger gehen könnte. Es ist aber auch schade um das gesamte Areal, weil wieder ein Stück Subkultur wegbricht und nicht anderswo ersetzt wird. Ich habe nur sehr sehr positive Erinnerungen: Wir haben hier ganz tolle Bands gehabt. Für den 14. ­Januar planen wir ein großes ­Abrisskonzert. - 

Markus Czipzirsch, ­Rumours

Die Zukunft: Das Werksviertel

Es ist ein Riesen-Projekt: das neue Werksviertel nahe dem Ostbahnhof. Dort, wo einst Pfanni seine Knödel formte und später die Kultfabrik die Feierwütigen anlockte, wird ein völlig neues Stadtviertel entstehen. 3000 Menschen können hier bald wohnen und 12 600 arbeiten – auf einer Fläche von 39 Hektar (das entspricht 55 Fußballfeldern). Im Herzen des neuen Viertels ist das neue Konzerthaus geplant, wo das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks einziehen soll. Geplant ist ein großer Saal mit 1800 Plätzen und ein kleinerer mit 800 – schon im Jahr 2021 soll es fertig sein.

Rundherum sind Theater, Kino, das Hotel „Moxy“, ein Fitnesscenter, eine Kletterhalle und Einkaufsmöglichkeiten geplant, aber auch eine Grundschule und drei Kindertagesstätten sowie allein sieben Hektar Grün- und Freiflächen. Wichtig: Der Charakter des Viertels soll nicht verloren gehen. Alte Werkshallen werden nicht abgerissen, sondern wieder neu hergerichtet. Sie sollen Platz für Künstler-ateliers oder Start-Up-Büros bieten.

Thomas Osswald/ast

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